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Asien Kurier 1/2008 vom 1. Januar 2008
China

Gute Produkte oder Qualitätsmängel?

Gespräch mit Thomas Ripakewitz, Kerkhoff Consulting

Von Daniel Müller

Der Fall Mattel machte es deutlich: Firmen, die Produkte von chinesischen Lieferanten beziehen, werden für auftretende Qualitätsmängel direkt verantwortlich gemacht. Welche Konsequenzen und Herausforderungen ergeben sich aus der stärkeren Gewichtung des Qualitätsaspektes für das Beschaffungsmanagement in China? Dazu ein Interview mit Kerkhoff Consulting, Europas führender Unternehmensberatung für Beschaffungsfragen.

Asien Kurier: Qualitätsmängel in China ? Berichte über gesundheitsgefährdende Bestandteile von Konsumgütern werfen die Frage auf, worauf Unternehmen achten müssen, wenn sie Produkte aus China einführen?

Thomas Ripakewitz: Unternehmen sollten in jedem Fall auf die für sie notwendigen Qualitätsstandards achten; für einen Lieferanten aus dem Reich der Mitte gelten die gleichen Qualitätsmaßstäbe wie für einen Lieferanten aus Westeuropa. In China muss die Kontrolle dazu wesentlich engmaschiger verlaufen. Denn viele chinesische Produzenten können hervorragende Qualität herstellen, haben aber noch eine zu hohe Ausschussquote. Dabei wird der Grundstein schon bei der sorgfältigen Auswahl des Geschäftspartners gelegt. Ganz wichtig: Ohne einen persönlichen Besuch der Produktionsanlagen vor Ort funktioniert es nicht. Entscheidend ist es, die Qualitätskontrollen laufend durchzuführen. Dafür sollte ein Qualitätssystem entwickelt und implementiert werden. Der erhöhte Aufwand rechnet sich in den allermeisten Fällen, da die Preisvorteile immens sind. Dennoch sollten die Unternehmen sich von dem Gedanken verabschieden, in China unter allen Umständen möglichst kostengünstig einkaufen zu wollen.

Asien Kurier: Angesichts der zunehmenden Warenmängel kann China weiterhin ein verlässlicher Zulieferer für westliche Unternehmen sein? Wenn ja, unter welchen Bedingungen?

Thomas Ripakewitz: Die aktuelle Berichterstattung konzentriert sich auf die Mängel, vernachlässigt aber die vielen guten Lieferantenbeziehungen. Laut einer Studie, die wir 2006 durchgeführt haben, berichten rund zwei Drittel der deutschen Unternehmen von positiven Erfahrungen in Niedriglohnländern, gerade einmal 7 Prozent sind unzufrieden. Zudem gibt es ähnliche Skandalfälle auch mit deutschen Lieferanten. Insofern ist China ein verlässlicher Zulieferer und wird es auch bleiben. Die Aufgabe wird sein, unter den Lieferanten diejenigen herauszufiltern, die gute Qualität zu einem angemessenen Preis liefern. In einem ersten Schritt sollten lediglich unkritische und einfach herzustellende Produkte bezogen werden, wenn der Lieferant sich bewährt, kann man die Komplexität der zugelieferten Produkte erhöhen.

Asien Kurier: Viele Experten prognostizieren, dass sich das chinesische Lohnniveau deutlich erhöhen wird. Welche Auswirkungen hat dies auf die Beschaffung in China? Und wie können sich Unternehmen darauf einstellen?

Thomas Ripakewitz: Mit steigendem Lohnniveau wird sich auch die Qualität der Produkte weiter verbessern, denn nur dann können sich die Unternehmen im globalen Markt behaupten. Die Folge: In China sind zunehmend Waren erhältlich, die mehr Know-how und anspruchsvollere Produktionsstätten erfordern, insbesondere in der Küstenregion. Die Produktion von einfachen Massenwaren wird sich stärker in das chinesische Hinterland oder in andere Länder (Vietnam, Bangladesch) verlagern. Für Unternehmen bedeutet das, diese sich rasant entwickelten Märkte ständig im Auge zu behalten, um von diesen Entwicklungen profitieren zu können. Dies erfordert eine dynamische Beschaffungsorganisation, die eine hohe Transparenz über Preis- und Leistungsniveaus in den globalen Märkten herstellt.

Asien Kurier: Sie haben zahlreiche mittelständische Unternehmen zur Beschaffung in China beraten. Auf welche Schwierigkeiten beziehungsweise Fehler stoßen Sie über alle Branchen?

Thomas Ripakewitz: Der häufigste Fehler ist, dass Unternehmen zu schnell Erfolge sehen wollen und sich von potentiellen Einsparungen verleiten lassen. Solche ?quick wins? sind aber nur dann möglich, wenn ein bestimmtes Produkt bereits schon zu akzeptabler Qualität produziert wird und maximal kleine Änderungen notwendig sind. China verfügt inzwischen über alle wichtigen Industrien, beispielsweise Automobilzulieferer, Elektronik- oder Halbleiterproduzenten. Möchte man diese Produkte aus China beziehen, so braucht es Geduld und Sorgfalt. Die Abstimmung von Muster und Testlieferung bis hin zur regelmäßigen Lieferung ist aufwendig, aber prinzipiell bei allen Lieferanten nötig. Selbst bei einfachen technischen Produkten sollte man eine Umstellungszeit von 6 bis 12 Monaten kalkulieren, bei technisch hochwertigen Produkten dauert dieser Zeitraum oft über ein Jahr.

Asien Kurier: Vor kurzem ist Ihr neues Buch ?Erfolgsgarantie Einkaufsorganisation. Effiziente Strukturen zur Optimierung von Einkaufspreisen? erschienen. Was sind die Erfolgsfaktoren einer effizienten Einkaufsstruktur?

Gerd Kerkhoff: Für eine erfolgreiche Einkaufsorganisation sind drei Dinge entscheidend: Erstens, die Wahrnehmung der Beschaffung als ein Erfolgsbringer: Es gibt eine eigene Beschaffungsabteilung, die als Kompetenzcenter im Unternehmen gesehen wird. Zweitens eine flexible Prozessstruktur, die sich ständig überprüft und gegebenenfalls anpasst, mit automatisierten Abläufen bei den Standards und Konzentration auf die komplexeren Fragestellungen. Dritter Erfolgsfaktor sind qualifizierte und motivierte Mitarbeiter, die in der Lage sind, als Schnittstellenmanager Kompetenzen innerhalb und außerhalb des Unternehmens zusammenzubringen.

Kerkhoff Consulting GmbH

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Tel.: 49 211 6218061-0

Fax: 49 211 6218061-22

Web: www.kerkhoff-consulting.com





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