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Asien Kurier 6/2007 vom 1. Dezember 2007
Korea

Schiffbau auf Hochtouren

Von Dr. Detlef Rehn (gtai)

Der schon seit Jahren auf Hochtouren laufende koreanische Schiffbau boomt weiter. Die Werften sind auf Jahre hinaus bestens beschäftigt. Deutschen Zulieferern bieten sich daher auch in der Zukunft gute geschäftliche Möglichkeiten. Sie profitieren auch davon, dass sich die koreanischen Werften angesichts starker chinesischer Konkurrenz zunehmend auf die Produktion höherwertiger Schiffe verlagern.

Angaben der Korea Shipbuilding Association (KOSHIPA) zufolge gingen bei den lokalen Werften 2006 Aufträge über knapp 19,6 Millionen CGT (compensated gross tons) ein. Gegenüber dem Vorjahr war das ein Zuwachs von 63,7 Prozent. Das Orderbuch hatte Ende 2006 ein Volumen von 45,3 Millionen CGT. Beim derzeitigen Tempo der Fertigstellungen (2006: 11,1 Millionen CGT) bedeutet dies, dass die koreanischen Werften auf mindestens vier Jahre hinaus ausgelastet sind. Der Auftragsbestand des gesamten Weltschiffbaus belief sich 2006 nach vorläufigen Angaben von Lloyd's Register auf 130,4 Millionen CGT. Südkorea vereinigte 35,7 Prozent auf sich; Japan rangierte mit 22,5 Prozent an zweiter, China mit 19,7 Prozent an dritter Stelle.

Die gute Geschäftslage erlaubt den koreanischen Schiffbauern, beim einholen von neuen Aufträgen sehr selektiv vorzugehen und sich auf die Fertigung hochwertiger Schiffe zu konzentrieren. Dies sind vor allem Öl- und Flüssiggastanker (LNG), sehr große Containerschiffe (teilweise bis zu mehr als 13.000 TEU) und Spezialschiffe wie schwimmende Öl- und Gasplattformen. Vor allem in den beiden erstgenannten Bereichen sind koreanische Werften weltweit derzeit und auch für die absehbare Zukunft mit Abstand führend. Der KOSHIPA zufolge gingen 2006 beispielsweise rund 79 Prozent der gesamten Neubestellungen von LNG-Tankern in Südkorea ein.

Auch am Kreuzfahrtschiffbau hat Land schon länger Interesse, ist bisher allerdings im Gegensatz zu Containerschiffen oder Flüssiggastankern noch nicht übermäßig erfolgreich gewesen. Dies könnte sich allerdings bald ändern. Denn am 24. Oktober wurde bekannt, dass sich die STX-Gruppe mit rund 800 Millionen US-Dollar an der norwegischen Aker-Werft beteiligt und zum größten Aktionär wird. Aker unterhält in Finnland eine große Werft für Kreuzfahrtschiffe.

Die Ausrichtung auf Felder mit hohem Wertschöpfungsgrad ist auf die großen Veränderungen im internationalen Schiffbau zurückzuführen. China drängt mit Macht vorn und plant, bis 2015 weltweit die Nummer eins unter den Schiffbaunationen zu werden. Auch Indien und Vietnam sind dabei, leistungsfähige Werften zu errichten. Die koreanischen Unternehmen nehmen aktiv an diesen Verschiebungen teil, indem sie Produktion von geringerwertigen Schiffen und Komponenten zunehmend ins Ausland verlagern. STX zum Beispiel baut für 500 Milionen US-Dollar in der Van Phong Economic Zone die größte Werft Vietnams. Samsung Heavy Industries (SHI) produziert in Ningbo in der ostchinesischen Provinz Zhejiang unter anderem Schiffsegmente für seine Werft in Geoje.

Angesichts der guten Auftragslage investieren die koreanischen Schiffbauer auch kräftig in den Ausbau ihrer heimischen Kapazitäten. Hyundai Heavy Industries (HHI) zum Beispiel hat Mitte Oktober 2007 in Gunsan (Provinz Northern Jeolla) den Bau eines neuen Schiffssegmentwerks begonnen. Die Investitionen belaufen sich auf 300 Milliarden Won (230,8 Millionen Euro; 1.000 Won = 0,77 Euro). Es soll Ende Mai 2008 in Betrieb gehen. Ferner will die Firma in Ulsan bis 2009 für 134,1 Milliarden ein neues Dock mit einer Länge von 490 m und einer Breite von 115 m bauen, in dem große Containerschiffe und Offshore-Plattformen (FPSO) hergestellt werden sollen. SHI plant in der Nähe seiner Geoje-Werft ebenfalls ein neues Schiffsegmentwerk. Außerdem baut die Firma gegenwärtig ein neues 400 m langes Dock; dort sollen ab dem ersten Halbjahr 2009 Containerschiffe der 16.000-TEU-Klasse gefertigt werden sollen. Nach eigenen Angaben von Mitte Oktober hat SHI ein Schiff dieser Größenordnung kürzlich entwickelt.

Die deutsche Zulieferindustrie profitiert von diesen Entwicklungen. Gerade weil koreanische Werften in höherwertige Bereiche vorrücken, bieten sich deutschen Anbietern mit technisch und qualitativ anspruchsvollen Produkten und Lösungen auch in der Zukunft gute Chancen. Der Markt ist allerdings hart umkämpft. Möglichst günstige Preise sind gefragt. Zwar hat der Reeder bei der Ausstattung seiner Schiffe immer noch das letzte Wort und deutsche Zulieferer ziehen trotz höherer Preise ihren Nutzen hieraus, wenn der Eigner aus Europa kommt. Andererseits führt die Knappheit an Werftplätzen zu einer starken Position der Schiffbauer gegenüber den Eignern. Die Werften aber kalkulieren in erster Linie über den Preis.

Hinzu kommt das Interesse der koreanischen Schiffbauunternehmen, die eigene, preiswertere Zulieferindustrie bei Aufträgen ins Spiel zu bringen. Dem Fachverband, der Korea Marine Equipment Association (KOMEA), gehören derzeit etwa 165 Unternehmen an. Sie stellten 2006 Komponenten und Teile im Wert von rund 7.400 Milliarden Won her (+17,9% gegenüber 2005). Nach Aussagen des Verbandes entfallen auf die Mitglieder etwa 80 Prozent der gesamten Branchenproduktion.

Das soll eine Tabel werden und dann in Euro

Größter Bereich waren Motoren und Maschinen (4,3 Bill. Won, +20,0 Prozent), gefolgt von Ausstattungen (2,0 Bill. Won, +15,0 Prozent), Elektro- und Elektronikteilen (892,7 Mrd. Won, +15,0 Prozent) sowie Komponenten für den Schiffsrumpf mit 202,1 Mrd. Won (+15,0 Prozent). Die Verbandsmitglieder exportierten 2006 Güter im Wert von 778 Millionen $ (+12,8 Prozent). Dem standen Einfuhren in Höhe von 1,8 Mrd. $ (+17,8 Prozent) gegenüber.

Vor dem Hintergrund der boomenden Branchenkonjunktur war die Stimmung während der diesjährigen "Marine Week" sehr gut. Die größte koreanische Fachmesse für den Schiffbau fand in ihrer jüngsten Auflage vom 24. bis 27. Oktober 2007 statt. Veranstaltungsort war das Busan Exhibition & Convention Center (BEXCO). Organisatoren waren unter anderem die KOMEA sowie die Messegesellschaften Reed Exhibitions und K.Fairs. An der Messe nahmen in diesem Jahr rund 1.200 Aussteller aus 40 Ländern teil. Wie zuvor bestand die Messe aus drei großen Bereichen: Auf der "Kormarine", dem mit 850 Ausstellern größten Segment, wurden vor allem Anlagen und Ausrüstungen, Komponenten und Lösungen für Schiffbau und Meerestechnik präsentiert. Die "Naval & Defense" (147 Unternehmen) ist vor allem Ausrüstungen für militärische Anwendungen, die "Sea Port" (205 Aussteller) Produkten für Häfen und Logistik gewidmet. Die erwartete Besucherzahl lag bei 50.000.

Aus Deutschland kamen insgesamt 116 Aussteller. Teilweise waren sie direkt, teilweise über ihre koreanischen Niederlassungen oder Repräsentanten auf der Messe vertreten. Die allermeisten deutschen Unternehmen zeigten im Rahmen der "Kormarine" ihre Produkte. Hier befand sich auch der deutsche Pavillon, unter dessen Dach sich 38 Firmen präsentierten. Die Gemeinschaftsbeteiligung wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWI) und dem Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (AUMA) gefördert. Unterstützung leisteten die Arbeitsgemeinschaft Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie im VDMA sowie der Verband für Schiffbau und Meerestechnik e.V. (VSM). Die Organisation der Beteiligung lag bei der Hamburg Messe und Congress GmbH. Die nächste "Kormarine" ist für Oktober 2009 angesetzt. Der genaue Termin wird erst später

veröffentlicht. Austragungsort ist wieder das BEXCO-Gelände in Busan.

Korea Marine Equipment Association (KOMEA)

12-5 Yeouido-dong, Yeongdeungpo-gu

Seoul 150-010 / Korea (Rep.)

Tel.: 82 2 783 6952

Fax: 82 2 785 7647

Email: komea@chol.com

Web: www.komarine.or.kr

Reed Exhibitions (Germany) GmbH

International Sales Group

Frau Kathrin Hansen

Heerdter Sandberg 32

40549 Düsseldorf

Tel.: 49 211 556281

Fax: 49 211 556231

Email: kathrin.hansen@reedexpo.co.uk

Web: www.reedexpo.com





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