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Asien Kurier 3/2008 vom 1. März 2008
Taiwan

Taiwan setzt auf erneuerbare Energien

Von Oliver Höflinger (gtai)

Die taiwanische Energienachfrage steigt stetig. Vor allem aufgrund der hohen Importabhängigkeit fördert das Land erneuerbare Energien. Die besten natürlichen Gegebenheiten bieten sich für Solarenergie, Windkraft und Geothermie. Bis 2010 soll der Beitrag zur Stromerzeugung auf 5 GW ausgebaut werden. Die für 2008 erhoffte Verabschiedung des "Renewable Energy Development Act" dürfte dem Einsatz erneuerbarer Energien insgesamt einen zusätzlichen Schub versetzen.

Die Energienachfrage soll dem "Bureau of Energy" (BOE) zufolge von 109.900 Millionen Liter Oil Equivalent im Jahr 2006 bis 2020 durchschnittlich um 2,1 Prozent pro Jahr steigen. Das höchste Nachfragewachstum mit durchschnittlich 12,7 Prozent pro Jahr wird dabei den erneuerbaren Energien zugeschrieben. Diese sind vor allem aufgrund der hohen Importabhängigkeit im Energiewesen in den Fokus gerückt. Laut Bureau of Energy (BOE) lag der Importanteil 2006 bei 98 Prozent; die Importe pro Kopf beliefen sich auf einen Wert von 48.175 Neue Taiwan-Dollar (NT$; rund 1.175 Euro; 1 Euro = 41 NT$; Jahresdurchschnittskurs 2006).

Schon aus wirtschaftlichen Überlegungen ist dieser Anteil bedenklich, mehr noch wenn die besondere politische Situation berücksichtigt wird. Die angestrebte Reduzierung von Treibhausgasen stellt einen weiteren Grund für die Förderung erneuerbarer Energien dar. Taiwan hat sich umfangreiche Einsparziele vorgegeben. So soll laut Environmental Protection Administration (EPA) zum Beispiel der Kohlendioxid-Ausstoß bis 2025 im Energiesektor um 78,4 Millionen Tonnen gesenkt werden; im Industriesektor werden Einsparungen von 62,4 Millionen Tonnen angestrebt, im Transportwesen von 14,3 Millionen Tonnen.

An der gesamten Stromerzeugungskapazität von etwa 46 GW hatten erneuerbare Energieträgern 2007 einen Anteil von rund 6,3 Prozent.Wie in Deutschland wird die Erzeugung über die Einspeiseentgelte gefördert. Am höchsten fallen diese mit 10,0 NT$ pro kWh bei der Solarenergie aus. Darüber hinaus bestehen für die einzelnen Energieträger weitere Förderprogramme und -maßnahmen sowie Pilotprojekte. Zum Beispiel wird die Installation von fotovoltaischen Systemen mit staatlichen Zuschüssen in Höhe von 150.000 NT$ pro kWp gefördert. Derzeit wird Branchenkennern zufolge über eine Senkung auf möglicherweise 140.000 NT$ pro kWp nachgedacht.

Da der Renewable Energy Development Act nicht wie erwartet 2007 verabschiedet wurde, setzen viele Branchenkenner nun auf eine Verabschiedung im Jahr 2008. Grundsätzlich dürfte der Ausgang der großen Wahlen 2008 (Januar: Legislative Yuan, März: Präsidentschaft) Einfluss auf die weitere Entwicklung haben.

Konventionelle Wasserkraftwerke steuern derzeit den größten Beitrag zur Stromerzeugung durch erneuerbare Energieträger bei. Allerdings werden die besten Standorte bereits genutzt. Ungenutztes Potenzial befindet sich in schwer zugänglichen Gebieten oder in Naturschutzgebieten. Da dort mit höheren Erzeugungskosten zu rechnen wäre, sehen Branchenkenner bessere Chancen für Kleinwasserkraftwerke.

Für Windenergieanlagen bietet Taiwan ein ansprechendes Potenzial: an vielen Standorten fast an der gesamten Westküste sowie auf den vorgelagerten kleinen Inseln sind angesichts von Windgeschwindigkeiten von etwa 8 bis 11 Meter pro Sekunde mehr als 2.500 Stunden Vollauslastung möglich. Derartige Bedingungen herrschen in der Regel von Oktober bis März, außerhalb dieses Zeitraums schwächt der Wind jedoch ab.

Die Planungen der Regierung sehen vor, bis 2010 ein Windenergiepotenzial von ungefähr 2.150 MW zu erschließen. Anlagen zu Land sollen dabei 1.790 MW beisteuern, Off-shore-Windparks 360 MW. Die Kapazität hatte 2007 um 50,0 Prozent auf 281,6 MW zugelegt. Insgesamt bestehen in 13 Parks mehr als 100 Windenergieanlagen, wobei alleine auf den nationalen Stromversorger Taipower etwa 70 Anlagen entfallen.

Auch für fotovoltaische Systeme herrschen angesichts der hohen Sonneneinstrahlung von durchschnittlich 4,06 kWh pro m2 und Tag beste Voraussetzungen. Statistiken der Taiwan Photovoltaic Industry Association (TPVIA) zufolge stieg die installierte Kapazität 2007 um 57,6 Prozent auf 2.060 kWp. Zugute kommt Taiwan dabei die hochentwickelte IT-Industrie, vor allem in den Bereichen der Halbleiter- und Flachbildschirmfertigung.

Vor diesem Hintergrund hat in den letzten Jahren ein massiver Entwicklungsschub eingesetzt. Laut TPVIA nahm die Produktionskapazität der Branche 2007 um 119,4 Prozent auf 1.088 MWp zu. Gleichzeitig schätzt das Ministry of Economic Affairs, dass der Produktionswert der Fotovoltaik 2007 auf 40 Milliarden NT$ zugelegt hat. Bis 2010 geht es von einer Zunahme auf 150 Milliarden NT$ aus.

Solarthermie ist nach dem Deutschen Wirtschaftsbüro Taipei (DWB) die am weitesten verbreitete Technologie unter den erneuerbaren Energien, bietet jedoch nach wie vor ein großes Ausbaupotential. So besaßen 2004 lediglich 4 Prozent aller Haushalte eine solarthermische Warmwasseranlage. Branchenkenner gehen davon aus, dass dies auf 22 Prozent, also 1,5 Millionen Haushalte ausgebaut werden kann. Die Gesamtfläche aller installierten Systeme war 2007 um 7,7 Prozent auf 1,67 Millionen m2 gestiegen. Damit lag das Land laut BOE im weltweiten Vergleich auf Rang zwölf (nach installierter Fläche).

Taiwan liegt auf zwei sich bewegenden Erdplatten und verfügt deshalb über reichhaltige geothermische Ressourcen. Die Energy Commission schätzt das Gesamtpotential auf ungefähr 1.000 MW. Insgesamt sind etwa 120 heiße Quellen mit bis zu 90 Grad Celsius heißem Wasser bekannt, von diesen könnten 26 direkt oder zur Stromerzeugung genutzt werden. Die meisten der möglichen Standorte liegen im Norden des Landes, oftmals in abgelegenen Regionen. Aus diesem Grund wird das derzeit wirtschaftlich nutzbare Potenzial auf etwa 150 MW veranschlagt.

Bei Biomasse lag die Stromerzeugungskapazität laut der New Energy Technology Division im Industrial Technology Research Institute (ITRI), dem führenden Forschungsinstitut Taiwans, 2006 bei 680 MWe. Nach taiwanischer Definition zählen hierzu die 24 stromerzeugende Müllverbrennungsanlagen für Siedlungsabfälle. Außerdem existieren vier Anlagen zur Nutzung von Deponiegas sowie diverse Projekte, die Industrie- und Agrarabfallstoffe nutzen. Darunter fallen beispielsweise Bagasse, Papiermühlenabfälle, Kunststoff- und Gummiabfälle, Reishülsen sowie in Taiwan produzierte Pellets (Densified Refuse Derived Fuel, RDF-5). Ein weitgehend unerschlossenes Potential bietet die Schweinezucht. So könnte die von den etwa 7 Millionen Schweinen produzierte Gülle zur Herstellung von Biogas genutzt werden könnte.

Außer zur Stromerzeugung kommt Biomasse in Taiwan bei der Produktion von Biokraftstoffen zum Einsatz. Das Land verfügt über fünf Anlagen zur Biodieselherstellung mit einer Gesamtkapazität von 42,1 Millionen Liter pro Jahr; eine weitere Anlage mit einer Kapazität von 100,0 Millionen Liter pro Jahr befindet sich im Bau. Als Ausgangsstoffe für die Produktion kommen derzeit vor allem gebrauchtes Speiseöl sowie Sojabohnen zum Einsatz.

Die Biodieselproduktion fällt wegen der derzeit noch niedrigen Nachfrage relativ gering aus: von Januar bis Oktober 2007 belief sie sich auf 3,8 Millionen Liter (2006: 2,4 Mio. Liter). Dennoch sind die Branchenvertreter für die Zukunft optimistisch gestimmt und gehen von einer kräftig anziehenden Nachfrage aus. Anlagen zur Herstellung von Ethanol aus Biomasse gibt es derzeit nicht in Taiwan, jedoch befinden sich zwei, jeweils mit einer Kapazität von 100 Millionen Liter pro Jahr in Planung. Als Ausgangsstoffe sind dort Zuckerrohr, Sorghum und Melasse ins Auge gefasst.

Gefördert werden Produktion und Einsatz von Biokraftstoffen durch die Freistellung von der Commodity Tax und der Air Pollution Control Fee sowie durch Subventionen für Demonstrationsprogramme.

Taiwan Photovoltaic Industry Association (TPVIA)

Tel.: 886 3 591 6307

Fax: 886 3 561 0243

Email: chenjs@itri.org.tw

Wind & Solar Thermal Lab im Industrial Technology Research Institute (ITRI)

Energy & Environment Research Laboratories

Tel.: 886 3 591 4336

Fax: 886 3 591 0243

Email: wenjyh@itri.org.tw

New Energy Technology Division im ITRI

Energy & Environment Research Laboratories

Tel.: 886 3 591 6293

Fax: 886 3 582 0230

Email: htlee@itri.org.tw

Deutsches Wirtschaftsbüro Taipei (DWB)

Andreas Gursch (Umweltareamanager)

Tel.: 886 2 2506 9028

Email: service@dwb-taipei.org.tw

Web: www.dwb-taipei.org.tw





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