
Der Erfolg japanischer Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen fällt je nach Branche unterschiedlich aus. Mittelfristig werden die Transportbranche, Privathaushalte, der Handel und das Handwerk die ursprünglichen Zielvorgaben bis 2010 nicht erfüllen. Hingegen geht der industrielle Sektor mit gutem Beispiel voran und senkt die Emissionen freiwillig auch über die bereits gesetzten Werte hinaus. Denn mit dem Handel von Quoten, mit Energiesparen und mit Umweltschutzmaßnahmen lässt sich auch Geld verdienen.
Ein Mitte August veröffentlichter Zwischenbericht über Japans Treibhausgasemissionen kommt zu dem Ergebnis, dass die für das Fiskaljahr 2010 gesetzten Ziele um bis zu 2,1 Prozent überschritten werden könnten. Mehr als 1,27 Milliarden Tonnen dürften dann ausgestoßen werden. Betrachtet man allein den Kohlendioxidausstoß aus der Energienutzung, dann steigt die Überschreitung sogar um bis zu 5,9 Prozent. Denn insbesondere die Emissionen der Transportbranche werden demnach bis 2010 um 14,5 Prozent, die der privaten Haushalte um 16,1 Prozent, sowie die des Handels und des Handwerks um 30,9 Prozent zunehmen. Hingegen soll die produzierende Industrie ihre Ausstöße bis dahin um 8,5 Prozent verringern können, so das Global Environment Subcommittee des Ministry of Economy, Trade and Industry.Auch wenn Japan auf Instrumente zurückgreift, wie sie das Kyoto-Protokoll erlaubt, so beispielsweise den Erwerb von Zertifikaten im CDM (Clean Development Mechanism) und JI (Joint Implementation), sollen die Emissionen bis 2010 lediglich um zwischen 3,3 und 4,5 Prozent gesenkt werden können. Das erklärte Ziel von 6 Prozent Verringerung gegenüber dem Stand von 1990, wie es für Japan im Kyoto-Protokoll formuliert ist, wird demnach also verfehlt.Obwohl die Industrie mit ihren bisherigen Aktivitäten gut dasteht, hat sie weitere Maßnahmen angekündigt, um die japanischen Verpflichtungen erfüllen zu können. Dazu haben 13 Branchen einen Plan vorgestellt, ihre Emissionen von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen freiwillig um weitere 13 Millionen Tonnen gegenüber dem ursprünglichen Plan zu verringern. Beispielsweise will die chemische Industrie ihre Ausgaben um zusätzliche 134 Milliarden Yen (823 Mio. Euro; 1 Euro = 162,73 Yen) erhöhen.Die meisten der Branchen werden, um ihre Emissionsziele erreichen zu können, Zertifikate von anderen Ländern und Unternehmen kaufen. Die Elektrizitätserzeuger haben angekündigt, zwischen 2008 und 2012 etwa 120 Millionen Tonnen an Emissionszertifikaten erwerben zu wollen. Im gleichen Zeitraum beabsichtigt die Stahlindustrie, sich etwa 44 Millionen Tonnen zu sichern. Oder sie investieren in konkrete Umweltschutzprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern, so in Indien, der Volksrepublik China oder Malaysia, um dadurch eigene Emissionsrechte zu erwerben. Zwischen Januar und Juni 2007 hat die japanische Regierung bereits 92 Projekte dieser Art genehmigt, mehr als doppelt so viele wie in der zweiten Jahreshälfte 2006. Durch solche Projekte im Ausland haben japanische Firmen bislang Zertifikate in einer Größenordnung von 90 Millionen Tonnen angesammelt.Mitsubishi ist eines der Unternehmen, das in umfangreichem Maße solche Zertifikate erworben hat und sich künftig weitere sichern will. Es hat dazu mit der Emissions Reduction Business Unit eine spezielle Geschäftseinheit geschaffen und verfügt mittlerweile über die meisten Emissionsrechte unter den japanischen Unternehmen. Seit März 2006 soll Mitsubishi einen achtprozentigen Anteil aller UN-Registrierungen beziehungsweise rund 11,9 Millionen Tonnen angesammelt haben.Weitere Emissionsrechte aus CDM- und JI-Projekte sollen folgen, wie unter anderem aufgrund geringerer Stickstoffausstöße in einer Explosivstoffmine in Chile entsprechend 820.000 Tonnen Kohlendioxidäquivalente. Auf etwa 930.000 Tonnen kommt ein ähnliches Projekt in China. Zudem kauft Mitsubishi Heavy Industries von einem Windenergieprojekt der chinesischen Ningxia Electric Power Group etwa 330.000 Tonnen Emissionsrechte ab. Alle derzeit allein von Mitsubishi Corp. erwogenen Projekte belaufen sich auf annähernd 30 Millionen Tonnen pro Jahr, wie die "Japan Chemical Week" vom 16. August 2007 meldete.Dabei spielen die japanischen Handelshäuser als Zwischenhändler eine wichtige Rolle. Sie treten international aktiv als Käufer von Emissionsrechten in Erscheinung, welche sie anderen Unternehmen oder an Regierungen weiterverkaufen. Im Jahr 2005 kaufte Japan von den angebotenen 352 Millionen Tonnen Emissionsrechten mit 46 Prozent den größten Anteil. Von den 466 Millionen Tonnen im Jahr 2006 erwarb der Staat noch 7 Prozent. Es wird damit gerechnet, dass 2007 die Unternehmen und Regierung umfangreiche Käufe tätigen, um ihre Verpflichtungen zu erfüllen, so der "State and Trends of the Carbon Market 2007" der World Bank Carbon Finance Unit.Der Kauf von Emissionsrechten im Ausland ist eine Methode, die Emissionen zu verringern. Umweltprojekte im Inland bilden ein noch wichtigeres Standbein. Hier laufen mehrere Aktivitäten verschiedener Branchen. So arbeitet die Stahlindustrie an einem Projekt, Kohlendioxid durch spezielle Katalysatoren aus Hochofengasen zu separieren. Das Ministry of Economy, Trade and Industry unterstützt derzeit ein Pilotvorhaben, Kohlendioxid unterirdisch in wasserführenden Schichten zu lagern, um Treibhausgase aus der Atmosphäre zu entfernen.Mitsubishi Heavy Industries und Royal Dutch Shell forschen an einem System, wie in der Industrie anfallendes Kohlendioxid gesammelt und komprimiert werden kann. Dieses soll dann bei der Rohölbohrung und -förderung eingesetzt werden, um mehr des kostbaren schwarzen Rohstoffes aus dem Boden herauszubekommen.Auf Kohlendioxid, wie es in Erdgas vorkommt, will der Anlagenhersteller Chiyoda Corp. zurückgreifen, um es als synthetisches Reaktionsgas in der Produktion alternativer Brennstoffe, beispielsweise in der Erzeugung von GTL (gas to liquid), einzusetzen. Eine entsprechende Technologie, die unter anderem 20 bis 30 Prozent der Baukosten einer solchen Anlage einsparen hilft, hat Chiyoda entwickelt und testet sie in einem Pilotprojekt.Staatlicherseits wird darüber nachgedacht, ein eigenes inländisches Tauschsystem für Emissionsrechte einzuführen, um auch kleinen und mittleren Unternehmen die Möglichkeit zu geben, solche Quoten zu kaufen und zu verkaufen. Für die Endkonsumenten sollen Anreize geschaffen werden, auf energiesparende Elektrogeräte umzustellen. Die Privathaushalte tragen in hohem Maße zu Emissionen bei und verfügen damit über hohe Einsparpotentiale, die aber bislang kaum genutzt werden.