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Asien Kurier 2/2008 vom 1. Februar 2008
Indonesien

Textilindustrie stärker gefördert

Von Michael Sauermost

Die indonesische Regierung setzt ihr Förderprogramm für die nationale Textilindustrie fort. Die im Jahr 2007 gestarteten Maßnahmen sollen bis 2012 andauern, um eine nachhaltige Umstrukturierung und Modernisierung des Sektors realisieren zu können. Ausländische Maschinenlieferanten dürften diese Entwicklung mit großem Interesse verfolgen. Bislang wurden allerdings längst nicht alle Incentives in Anspruch genommen. Was die Importe der Kapitalgüter angeht, so profitierten bislang maßgeblich chinesische Anbieter.

Bis zum Jahr 2012 will die indonesische Regierung den für das Exportgeschäft wichtigen Textilsektor mit Incentives von bis zu 1270 Milliarden Indonesische Rupiah (rund 91 Mio. Euro; 10.000 Rp = etwa 0,72 Euro) versorgen. Dadurch sollen die Geschäftsbanken in der Lage sein, die Branchenunternehmen mit Krediten zu "füttern". Das Programm sieht zwei Formen der Unterstützung vor. Etwa zwei Drittel des Fonds soll großen Unternehmen etwa 10 Prozent Discount bei der Anschaffung von neuen Maschinen und Komponenten bescheren. Der Rest ist für Billigkredite zu einem fixen Zinssatz für kleinere Unternehmen vorgesehen.

Der Maschinenbestand der Branche ist veraltet. Seit Jahren hat sich an diesem Zustand kaum etwas verändert. Von den Fördermitteln sind dem Vernehmen nach 20 Prozent für Spinnmaschinen, 30 Prozent für Bekleidungsmaschinen sowie 50 Prozent für Kapitalgüter zur Herstellung von Textilgewebe bestimmt. In letzterem Segment weist der gegenwärtige Bestand an Kapitalgütern die größte Überalterung auf. Im vergangenen Jahr 2007 verwaltete der staatliche Fonds 255 Milliarden Rupiah; 2008 könnten sogar 400 Milliarden Rupiah "angezapft" werden.

Der Jahresabschluss 2007 zeigte jedoch, dass die Incentives nicht optimal genutzt wurden; die Unternehmen nahmen lediglich etwa 60 Prozent in Anspruch. Dies lag in erster Linie daran, dass die Antragsteller die Anforderungen der Regierung oft nur unzureichend erfüllten. Teilweise wurde auch die Deadline Ende November bei den Anträgen für 2007 nicht eingehalten, heißt es. Zusätzlich planten nicht wenige Unternehmen die Anschaffung von Gebrauchtmaschinen, die jedoch nicht in den Förderrahmen fallen.

Die Regierung ernannte drei Institutionen, die für die Verwaltung der Abläufe zuständig sind. Die Finanzgesellschaft PT Venture Capital soll steuern, dass die Finanzspritzen den "richtigen Weg" nehmen. Das Unternehmen PT Surveyor Indonesia ist als "Rating"-Agentur ernannt und PT Sucofindo für das allgemeine Monitoring.. Die Exporte des Textilsektors sollen mit Hilfe der Restrukturierungsmaßnahmen um 10 Prozent jährlich gesteigert werden.

Indonesiens Ausfuhr von Textilien und -erzeugnissen, die sich 2006 auf umgerechnet rund 9,45 Milliarden US-Dollar belief und 2007 nur knapp über der 10-Milliarden US-Dollar-Schwelle gelegen haben dürfte, könnte so 2010 einen Wert von knapp 14 Milliarden US-Dollar erreichen, lautet das Kalkül. Die Indonesian Chamber of Commerce and Industry (Kadin) geht davon aus, dass der lokale Textilsektor bis 2025 einen Weltmarktanteil von 5 Prozent realisieren wird. Derzeit zählen die USA (40%), die EU (16%), Japan (7%) sowie die arabischen Emirate (4%) zu den wichtigsten Abnehmern.

Kritiker weisen allerdings auf die steigende internationale Konkurrenz hin und warnen davor, nur auf die Auslandsmärkte zu schauen. Im Regelfall exportieren die lokalen Hersteller gegenwärtig 60 Prozent ihrer Erzeugnisse. Die Indonesian Textile Association (API) geht davon aus, dass die Importe von Textilien und Bekleidung 2007 um 70 Prozent zugelegt haben - dies gelte sowohl für die regulären Einfuhren als auch für den florierenden illegalen Warenhandel. Diese Entwicklung sei für die Unternehmen nicht zuletzt angesichts des wachsenden Inlandsmarktes "alarmierend".

Neben dem illegalen Warenhandel, der laut API von der Menge her betrachtet bereits die Hälfte des Marktes überflutet hat, kämpfen die lokalen Hersteller weiterhin mit zahlreichen Problemen - insbesondere mangelnder Effizienz auf Grund ausbleibender Modernisierung, unzureichender Infrastruktur sowie steigenden Energiekosten. Letzteres Problem gewinnt in Zeiten steigender Ölpreise zunehmend an Bedeutung. Zumindest ausländische Investitionen in dem Sektor zogen bereits in den letzten Jahren wieder an. Angaben des Industrieministeriums zufolge erhöhten sich diese Kapitalanlagen von 165,5 Millionen US-Dollar im Jahr 2004 auf 418,1 Millionen in 2006.

Ebenfalls bei den Importen von Textilmaschinen wird ein Aufwärtstrend registriert, der sich mit Hilfe des Förderprogramms fortsetzen könnte. Fraglich ist dabei allerdings, inwieweit europäische Lieferanten davon profitieren können. Bereits im Jahr 2006 wies die Importstatistik bei Textilmaschinen ein Plus von 20 Prozent auf rund 280 Millionen US-Dollar aus. Überdurchschnittlich stark profitierten davon Lieferanten aus der Volksrepublik China. Sie konnten ihre Branchenumsätze auf dem Archipel um 62 Prozent steigern, während sich deutsche Unternehmen mit einem unterdurchschnittlichen Wachstum von etwa 9 Prozent begnügen mussten.

Indonesian Textile Association, Asosiasi Pertekstilan Indonesia (API)

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