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Asien Kurier 6/2007 vom 1. Dezember 2007
Indien

Investoren für Biotechnologieparks gesucht

Von Boris Alex (gtai)

Indiens Biotechnologiesektor befindet sich auf Wachstumskurs. Dank politischer Flankierung sind die Investitionschancen für ausländische Unternehmen gut. Die indische Regierung möchte mit Hilfe von Biotechnologieparks Kooperationen bei Forschung und Entwicklung fördern. Immer mehr internationale Konzerne nutzen den Standort, um von hier den asiatischen Markt zu bedienen und investieren kräftig. Auch Deutschland möchte sich künftig noch stärker engagieren.

Im Finanzjahr 2006/07 (1.4. bis 31.3.) erfreuten Indiens Biotechnologieunternehmen erneut mit einem Rekordergebnis von Plus 27 Prozent auf 82,3 Milliarden indische Rupien (rund 1,44 Mrd. Euro; 1 Euro = 57,4 Rupien) zu. Indien ist damit hinter Japan und Südkorea der drittgrößte Markt in der Asien-Pazifik Region. Der Fachverband Association of Biotechnology Led Enterprises (ABLE) geht davon aus, dass der Umsatz 2010 erstmals über umgerechnet 3,5 Milliarden Euro steigen könnte.

Grund für diese optimistische Prognose, die von Wachstumsraten von mehr als 30 Prozent für die nächsten drei Jahre ausgeht, ist der Zufluss an ausländischem Kapital. Immer mehr internationale Konzerne lagern ihre Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten nach Indien aus. Die Investitionen in dieser Branche erhöhten sich 2006/07 um 37 Prozent auf 22,7 Milliarden Rupien (etwa 400 Mio. Euro). Durch die Einrichtung von Biotechnologieparks sollen künftig noch mehr Investoren ins Land gelockt werden, so die Pläne der Regierung. Auch Kooperationen zwischen Universitäten sollen intensiviert werden, um die Ausbildung der indischen Wissenschaftler zu verbessern. Ziel ist es, die Forschungsergebnisse zu marktfähigen Produkten weiterzuentwickeln.

Mit einem Anteil von knapp 70 Prozent am Gesamtumsatz bleibt die Biopharmazeutik weiterhin die wichtigste Einnahmequelle der Branche. Sie legte 2006/07 um rund 19 Prozent auf 56 Milliarden Rupien (knapp 1 Mrd. Euro) zu. Besonders positiv haben sich die Anwendungen für die Landwirtschaft entwickelt. Ihr Umsatz konnte sich nahezu verdoppeln und stieg auf 11 Milliarden Rupien. Die Entscheidung der indischen Regierung, mehr Agrarland für die biotechnologische Forschung zur Verfügung zu stellen, hat zu einer verstärkten Investitionstätigkeit - insbesondere ausländischer Unternehmen - geführt.

Einzig die Sparte industrielle Anwendungen blieb mit einem Plus von nur gut 5 Prozent gegenüber 2005/06 hinter den Erwartungen zurück. Laut ABLE mangelt es nach wie vor an Kooperationen zwischen Forschungseinrichtungen und Privatwirtschaft, um marktfähige Produkte zu entwickeln. Die Regierung setzt bei der Projektfinanzierung auf Modelle des Public Private Partnership (PPP). Im letzten Jahr konnte bereits eine Reihe länderübergreifender Vorhaben realisiert werden, darunter mit Australien, Schweden und Dänemark. Etwa 200 ausländische Unternehmen nutzen mittlerweile den Standort Indien für die biotechnologische Forschung und Entwicklung, darunter AstraZeneca, GE Healthcare und Agilent.

Auch Deutschland soll sich künftig noch stärker auf dem Subkontinent engagieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel ebnete bei ihrem Indien-Besuch Anfang November 2007 den Weg für eine engere Kooperation zwischen deutschen und indischen Wissenschaftlern - auch im Bereich Biotechnologie. Die Zahl der Forscher an den indischen Universitäten hat sich in den letzten drei Jahren auf 16.000 verdoppelt. Eine wachsende Zahl ausländischer Unternehmen nutzt die vorhandene Infrastruktur für die Auftragsforschung sowie die Entwicklung und Erprobung von Medikamenten.

Um seine Marktposition weiter auszubauen, muss Indien allerdings zunächst den regulatorischen Rahmen stärker auf internationale Standards ausrichten. ABLE setzt sich dafür ein, die gesetzlichen Vorschriften für die biotechnologische Forschung und Produktentwicklung so zu modifizieren, dass die Ergebnisse den EU-Anforderungen und jenen der US-Regulierungsbehörde Food and Drug Administration genügen. Dadurch könnten weitere Investoren ins Land geholt werden, hofft der Fachverband.

Eine weitere Maßnahme, um "frisches" Geld in die Branche fließen zu lassen, ist die Einrichtung von Biotechnologieparks. Bislang gibt es sechs solcher Institutionen, bis Ende 2008 soll sich die Zahl verdoppeln. Mehrere Bundesstaaten haben entsprechende Projekte angekündigt und sind auf der Suche nach Kooperationspartnern. Der größte existierende Biotechnologiepark befindet sich in Hyderabad. Das Gelände mit dem Namen "Genome Valley" erstreckt sich über 600 km2 und beheimatet unter anderem den Pellonji Biotech Park sowie den ICICI Knowledge Park. Inzwischen haben sich hier rund 100 Unternehmen angesiedelt.

Auch die IT-Metropole Bangalore unterhält einen eigenen Biotechpark. Das 40 Hektar große Gelände "Bangalore Helix" konnte bereits eine Reihe von Investoren - insbesondere aus dem Bereich Bioinformatik - anlocken. Die Regierung des westindischen Bundesstaates Maharashtra wird in Kürze einen Park auf der Strecke zwischen Mumbai und Pune eröffnen. Weitere Projekte sind in Tamil Nadu, Uttar Pradesh, Rajasthan sowie in der Nähe der Hauptstadt New Delhi geplant. Karnataka ist nach wie vor der wichtigste Biotechnologiestandort auf dem Subkontinent. Knapp 200 der insgesamt 350 Firmen haben sich in dem südindischen Bundesstaat angesiedelt, davon allein 140 in Bangalore. Mit 11 Milliarden Rupien floss rund die Hälfte der Investitionen in diese Region.

Association of Biotechnology Led Enterprises (ABLE)

No. 13, 2. Stock, 4. C Block, 10. Main Road

Koremangala

Bangalore 560 034 / Indien

Tel.: 91 80 2553 3930

Fax: 91 80 2553 3998

Email: info@ableindia.org

Web: www.ableindia.org





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