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Unter dem Jubel von Hunderttausend Sportlern, Besuchern und Politikern aus aller Welt, entzündet der Schlussläufer in einer großen Schale das olympische Feuer an. Am 8. August 2008 beginnen die 16 Tage dauernden Olympischen Sommerspiele in Beijing - ein Weltereignis, das auch auf die boomende Wirtschaft im Reich der Mitte weitreichende Folgen hat.
Solch ein Magaevent verlangt umfangreiche Investitionen in Sportstätten, Infrastruktur, Freizeiteinrichtungen und Wohnungen, nicht nur in Beijing, sondern auch (zumindest) an der prosperierenden Ostküste des Landes. Kräftig steigende Stahl- und Betonpreise bestätigten es bereits. Die drei Konzepte ("Green Olympics", "High-tech Olympics" und "People Olympics") werden kurz-, mittel- und langfristig den existierenden, positiven Konjunkturtrend eher verstärken. Seit dem Beginn marktwirtschaftlicher Reformen in den frühen Neunziger Jahren, konnte die chinesische Metropole erhebliche Fortschritte machen und mit zunehmenden Einfluss von ausländischen Kapital sowie Technologie, erfreut sich das Riesenreich eines beständigen Wirtschaftsaufschwungs. Heute ist Beijing der Sitz einer Vielzahl von internationalen Unternehmenszentralen, von Finanz- und politischen Institutionen. Die Stadt steht (nach Shanghai) an zweiter Stelle bei der Industralisierung, hochentwickelten Maschinen, in den Textil- und Petrochemie-Branchen und damit tragen die auf 15 Millionen geschätzen Einwohner bedeutend zum chinesischen Außenhandel bei. Im abgelaufenen Jahr 2007 erklimmte Beijing den bisherigen Gipfel seines Booms: Die Wirtschaft wuchs um 12,8 Prozent gegenüber einem Jahr zuvor, das Prokopfeinkommen erreichte 4.366 Euro. Nach Kriterien der Weltbank hat die sozio-ökonomische Entwicklung ein oberes Mittelklasse-Niveau erreicht, an einem durchschnittlichen Gehaltszuwachs von 109,4 Prozent zwischen 2001 und 2007 erkennbar. Langfristige und dauerhafte Vorteile kann die Stadt durch die umfangreichen Investitionen erwarten. Von den 11,5 Milliarden Euro direkter Olympia-Ausgaben für das Verkehrswesen, Kommunikation und die Umwelt werden die Chinesen auch indirekt sozial profitieren. Berichten zufolge wurden für Olympia-bezogenen Projekten 3,6 Millionen neuer Jobs geschaffen. Die meisten davon in der Bauindustrie, im High-tech- und Produktionsbereich, in der Logistik- und in den Dienstleistungsbranchen. 430.000 neue Arbeitsplätze sollen in der Bauwirtschaft und weitere 130.000 im Einzel- und Großhandelssektor entstanden sein. Zwei Millionen zusätzliche Touristen erwartet die "Beijing Tourism Administration" anläßlich der Spiele. Die Behörde geht von einem Umsatzplus von circa 660 Millionen Euro in der Hotel- und Dienstleistungsindustrie, in den Branchen Unterhaltung und Verkehr aus. Über die letzten fünf Jahre stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Beijing um jährlich 12 Prozent (2002: 443 Mrd. Yuan, 41,3 Mrd. Euro; 2007: 900 Mrd. Yuan, 83,8 Mrd. Euro; 1 Euro = 10,74 Yuan). Mit einem zusätzlichen BIP-Plus von 1,14 Prozent für 2007 und weiteren 0,85 Prozent in 2008 kann dank Olympiaausgaben gerechnet werden. Nach dem "Beijing Olympic Action Plan" werden sich die erwarteten Investitionen von 125 Milliarden Euro auf drei Bereiche verteilen: Zum einen (und ausschließlich) den Bau von Sportstätten und direkt dazugehöriger Einrichtungen, der zweite Teil wird für in die Infrastrukturentwicklung der Stadt fliessen, während der dritte Teil für Umwelt- und Verkehrsprojekte ausgegeben werden soll, welche als indirekte Investitionen im Zehn-Jahres-Plan integriert sind. Eindrucksvoll sollen sich die Erweiterungsprojekte vom internationalen Flughafen "Beijing Shoudu Guoji Jichang" den sportinteressierten Besuchern präsentieren. Während der Spiele wird er auf Platz 5 der Rangliste der verkehrsstärksten Airports aufsteigen. Ein drittes Terminal sollte im Februar fertiggestellt werden (Kostenaufwand: 1,45 Mrd. Euro) - das weltgrößte Terminal mit einer direkten Stadtanbindung alle 15 Minuten zu den Spitzenzeiten. Alle drei Terminals zusammen sollen zukünftig etwa 82 Millionen Passagiere im Jahr abfertigen (bislang 35 Mio Passagiere). Beijing wohl- und weitbekannte Verkehrsstaus sollen zukünftig der Vergangenheit angehören - zumindest wenn man der Stadtverwaltung Glauben schenkt. Immerhin werden die öffentlichen Verkehrsmittel mit einem 480 Millionen Euro schweren Aufwand ausgebaut. Im Bau sind mehrere Verkehrsprojekte, welche den Olympiateilnehmern und -besuchern eine schnelle Fahrt zwischen den Sportstätten oder den Hotels ermöglichen sollen. Quer über die Straßen der Hauptstadt soll der "Beijing-Tianjin"-Schnellzug fahren, sechs neue Schnellstraßen verbinden zukünftig die Innenstadt mit dem Airport und anderen Städten, ebenfalls sechs neue U- und S-Bahnlinien sollen für Verkehrsentlastung sorgen. Mit diversen Busspuren, auf denen tatsächlich kein PKW fahren soll, will die Stadtregierung in der rush-hour freie Fahrt für den öffentlichen Verkehr schaffen. Es heisst, dass für die Baumassnahmen umweltfreundliche Technik eingesetzt werde. Letztlich ist geplant die alten Busse durch Neufahrzeuge mit Abgaskatalysator auszutauschen. Mit dem Konzept "High-tech Olympics" will Beijing sein Engagement im technologischen Bereich erweitern, besonders in der Kommunikation. Hierzu soll das wissenschaftliche und innovative Potential, mit Blick auf Anwendungen für das tägliche Leben, ausgebaut werden. So brachte das "Beijing Organizing Committee for the Olympic Games" (BOCOG) verschiedene Forschungsinstitute und Hi-tech-Unternehmen zusammen, um Vorschläge für ein neues städtisches Verkehrssystem auszuarbeiten. Seit der Eröffnung eines zentralen Kontrollzentrums im Frühjahr 2007, wird der Verkehrsfluss in Echtzeit überwacht; mit "Grünen Wellen" soll die Zentrale Entlastung bei den täglichen Staus schaffen (vgl. Asien Kurier, Februar 2008, S. 3, "Eine Lösung der Verkehrsprobleme?"). Groß- und Einzelhandel, Computer-Hersteller und -Dienstleister, Software- und Kommunikationsunternehmen sehen gedeihlichen Jahren entgegen und sie werden sich - wenn alles gut geht - zu einer beständigen Säule der chinesischen Wirtschaft entwickeln. Für ausländische Unternehmen ein großes Potential, um eigene Produkte und Dienstleistungen zu offerieren. Die staatlichen Statistiker erwarten nicht weniger als 2 Millionen Olympiabesucher in Beijing, davon 300.000 aus dem Ausland. Im Bau sind etwa Hundert Hotels mit circa 20.000 Zimmern (wenn man nur solche mit einem "Stern" zählt). Das Organisationkomitee geht von 800 Hotels mit 130.000 Zimmern aus, in denen die Besucher unterkommen können. Auch die bislang gelegentlich zweifelhafte Qualität an Lebensmitteln und Sicherheit soll sich mit "grünen" Kriterien bessern. Was beim Fünf-Sterne-"Grand Hyatt Hotel" (mehr als 800 Euro Übernachtungspreis) selbstverständlich ist, müssen die "Hutongs", die traditionellen Gästehäuser, (9 Euro pro Nacht) erst noch lernen - und dann auch umsetzen. Eine kräftige Umsatzquelle für die Touristenindustrie! Der ausländische Besucher wird im Durchschnitt mehr als 700 Euro vor Ort für seinen Chinatrip ausgeben, der inländische Gast immerhin noch 100 Euro. Die Branche erwartet sich 655 Millionen Euro Umsatz. Sauberer und grüner soll die Stadt werden. Beijing kennt seine herausfordernden Probleme bei der Luft- und Wasserqualität, Abwasser- und Müll-Management, sowie im Verkehrssektor. Und manches scheint sich zum Besseren zu ändern: Die Luftverschmutzung soll dank neuer Standards (weniger Schwefeldioxid-haltig) bei Benzin und Diesel geringer werden. Alle großen Gebäude, temporären Einrichtungen und Sportstätten werden mit wiederverwendbaren Materialien, sowie sauberer Technik ausgestattet. Dazu gehört ein Solarenergiesystem für die Straßenbeleuchtung und heißes Wasser im Olympischen Dorf. An zwölf Stellen wurde im nationalen Olympiastadium ein 130-Kilowatt-Solarsystem installiert. Trotz allen umweltfreundlichen Gedanken rechnet das Olympische Komitee damit, dass bei zu großer Hitze und Luftverschmutzung einzelne Sportereignisse verschoben oder gar beendet werden. Manch ein Maratonläufer wird wohl auf die Teilnahme verzichten. Die Fabriken der Stadt und in deren Umfeld sollen während der Spiele schliessen, Autos werden teilweise von den Straßen verbannt. Verkaufs- und Imagewerbung, sowie allgemeine Öffentlichkeitsarbeit - Olympia bietet die ideale Marketingplattform für die lokale wie die globale Geschäftswelt. Vier Werbeformen werden angeboten: Fernsehwerbung, Werbung auf den Tickets, Sponsorenwerbung und Olympia-Lizenzen. Das Sponsorprogramm ist Angaben des chinesischen Werbemanagements zufolge für die Unternehmen die profitabelste Form. Je nach Marketingbudget wird die Werbung weltweit oder zielgruppenspezifisch wahrgenommen. Das im September 2003 gestartete "Beijing 2008 Olympic Sponsor"-Programms lockte bislang 64 Unternehmen an. Dazu gehören Schenker, General Electric und Johnson & Johnson, die ihre Verkaufsumsätze in China mit Markenwerbung bei der 16-tägigen Großveranstaltung kräftig ausbauen wollen. Für chinesische Unternehmen (u.a. der Computer- und Technologiekonzern Lenovo, Air China, China Mobile) bietet das Olympia-Sponsoring die ideale Plattform, um sich weltweit mit wettbewerbsfähigen Produkten zu präsentieren. Entsprechend groß sind die Erwartungen, die seitens lokaler Firmen mit dem Sportmarketing verbunden werden. Billig ist die Olympiawerbung nicht! Der deutsche Sportschuh-Hersteller Adidas hat für die Spiele circa 125 Millionen Euro Werbebudget eingeplant. Dazu kommt ein unternehmenseigenes Team, welches die Sportbegeisterung in Beijing profitabel umsetzen soll. Taxifahrern soll nicht nur die englische Sprache gelehrt werden, sie müssen auch bessere Manieren lernen. An allen Sporthochschulen des Landes werden olypisches Wissen in Seminaren und Ausstellung vermittelt - das Konzept "People's Olympics" wird zum "Sports for all". Der aus erfolgreichen Spielen resultierende, wirtschaftliche Einfluss kann China langfristige Vorteile bringen - er ist als "Olympisches Vermächtnis" bekannt. Auszahlen werden sich letztlich die hohen Investitionen für die Großveranstaltung: steigende Touristenzahlen auch nach den Spielen, zunehmende Auslandsinvestitionen (an denen es auch jetzt kaum mangelt), die infrastrukturellen Verbesserungen heben die Lebensqualität der Beijinger Bürger. Kann sich eine Stadt besser als Welt-Metropole darstellen? Alle hoffen, dass die chinesische Hauptstadt nicht nur die beste Olympiade ausrichten wird, sondern sich nachhaltig als offenes, modernes und zivilisiertes Beispiel für den weltgrößten Staat China präsentiert.