|
Ob das Sultanat Brunei seine Gasförderung weiterhin zu höheren Weltmarktpreisen absetzt oder einen Teil günstig an lokale Betriebe aus der Petrochemie abgibt, ist noch nicht entschieden. Für das Gelingen der Projekte in einem neuen Industriepark müsste die Regierung Kennern zufolge das Gas langfristig verbilligt an Investoren abgeben. Ein bruneiisch-japanisches Joint Venture startet 2007 mit dem Bau eines Methanolwerkes. Eine Düngemittelfabrik soll folgen. Planungen für eine Aluminiumschmelze und einen Tiefseehafen liegen seit Jahren vor.
Die Gasleitungen von den Bohrinseln vor Bruneis Westküste kommen in Sungai Liang an. Das Erdgas fördert das größte Unternehmen des Landes, Brunei Shell Petroleum (BSP). In Sungai Liang verarbeitet es das Joint Venture Brunei LNG (BLNG) zu Flüssiggas (LNG). Das Gemeinschaftsunternehmen gehört der bruneiischen Regierung (Anteil 50%), Shell (25%) und Mitsubishi (25%). Die jährliche Produktionsmenge von etwa 7,2 Millionen Tonnen LNG wird mit Tankschiffen nach Japan und Südkorea exportiert und gehört zu den wichtigsten Einnahmequellen des Sultanats. Die Verflüssigung von Gas wird als "Midstream"-Prozess bezeichnet. Die Idee für einen Industriepark in Sungai Liang ist es gewesen, nachgelagerte Verarbeitungsschritte von Gas ("Downstream"-Prozesse) anzusiedeln. Die Behörde Brunei Economic Development Board (BEDB) übernahm für diesen Zweck 270 Hektar Land direkt neben dem Werk von BLNG. Der Masterplan des Industrieparks aus dem Jahr 2004 sieht eine Methanolfabrik, ein Düngemittelwerk, ein Kraftwerk und Ansiedlungen von petrochemischen Betrieben sowie Herstellern von Nebenprodukten vor. Bestätigt ist der Bau der Methanolanlage durch das Joint Venture Brunei Methanol Company (BMC). Ihm gehören die Brunei National Petroleum Company sowie die beiden japanischen Firmen Mitsubishi Gas und Itochu Corporation an. Die Kosten belaufen sich auf etwa 270 Millionen Euro. Die Bauarbeiten sollten Ende 2007 beginnen, die Fabrik Ende 2009 fertiggestellt sein und 2010 den Betrieb aufnehmen. Die Jahreskapazität wird circa 850.000 Tonnen betragen. Mitsubishi Heavy Industries erhielt den Auftrag, das Werk zu planen und schlüsselfertig zu übergeben. Die Finanzierung stammt von der "Japan Bank for International Cooperation". Der BEDB hofft, dass der Grundstoff Methanol vor Ort verwertet wird. Die Anwendungsmöglichkeiten sind äußerst vielfältig. Daher hält er mehrere Lizenzen zur Umwandlung von Methanol in verschiedene Derivate. Deren weltweiter Bedarf soll stark expandieren, meinen die Planer des Industrieparks. Sie suchen international nach Partnern, die entsprechende Technologien anbieten und sich in Sungai Liang engagieren wollen. Methanol scheint der Hoffnungsträger für die gesamte Region zu sein. Auch auf der Brunei vorgelagerten malaysischen Insel Labuan erweitert der Konzern Petronas seine Methanolanlage. Das Ausbau soll 2008 abgeschlossen werden und die Kapazität auf etwa 1,7 Millionen Jahrestonnen erhöhen. Die deutsche Firma Lurgi liefert die neue Produktionstechnik. Das Methanol wird zu Methylester und Formaldehyd weiterverarbeitet. Seit 2004 überlegt Brunei, ob ebenfalls eine Düngemittelfabrik in Sungai Liang errichtet werden soll. Dafür müsste Gas abgezweigt und ein langfristiger Liefervertrag zu günstigen Konditionen mit Investoren unterschrieben werden. Im September 2004 kündigte der BEDB den Abschluss der Verhandlungen mit einem Konsortium bestehend aus den Firmen Incitec Pivot, Westside (beide Australien) und Mitsubishi an. Eine Absichtserklärung (MoU) wurde unterzeichnet. Die Partner planen Anlagen zur Herstellung von 2.500 Tonnen Ammoniak und 3.500 Tonnen Harnstoff pro Tag. Mit diesem Ausstoß würde die weltweit größte Düngemittelfabrik entstehen. Der BEDB konnte im Oktober 2007 den Projektstart nicht bestätigen. Mehrere Jahre alt ist die Idee, einen Tiefseehafen für Containerschiffe in Bruneis Norden zu errichten. In einer Durchführbarkeitsstudie bescheinigte die britische Beratungsgesellschaft Halcrow 2003 dem Projekt gute Entwicklungschancen. Auch die Oxford Business Group hat im Juli 2007 zu der Umsetzung geraten. Die Jahreskapazität soll nach der ersten Ausbauphase etwa 800.000 TEU (twenty-foot equivalent units) betragen. Das Hafengelände und dazugehörige Industrieflächen würden auf der Insel Muara Besar liegen, deren Fläche durch Aufschüttung auf 3 mal 6 km verdoppelt werden soll. Muara Besar liegt gegenüber dem bestehenden kleinen Containerhafen und ist 28 km von der Hauptstadt Bandar Seri Begawan entfernt. Wegen der geringen industriellen Basis des Sultanats sehen die Planer den Hafen als internationalen Frachtumschlagplatz auf den asiatischen Seerouten. Der BEDB sucht international nach einem Konzessionspartner, der den Hafen betreibt und in deren Ausrüstung investiert. Als weiterer Partner soll eine Schiffsfrachtlinie gewonnen werden. Brunei ist bereit, 70 Prozent der Investitionskosten von ungefähr einer Milliarde Euro zu übernehmen. Die Basisinfrastruktur umfasst unter anderem die Landgewinnung, den Bau einer Brücke sowie des Kais. Die Planungen sehen neben dem Hafengelände eine Freihandelszone sowie Gewerbeflächen für Logistikbetriebe und Unternehmen aus dem Öl- und Gassektor vor. Die Insel soll auch eine Aluminiumschmelze aufnehmen. Der US-amerikanische Konzern Alcoa unterzeichnete mit dem BEDB bereits im September 2003 ein Absichtserklärung, das eine Durchführbarkeitsstudie vorsah. Der Weltmarktführer in diesem Produktsegment ist weiterhin an dem Projekt interessiert, falls Brunei Energie zu günstigen Konditionen anbieten könne. Die Schmelze benötigt rund 4.300 GWh Strom. Ein Kraftwerk mit einer Kapazität von 500 MW müsste das Aluminiumwerk versorgen. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus. Brunei Economic Development Board Block 2K, Bangunan Kerajaan, Jln Ong Sum Ping Bandar Seri Begawan BA1311 / Brunei Tel.: 673 2230111 Fax: 673 2230063 Email: info@bedb.com.bn Web: www.bedb.com.bn