
Rudolf Weiler kennt Indien und die wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes sehr gut. Das international agierende Unternehmen Digisound aus Norderstedt bei Hamburg, besitzt mit dem Unternehmen Weiler International Electronics Pvt. Ltd seit 1996/97 eine Produktionsstätte in Pune, Indien. Rudolf Weiler, geschäftsführender Gesellschafter, erzählt er vom Beginn des Digisound-Engagements, von den Arbeitsbedingungen in Indien und den Chancen deutsch-indischer Kooperationen.
Asien Kurier: Sie haben verschiedene Standorte in Asien getestet. Was war letztlich für Indien ausschlaggebend?Rudolf Weiler: Entscheidend war auf der einen Seite die sofortige Liebe zu Indien, die mich erfasste, als ich mehrere Male Indien besucht hatte. Und zum anderen auch die Chance, eine fertige Elektronikfabrik des höchsten Qualitätsstandards auf dem Silbertablett serviert zu bekommen. Die Zeichen in Indien waren schon zum damaligen Zeitpunkt, 1996/1997, auf Wachstum gestellt und passten gut in unsere Linie.Asien Kurier: Was genau wird in Indien produziert?Rudolf Weiler: In Indien haben wir drei Produktionslinien: Der eine Bereich ist die Produktion von Mikroschaltkreisen, in erster Linie für die Raumfahrt, daneben für den Verteidigungsbereich, für Automotive sowie normale Elektronikanwendungen. Die zweite große Produktionslinie ist die Herstellung von Sirenen. Wir produzieren dabei nach dem VDS-Standard der europäischen Versicherer und orientieren uns an deren Freigaben und an den jeweiligen Audits. Die Sirenen werden im Feuer- und Alarmsektor angewendet. Das dritte Geschäftsfeld heißt EMS, das ist eine Produktion spezifischer Schaltkreise auf ganz normaler Basis, die hier zusammengefasst werden.Asien Kurier: Wird in Indien - geografisch gesehen - für einen weltweiten Markt produziert oder gibt es Schwerpunktmärkte?Rudolf Weiler: Die Bereiche ?Sirenen? und ?EMS? sind weltweit orientiert, die Mikroschaltkreise sind im Moment noch zu 90 bis 95 Prozent ausschließlich für den indischen Sektor bestimmt. Sobald wir etwas mehr Kapazität aufbauen können, werden wir da auch in den internationalen Markt gehen.Asien Kurier: Wie sehen die Produktionsbedingungen in Indien aus, etwa in Bezug auf Logistik und gesetzliche Auflagen?Rudolf Weiler: Es ist im Grunde genommen nicht schwieriger als bei uns oder in China. Es gibt klare Vorgaben für Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen oder Einhaltung von Fristen. Im Bereich Logistik hat sich die Situation deutlich verbessert. Wo wir früher beispielsweise für die Einfuhr von Waren aus dem Ausland über die Zollbehörden sehr lange brauchten, geht das heute auch schon innerhalb von zwei, maximal drei Tagen. Die Verkehrssituation hat sich ebenfalls extrem verbessert. Es ist natürlich klar, dass die Infrastruktur ausbaufähig ist. Auch wir haben noch immer einmal pro Woche einen totalen Stromausfall, aber auch in dieser Hinsicht ist vieles besser geworden. In den ersten Jahren unserer Präsenz in Indien mussten wir drei Tage in der Woche ohne Strom auskommen. Also, wir sind schon sehr zufrieden mit dem Erreichten.Asien Kurier. Vergleichen Sie einmal die Mentalitätsunterschiede der Mitarbeiter in Deutschland und in Indien?Rudolf Weiler: Ja, es gibt schon sehr deutliche Unterschiede. Wir haben in Deutschland eine sehr starke kapitalistische Struktur des Wirtschaftsdenkens und sind auf Profit ausgerichtet, während in Indien die Mentalität in erster Linie auf Gleichklang und Harmonie ausgerichtet ist. Aber das ist auch nicht so interessant wie die Frage, ob die Schnittstelle zwischen Deutschland und Indien gegenüber Gemeinsamkeiten mit anderen asiatischen Investitionsstandorten gut genug ist. Aus meiner Sicht ist das Verständnis zwischen einer indischen und einer deutschen Geschäftsmentalität hervorragend.Asien Kurier: Gibt es Dinge, bei denen Sie sagen würden, hier kann Deutschland im wirtschaftlichen Bereich von Indien lernen?Rudolf Weiler: Sicherlich kann man vom Langmut der Inder lernen und etwa die ganze übliche Hektik, in die wir verfallen, abstreifen: Das wäre zum Beispiel ein interessanter Lernprozess. Andererseits ist die Wirtschaft immer das, was sie sich selbst vorgibt; so gesehen bleibt dies wohl nur ein Wunschtraum. Lernen kann man dagegen in bestimmten Bereichen, um Arbeitsvorgänge an Indien abzugeben, die sich dort besser realisieren lassen.Asien Kurier: Herr Weiler, möchten Sie noch ein Schlusswort setzen?Rudolf Weiler: Gerne! Die deutsche Wirtschaft bemüht sich ja gegenwärtig sehr intensiv, die Geschäftsbeziehung zu Indien nochmals zu verbessern. Unsere Bundeskanzlerin besucht im Augenblick Indien und machte deutlich, dass Deutschland die wirtschaftlichen Verhältnisse in Indien noch stärker unterstützen will. Das ist nur zu begrüßen. Wir müssen davon ausgehen, dass wir zusammen mit Indien in der globalen Welt der Zukunft sehr stark sein können. Allein - ohne Indien oder einen gleichwertigen Partner - sind wir ganz sicher nicht stark genug, um den globalen Anforderungen zu genügen.Digisound-Electronic GmbHPostfach 20 69, 22810 Norderstedt / DeutschlandOststrasse 54, 22844 NorderstedtTel.: 49 40 526869 0Fax: 49 40 526869 13Email: info@digisound.deWeb: www.digisound.de