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Um Billiglohnkonkurrenten sowie den wirtschaftlichen Herausforderungen wirkungsvoll zu begegnen, setzte Singapur bereits frühzeitig auf Nischenbranchen mit hoher Wertschöpfung.
So hat sich die Biomedizin neben Umwelt- und Wassertechnologie sowie interaktiven und digitalen Medien zu einem der wichtigsten Wachstumspfeiler der Stadtstaats entwickelt. Die Förderung solcher wissensbasierter Industrien, neben den erfolgreichen Petrochemie- , Finanz- und Elektronikindustrien, wird von hohen Investitionen im Bildungs- und Forschungssektor flankiert. So betrugen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) 2006 insgesamt 2,39 Prozent des BIP, was einer stolzen Summe von etwa 3,4 Milliarden Euro entspricht. Bis 2010 soll dieser Anteil auf 3,0 BIP-Prozent gesteigert werden. Insgesamt wurden im Jahr 2006 im Privatsektor rund 2,7 Milliarden Euro in F&E investiert. Jedoch muss man dabei in Betracht ziehen, dass viele Projekte zusätzlich vom "Economic Development Board" (EDB) subventioniert werden. Diese Regierungsbehörde ist für die Planung und Durchführung der wirtschaftlichen Strategie Singapurs zuständig und ein wichtiger Ansprechpartner für in- und ausländische Unternehmen. Laut A*Star (Agency for Science, Technology and Research) betrugen die Investitionen in Biomedizin aus dem öffentlichen Haushalt im vergangenen Jahr 391 Millionen Euro. Das entspricht einer Verdreifachung seit 2000. Daraus folgend erhöhte auch die Privatwirtschaft die Forschungsausgaben von 40 Millionen Euro anno 2000 auf 363 Millionen im Jahr 2006. Das Ziel den Löwenstadtstaat als ?Research & Education Hub? zu etablieren, wird im Bereich Biowissenschaften von mehreren Stellen verfolgt: Beim EDB arbeitet die Biomedical Science Group (EDB BMSG) zusammen mit Partnern daran, Singapurs exzellentes Forschungsumfeld weiter auszubauen. Darin wird es zum einen von dem Investmentunternehmen Bio*One Capital unterstützt, zum anderen von A*STAR. Letzte ist die zentrale Stelle für Forschungtätigkeiten und Koordinierung aller Forschungsfördermittel in Singapur. Sie unterhält selbst eine Vielzahl von Forschungsinstituten in unterschiedlichen Disziplinen. Forschung im Stadtstaat ist Chefsache: Somit erstaunt es nicht, dass die Agentur ?Biomedical Research Council (BMRC)? direkt dem Premierminister unterstellt ist und als vorderstes Ziel verfolgt, Forschung und Industrie besser zu verbinden. Erst vor wenigen Jahren fällte die Regierung den strategischen Entschluss die neuen Industriezweige anzusiedeln. Neben finanzieller Unterstützung und Errichtung adäquater Institutionen spielt die Infrastruktur eine wichtige Rolle. Es gelang mit ?Biopolis? ein Zentrum zu errichten, in welchem Forschung und Unternehmen gleichermassen angesiedelt werden konnten. A*STAR unterhält hier sieben Forschungsinstitute, multinationale Unternehmen wie Glaxo SmithKline, Takeda Singapore oder BASF sind ebenso vertreten. Das Schweizer Unternehmen richtete hier ihr "Novartis Institute for Tropical Diseases" ein. Einige Forschungsinstitute nutzen die hochmoderne Einrichtung auch, um Ausstattung synergetisch zu nutzen und institutsübergreifend Forschungsprojekte durchzuführen. Beispielhaft seien das "Institute for Molecular and Cell Biology" (IMCB), "Institute for Bioengineering and Nanotechnology" (IBN), das "Genome Institute of Singapore" (GIS), das "Bioprocessing Technology Institute" (BTI) sowie das "Bioinformatics Institute" (BII) genannt. Der Abschluss der zweiten Bauphase 2007 ließ Biopolis auf 222. 000 m2 anwachsen, was weiteren Einrichtungen Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. Der große Erfolg von Biopolis veranlasste die Regierung, ein weiteres F&E-Zentrum zu planen und errichten: "Fusionopolis". Dieser Gebäudekomplex soll die Umgebung zu einer hochtechnologisierten Stadt in Miniaturform machen, in der keine Wünsche der ansässigen Forscher offen bleiben. Neben weiteren Forschungseinrichtungen und Unternehmen wird der Komplex auch Supermärkte, Einzelhandel und Apartments beherbergen. Fusionopolis soll zwei weitere Wachstumsindustrien beherbergen: Medien und IT. Die ersten Räume sollen in diesem Jahr bezugsfertig werden, die Fertigstellung ist für 2010 geplant. In Singapur leben und arbeiten etwa 3.500 Forscher im biowissenschaftlichen Bereich. Dazu gehören auch mehrere deutsche Akademiker, die sich zumeist aus dem gleichen Grund nach Singapur werben ließen: die Standortbedingungen seien hier so gut, dass Großbritannien oder die USA als Alternativen nicht unbedingt an erster Stelle standen. Dr. Michael Roßbach arbeitet heute beim Genome Institute of Singapore und wurde sogar direkt von der Harvard Medical School (USA) abgeworben. Ausschlaggebend für ihn war die Möglichkeit, "mit murinen und humanen Stammzellen zu arbeiten und Grundlagenforschung betreiben zu können". Dies sei beispielsweise in Deutschland nicht möglich. Mittlerweile habe sich der Stadtstaat "zum einzigartigen Forschungshub für Stammzellenforschung und die Entwicklung von Therapien und Technologien entwickelt." Zudem sei die Vernetzung mit weltweit renommierten Instituten und Universitäten hochinteressant. Für Dr. Michael Entzeroth war das starke Engagement der Regierung im Bereich Bioscience ausschlaggebend, um den Standort im Jahre 2003 zu wechseln. Er ist heute Direktor bei Pharma Resources Asia (Pte Ltd), einem Unternehmen, das sich auf Beratung für das Outsourcing von F&E und Personalentwicklung spezialisiert hat. Für ihn sei eine positive Entwicklung außerdem, ?dass sich die Struktur der jungen Industrie konsolidiert hat und der Standort gereift ist. Gleichzeitig konnte die attraktive Dynamik Singapurs bewahrt werden.? Als Stammzellenforscher, der hier seit sieben Jahren arbeitet, weiß auch Dr. Hannes Hentze die Vorteile des Stadtstaats mit seiner überschaubaren biomedizinischen Szene zu schätzen. Er suchte nach einem hochklassigen Standort zur Grundlagenforschung, der es mit Instituten wie denen der Max-Planck Gesellschaft aufnehmen kann. Mittlerweile, so Hentze, sei Singapur vor allem in der Stammzellenforschung international führend. Auch Onkologie, biomedizinische oder Genomforschung seien dominante Bereiche. Während die Lungenerkrankung SARS im Jahr 2003 die Wirtschaft der Löwenstadt in Atem hielt, konnte das Genome Institute innerhalb kurzer Zeit das Genom des Erregers entschlüsseln. Die Krankheit konnte danach erfolgreich bekämpft werden. Gefragt nach den Punkten, an denen der Standort noch wachsen kann, wird mehrfach die Personalsituation genannt. Da Biowissenschaften noch sehr jung in Singapur sind, wurden bisher viele Wissenschaftler aus dem Ausland geworben. Darunter waren Stars wie Prof. Axel Ullrich vom Max-Planck Institut München ebenso wie Prof. Alan Coleman aus Edinburgh, der durch das Klonschaf "Dolly" berühmt wurde. Solche Topforscher bleiben üblicherweise kurze Zeit im Ausland und stoßen dort neue Entwicklungen an. Auch im Managementbereich lokaler Forschungsunternehmen ist ein ähnlicher Trend sichtbar, wo Expertise aus dem Ausland zur raschen Entwicklung des Standortes beigetragen hat. Die Herausforderung, hochkarätige Forscher im Stadtstaat zu halten ist auch der Regierung nicht fremd. Mit Stipendien und ?Bonding? nach dem Studium versucht sie Nachwuchstalente anzusiedeln. Über einen längeren Zeitraum kommen somit Spitzenkräfte nach Singapur zurück und wenden das im Ausland erworbene Wissen vor Ort an. In 5 bis 10 Jahren sollte der Engpass an lokalen Talenten dann behoben sein. In der Zukunft wird von praxisorientierten Forschern außerdem eine schnellere Umsetzung von Forschungspatenten in kommerzialisierbare Produkte gewünscht. Für die Rentabilität, sowie die Wettberbsfähigkeit des Standorts ist diese Entwicklung überlebenswichtig. Dazu wurde das "Experimental Therapeutics Institute" geschaffen, welches Erfindungen schneller vom Labortisch auf den Markt oder ans Krankenbett bringen soll. Dr. Roßbach erläutert, dass heute teilweise ?Kooperationen der Institute untereinander, aber auch mit Firmen und Universitäten? bestehen, was dabei helfe, ?Grundlagenforschung schneller in innovative Produkte umzusetzen?. Um sich international anzugleichen sei es laut Dr. Hentze überlegenswert, Startup-Unternehmen in Singapur den Gang an die Börse zu erleichtern. Bewunderung äußern alle drei Wissenschaftler über das rasante Tempo mit welchem es Singapur gelungen ist, zu einem bedeutenden Forschungszentrum für Biowissenschaften empor zu steigen. Auch wenn die Entwicklung einer Forschungskultur, ?ein wissenschaftliches Denken und ein Austausch zwischen Kultur, Politik und Wirtschaft? ein stetiger Prozess ist, sei die Löwenstadt laut Dr. Roßbach ?mit seiner Wissenschaftspolitik auf einem guten Weg?. Economic Development Board 250 North Bridge Road #28-00 Raffles City Tower Singapur 179101 Tel.: 65 6832 6832 Fax: 65 6832 6565 Web: www.edb.gov.sg Büro Deutschland Direktoren: Alan Yeo und Vigneswaran Sellakannu Kaiserstrasse 5 60311 Frankfurt Tel.: 49 69 2739930 Fax: 49 69 273993 33 Email: edbfr@edb.gov.sg Bio*One Capital Pte Ltd 20 Biopolis Way, #09-01 Centros Singapur 138668 Tel.: 65 6395 7700 Fax: 65 6395 7796 Email: infoHQ@bio1capital.com Web: www.bio1capital.com Novartis Institute for Tropical Diseases 10 Biopolis Road, Chromos #05-01 Singapur 138670 Tel.: 65 6722 2900 Fax: 65 6722 2910 Email contact.nitd@novartis.com Web: www.nitd.novartis.com Staatliche Einrichtungen Agency For Science, Technology And Research (A*STAR) 20 Biopolis Way, #07-01 Centros Singapur 138668 Tel.: 65 6826 6111 Fax: 65 6777 1711 Biomedical Research Council (BMRC) 20 Biopolis Way, #08-01 Centros Singapur 138668 Tel.: 65 6826 6111 Fax: 65 6478 9581 Science and Engineering Research Council (SERC) 30 Biopolis Street, #09-01 Matrix Singapur 138671 Tel.: 65 6826 6111 Fax: 65 6779 8061 Corporate Planning And Administration Division 20 Biopolis Way, #07-01 Centros Singapur 138668 Tel.: 65 6826 6111 Fax: 65 6777 1711 Exploit Technologies Pte Ltd (ETPL) 30 Biopolis Street, #09-01 Matrix Singapur 138671 Tel.: 65 6478 8420 Fax: 65 6873 7192 Biomedizinische Forschungsinstitute Institute of Molecular and Cell Biology 61 Biopolis Drive, Proteos Singapur 138673 Tel.: 65 6586 9755 Fax: 65 6779 1117 Web: www.imcb.a-star.edu.sg Institute of Bioengineering and Nanotechnology (IBN) 31 Biopolis Way, #04-01 Nanos Singapur 138669 Tel.: 65 6824 7000 Fax: 65 6478 9080 Web: www.ibn.a-star.edu.sg Genome Institute of Singapore 60 Biopolis Street, #02-01 Genome Singapur 138672 Tel.: 65 6478 8000 Fax: 65 6478 9053 Web: www.gis.a-star.edu.sg Bioprocessing Technology Institute 20 Biopolis Way, #06-01 Centros Singapur 138668 Tel.: 65 6478 8888 Fax: 65 6478 9561 Web: www.bti.a-star.edu.sg Bioinformatics Institute 30 Biopolis Street, #07-01 Matrix Singapur 138671 Tel.: 65 6478 8298 Fax: 65 6478 9048 Web: www.bii.a-star.edu.sg