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Asien Kurier 2/2008 vom 1. Februar 2008
Hongkong

Bauwirtschaft im Aufwind

Von Dr. Roland Rohde (gtai)

Hongkongs Bauwirtschaft erwartet nach Jahren der Depression eine Trendwende. Die Regierung der Sonderverwaltungsregion kündigte Ende 2007 ein riesiges Investitionsprogramm an. Freuen dürfte es vor allem die einheimischen Branchenunternehmen, denn die ausländische Konkurrenz hat angesichts der schlechten Auftragslage und Ausschreibungsbedingungen der Stadt bereits den Rücken gekehrt. Jedoch bieten sich Anbietern von Baustoffen, Gebäudetechnik sowie von Badezimmer- und Küchenausstattungen beste Lieferchancen.

Obwohl die jährlichen Zuwachsraten leicht sinken, zeigen andere Indikatoren nach oben. So herrschte in der ehemaligen britischen Kolonie zur Jahresmitte 2007 praktisch Vollbeschäftigung. Besonders der Immobiliensektor profitiert vom Aufschwung. Die Mietpreise für zentrale Büroflächen haben sich seit 2003 mehr als verdoppelt. Auch im privaten Wohnungsbau zogen die Preise, wenn auch nicht so kräftig, an.

Der allgemeine Aufschwung ist jedoch bislang nicht beim Bausektor angekommen. So verzeichnete er sowohl 2005 als auch 2006 einen Rückgang der erbrachten Bauleistung von real jeweils 2 Prozent. Sein Beitrag zur Entstehung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) sank derweil von 2,8 auf 2,4 Prozent. In den ersten beiden Quartalen 2007 registrierte die Statistik zwar einen merklichen Aufwärtstrend, allerdings können die Zahlen aufgrund der starken Fluktuation des Marktes nicht auf das Gesamtjahr hochgerechnet werden.

Hongkongs Baubranche lässt sich in drei große Bereiche unterteilen. Der private Wohnungsbau ist der mit Abstand wichtigste Sektor, allerdings auch die am wenigsten lukrative Sparte. Nach Angaben des Rating and Valuation Departments wurden 2006 rund 16.600 Wohnungen fertiggestellt, ein Minus von nahezu 50 Prozent gegenüber 2001 und ein angesichts einer Bevölkerung von 7 Millionen sehr niedriger Wert. Für 2007 wird mit einem weiteren Rückgang auf nur rund 10.000 bis 12.000 Einheiten gerechnet. Dies käme einem historischen Tiefstand gleich und läge weit unter dem potentiellen Bedarf. Um mehr als der Hälfte der Bevölkerung die eigenen vier Wände zu ermöglichen, wären laut Planvorgaben um die 80.000 neue Wohnungen pro Jahr notwendig.

Gewerbliche Immobilien stellen ein weiteres bedeutendes Standbein der Branche dar. Besonders im Bürobau müssen die Unternehmen allerdings mit starken Schwankungen rechnen: Während 2003 und 2004 Büroflächen im Umfang von insgesamt fast 600.000 m2 an den Markt gingen, waren es 2005 und 2006 zusammen gerade einmal gut 100.000 m2. Derzeit befinden sich zwei große Wolkenkratzer von knapp 300 Metern beziehungsweise mehr als 400 Metern Höhe in Bau, die 2008 und 2009 in der Statistik für starke Ausschläge nach oben sorgen dürften.

Auf den privaten wie den gewerblichen Gebäudebau entfallen rund zwei Drittel der gesamten Wertschöpfung des Sektors, der Rest wird dem Infrastrukturbereich zugesprochen. Das Engagement der öffentlichen Hand ist jedoch nahezu implodiert. Ihre Bauleistungen gingen zwischen 2000 und 2006 um fast zwei Drittel zurück. Für das Gesamtjahr 2007 zeichnet sich ein neuer Tiefstand ab. Die Ankündigung der Regierung stellt daher eine deutliche Kehrtwende dar: Sie will zwischen 2008 und 2018 zehn Megaprojekte mit einem Investitionsumfang von 22 Milliarden Euro umsetzen. Zur Finanzierung hat sie sich größtenteils noch nicht geäußert. Die Kassen sind jedoch voll und der Staat verfügt über hohe Reserven, so dass mangelndes Kapital keine Rolle spielen dürfte.

Lieferchancen bieten sich vor allem Anbietern von Spezialbaustoffen, von Gebäudetechnik sowie von Ausstattungen für Badezimmer und Küchen. In zahlreichen Hotels oder Bürotürmen in Hongkong und Macau kommt deutsche Sicherheits-, Aufzugs- oder Klimatechnik zum Einsatz. In immer mehr modernen Apartmentanlagen sind Elektrogeräte, Badewannen oder Armaturen "Made in Germany" zu finden.

Im Jahr 2006 importierte Hongkong Baustoffe im Wert von fast 9 Milliarden Euro. Unternehmen aus Deutschland erzielten dabei einen Umsatz von rund 180 Millionen Euro. Ein Großteil der Lieferungen ist für den boomenden Bausektor in Macau - die Stadt verfügt über keinen eigenen Containerhafen und bezieht ihre Einfuhren überwiegend über die Terminals der ehemaligen britischen Kolonie - sowie im nahe gelegenen südchinesischen Perlflussdelta bestimmt.

Hongkongs Baubranche wird von einigen wenigen großen Unternehmen dominiert. Sie verfügen über ausreichend Personal sowie über die nonwendigen politischen Verbindungen, um lukrative Großaufträge an Land zu ziehen. Insbesondere seit der Rückgabe Hongkongs an die Volksrepublik China können ausländische Gesellschaften auf dem Markt kaum noch Fuß fassen, wissen Insider zu berichten. Aussichten auf Zuschläge bestehen oft nur dann, wenn Spezialkenntnisse, etwa bei der Konstruktion von Hochgeschwindigkeitsstrecken oder Brücken, gefragt sind. Viele internationale Baukonzerne konnten daher - auch angesichts der geringen Investitionstätigkeit der öffentlichen Hand - kaum noch Umsätze erzielen und kehrten Hongkong den Rücken.

Der letzte in Hongkong verbliebene deutsche Baukonzern, der nach eigenen Angaben in den 1990er Jahren noch Milliardenumsätze in der Sonderverwaltungsregion generierte, gab 2005 seine Lizenz - sie wird zur Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen benötigt - zurück und schloss sein Büro. Zugleich eröffnete er eine kleine Repräsentanz im nur wenige Kilometer entfernten Macau. Die ehemalige portugiesische Kolonie erlebt seit der Liberalisierung ihres Glücksspielsektors einen selbst für chinesische Städte ungewöhnlichen Boom. US-amerikanische Gesellschaften pumpen zweistellige Milliarden-Euro- Beträge in den Bau von integrierten Kasino- und Hotelkomplexen. Ende 2007 eröffnete das 3.000 Zimmer umfassende Venetian seine Tore. Bis 2012 sollen bis zu zwanzig weitere Fünf-Sterne-Häuser folgen.

Für Anbieter von Ausstattungen - Küchen, Bäder, Sicherheitstechnik etc. - sind gute Beziehungen zu den einheimischen Immobilienfirmen sowie zu Architekten wichtig. So werden bei Projekten im privaten Wohnungsbau die Apartments zumeist komplett mit den Produkten von vorher ausgewählten Firmen versehen. Ein bekannter deutscher Hersteller von Haushaltsgeräten konnte 2005/06 mehrere hundert Einheiten bestücken. Die Lieferverträge im Rahmen weiterer Großvorhaben sind nach seinen Angaben bereits unter Dach und Fach.

Auch die Küchenhersteller konnten auf den fahrenden Zug aufspringen und Millionenumsätze erzielen. Die Bauherren bevorzugen zumeist eine Ausstattung aus einem Guss. Wenn bereits Herd oder Kühlschrank aus Deutschland stammen, muss dies der Rest der Küche in der Regel auch. Deutsche Produkte genießen bei Hongkongs Hauskäufern und Immobilienfirmen - auch aufgrund einer sehr guten Marketingstrategie - einen hervorragenden Ruf.

Bauunternehmen müssen in Hongkong eine Lizenz beantragen. Wichtiges Kriterium für die Einstufung in A-, B- und C-Lizenzen ist die Finanzkraft des Antragstellers. Lediglich Firmen der Kategorie A haben die Möglichkeit, an Ausschreibungen für Großaufträge teilzunehmen.





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