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Asien Kurier 2/2008 vom 1. Februar 2008
Hongkong

Logistikunternehmen bleiben Hongkong treu

Von Dr. Roland Rohde (gtai)

China mag zwar im Fertigungsbereich mit - noch - preiswerten Arbeitskräften brillieren, im Dienstleistungssektor sieht die Lage anders aus. Davon können Logistiker ein Lied singen. In Shanghai verdienen Disponenten inzwischen mindestens 350 Euro. Die Fluktuation ist zudem unerträglich hoch. Viele setzen daher weiterhin auf den Standort Hongkong. Die Yangzimetropole und die Sonderverwaltungsregion sind jedoch weitgehend gesättigte Märkte. Wachstumschancen gibt es vor allem in den inneren Provinzen.

Hongkong hat sich bereits vor Jahren als bedeutende Logistikdrehscheibe Asiens etabliert. Die Branche ist, neben dem Handels- und Finanzsektor, die dritte Stütze der Wirtschaft. Angesichts des rasanten Aufstiegs der nur wenige Kilometer entfernten und deutlich kostengünstigeren Containerhäfen in Südchina, sowie des 2004 neueröffneten Flughafens in Guangzhou wächst allerdings die Konkurrenz. Auch in Shanghai sehen nicht wenige einen ernsthaften Wettbewerber.

Bislang gab es aber noch keinerlei Anzeichen für eine massive Verlagerung von Logistikaktivitäten nach Südchina oder Shanghai. Zwar wächst der Umschlag des Containerhafens nur noch sehr langsam, dafür entwickelt sich der Luftfrachtverkehr dynamisch und die Sonderverwaltungsregion dürfte auch auf absehbare Zukunft den mit Abstand wichtigsten Frachtairport Chinas beherbergen.

Sämtliche große internationale Logistikunternehmen sind in der ehemaligen britischen Kronkolonie vertreten. Besonders stark haben sich die Deutschen positioniert. Neben den Riesen der Branche wie DHL/Danzas, Kühne & Nagel oder Schenker, die mehrere hundert Mitarbeiter in der ehemaligen britischen Kronkolonie beschäftigen, existieren auch zahlreiche Mittelständler sowie Spezialanbieter.

Viele haben in Hongkong sogar ihr Hauptquartier angesiedelt, über das sie sämtliche Chinaumsätze abwickeln. Für die Standortentscheidung sprechen nach Aussagen eines deutschen Logistikers vor allem finanztechnische Gründe. So sei im Gegensatz zum benachbarten Festland die Währung - der Hongkong Dollar (HK$) - frei konvertierbar und es bestehen keinerlei Kapitalverkehrskontrollen. Die Währung ist seit 1983 an den US-Dollar gekoppelt; seit Mai 2005 mit einem Wechselkurs im Bereich von 1 HK$ = 7,75 bis 7,85 US$.

Daneben besteche die Sonderverwaltungsregion durch ihre hohe Rechtsicherheit und ihre hervorragende Infrastruktur. Post, Internet, aber auch die Zollabfertigung funktionierten reibungslos und schnell.

Der größte Konkurrent zu Hongkong ist aber nach seiner Ansicht nicht Shenzhen oder Guangzhou, sondern Shanghai. Die Yangzimetropole bildet die wichtigste Logistikdrehscheibe Festlandchinas. Der staatlichen Tageszeitung China Daily vom 17. Mai 2007 zufolge, habe der Hafen Shanghai im Märzquartal 2007 mit 5,88 Millionen TEU (+28,1% mehr Container verglichen mit dem Vorjahresquartal) seinen Mitbewerber Hongkong (5,5 Mio. TEU; +2,3%) überrundet. Im Vergleich zu Hongkong hinkt die Stadt am Huangpu-River aber hinsichtlich der Rahmenbedingungen noch um einiges hinterher. Größtes Problem dort stellt das Personal dar. China verfügt zwar über einen riesigen Pool von billigen, ungelernten Arbeitskräften, die man problemlos in der Produktion einsetzen kann. Wenn es aber um qualifizierte Dienstleistungen geht, ist das Angebot sehr beschränkt und hat sich in den letzten Jahren sogar weiter verknappt.

Wie Vertreter der Konkurrenz bestätigen, seien Universitätsabsolventen (Bachelor-Abschluss) mit Englischkenntnissen in allen Servicebranchen sehr gesucht. Sie können sich ihren Arbeitgeber praktisch aussuchen. Ein Berufseinsteiger in Shanghai verdient 2007 als Disponent zwischen 340 und 400 Euro. Der Arbeitgeber muss zudem noch mit jährlichen Lohnsteigerungen um die 10 Prozent kalkulieren. Der Kollege in Hongkong verdient zwar ungefähr das Doppelte, dafür leiste er aber deutlich mehr. Im Prinzip erledigt dort ein Angestellter die Arbeit von zwei Shanghaier Arbeitnehmern.

Ein besonders großes Problem in der Yangzimetropole ist zudem die hohe Personalfluktuation, die von deutschen Branchenunternehmen auf jährlich 25 Prozent beziffert wird. Dies ist noch ein verhältnismäßig niedriger Wert, der durch eine professionelle Personalpolitik mit Karriereplan und anderen - oft nicht monetären - Anreizen, erzielt wird. Bei einigen Firmen, die solche Instrumente nicht einsetzen, liegt die entsprechende Quote bei bis zu 50 Prozent.

Shanghai und Hongkong sind, was den Logistikmarkt betrifft, gesättigte Märkte. Wer als Neueinsteiger überleben oder sich neue Geschäftsfelder erschließen will, hat nach Angaben eines kleineren deutschen Anbieters eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder man konzentriert sich auf bestimmte Nischen, oder man muss rechtzeitig in den zukünftigen Wachstumsregionen Chinas vertreten sein. So habe sich beispielsweise ein Konkurrent auf die Hotellogistik spezialisiert und macht damit in Macau gut Geschäfte.

Das Landesinnere ist noch wenig entwickelt und die entsprechenden Exporte und Importe bewegen sich in den meisten Provinzen auf einem niedrigen einstelligen Milliarden-US-Dollar-Niveau. Viel Potential sehen Landeskenner aber in der 2007 gegründeten Sonderwirtschaftszone Chengdu - Chongqing. Die ersten deutschen Logistiker haben sich bereits in der Provinzhauptstadt Sichuans niedergelassen. Sie berichten allerdings von - noch - geringen Umsätzen. Es gibt derzeit nur wenige internationale Unternehmen und chinesische Hersteller bedienen sich zumeist einheimischer Anbieter.





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