
Aus deutscher Perspektive gibt es die eine oder andere Wolke, die den deutsch-asiatischen Himmel derzeit trübt. Weitgehend sind diese Eintrübungen hausgemacht ? die öffentlichen Diskussionen über die Entwicklung Asiens und mögliche Auswirkungen auf die deutsche Gesellschaft waren wenig hilfreich für das bilaterale Einvernehmen und auch hinderlich für die innenpolitischen Prozesse hin zu weiter gestärkter internationaler Wettbewerbsfähigkeit.
Dass sich solche Fehlwahrnehmungen 2008 von selbst verflüchtigen, ist wenig wahrscheinlich. Ihnen entgegenzuarbeiten und an ihre Stelle positive Vorschläge zu einer beiderseits gedeihlichen deutsch-asiatischer Zusammenarbeit zu setzen, wird eine zentrale Aufgabe bleiben. Daran sollten sich auch deutsche Unternehmen beteiligen ? schließlich ist eine fruchtbare Partnerschaft in Zeiten weiter verschärfter internationaler Konkurrenz auch Basis für dauerhaft erfolgreiche Geschäfte.In den Blick der internationalen Öffentlichkeit wird Asien 2008 einmal mehr wegen sportlicher Großereignisse treten. Der Auftritt der Volksrepublik China bei den Olympischen Spielen wird dabei mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. Und wir können davon ausgehen, dass er mit besonderer Perfektion über die Bühne gehen wird. Dies gilt nicht nur für die Sportveranstaltungen selbst. Beijing wird alles daran setzen, das Land auch anderweitig in bestem Licht zu präsentieren. Die Themen, die hier ins Spiel kommen, weisen über China hinaus und sind Leitmotiv für beinahe die gesamte asiatische Landkarte: innenpolitische Stabilität, gewollte Konjunkturdämpfung, Währungsfragen und Umweltthemen.Ein entscheidender Faktor der Konjunkturentwicklung könnte in zahlreichen asiatischen Ländern 2008 die Entwicklung in den USA sein. Sollte sich die Prognose eines amerikanischen Konjunkturtiefs bewahrheiten, wird sich erweisen müssen, wie sehr sich die asiatischen Länder vom US-Export unabhängig gemacht haben und inwieweit allen voran China die Rolle einer Weltwirtschaftslokomotive einnehmen kann. Auch eine Finanzkrise wäre im kommenden Jahr eine importierte ? derzeit gibt es aber keine Anzeichen dafür, dass die amerikanische Subprimekrise in Asien Schäden hinterlässt. Im Gegenteil, asiatische Institute wirken stabilisierend auf die internationale Bankenwelt ein.Für das deutsche Asiengeschäft werden sicherlich Währungsfragen eine zentrale Rolle spielen. Eine sachte Aufwertung des Renminbi gegenüber dem US-Dollar hilft dabei nur sehr bedingt, solange in China und andernorts der weiterhin starke Euro die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte belastet. Allerdings hat der Eurokurs schon manche Schwelle überschritten, die zuvor als Schmerzgrenze ausgerufen worden war, ohne dass dies deutsche Ausfuhren beeinträchtigt hätte. Immerhin bleibt nach jüngsten WTO-Angaben auch 2007 Deutschland weltweit größte Exportnation ? vor China. Allerdings hat der vom EU-Binnenhandel dominierte deutsche Export weiterhin seine Potentiale in Asien nicht ausgeschöpft. Auch 2007 werden die Ausfuhren nach Asien den seit Jahren stabilen Anteil von gut neun Prozent nicht überschreiten. Marktanteile in Asien-Pazifik zu sichern, bleibt eine wesentliche Herausforderung der international aufgestellten deutschen Wirtschaft. Zunehmend geschieht dies allerdings auch über eigene Produktion in der RegionNeben dem Euro-Kurs wird immer wieder auch der regionale Freihandel als Wettbewerbsbarriere für europäische Unternehmen bewertet ? zumindest soweit sie nicht in der Region vertreten sind, sondern über ihr Exportgeschäft am asiatischen Wachstum partizipieren. Die Dynamik asiatischer bilateraler Abkommen scheint etwas geschwächt, zumindest also sinkt der Takt, in dem neue Verhandlungen und Abschlüsse verkündet werden. Dass die Verhandlungen, die die EU nun mit Korea, Indien und der ASEAN aufgenommen hat, zu einem zügigen Abschluss kommen, ist mehr als zweifelhaft. Die Themen, die von der EU über Zollfragen hinaus in solchen besser als Economic Partnership Agreements zu fassenden Abkommen verfolgt werden, stehen auch 2008 hoch auf der Tagesordnung: Schutz geistigen Eigentums, Zusammenarbeit bei der Entwicklung technischer Standards und Marktzugang bei Dienstleistungen.Auch politisch verspricht das Jahr 2008 spannend zu werden. In einer Reihe der südostasiatischen Länder müssen sich halbwegs etablierte Demokratien bewähren. In Thailand dürften mit den Wahlen Ende Dezember die politischen Weichen gestellt sein ? hoffentlich in Richtung innenpolitischer Stabilität und einer handlungsfähigen Regierung, die den bisherigen wirtschaftspolitischen Kurs fortsetzt. Nicht ungefährdet ist auch das System ethnischer Harmonie trotz positiver Diskriminierung der Bevölkerungsmehrheit, das in den letzten Jahren als Basis des malaysischen Erfolgsmodells präsentiert wurde. Und in den Philippinen bleibt der Druck auf Präsidentin Macapagal-Arroyo bestehen. Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen für ausländische Unternehmen scheinen jedoch nirgendwo gefährdet.Das Geschäftsklima ist also positiv. Und auch der vieldiskutierte Klimawandel dürfte es nicht verhageln. Im Gegenteil: Während sich die internationale Politik beim Klimagipfel zu mühsamen Kompromissen über die Lastenverteilung zwischen den entwickelten Volkswirtschaften und etablierten Klimasündern und den Entwicklungsländern durchringt, deren Umsetzung noch eine Weile dauern dürfte, kann unmittelbar vor allem der Einsatz moderner Technologie Klima- und Umweltprobleme mindern. Hier haben deutsche Unternehmen wichtige Angebote zu machen, die hoffentlich zu aller Nutzen 2008 auf breiter Basis angenommen werden.