
Thailand gilt als traumhaft schönes Urlaubsland - etwa 500.000 Deutsche jährlich geniessen dessen Vorzüge. Zudem ist das südostasiatische Land wirtschaftlich ein Schwellenland und lange kein Entwicklungsland mehr. In Schwellenländer exportiert man oft zunächst Kapitalgüter, etwa Maschinen und Anlagen. Regelmässig unterschätzt wird jedoch Thailand als grosser Absatzmarkt für Konsum- und Luxusgüter, sowie als wichtiges Herkunftsland für hochwertige Touristen nach Deutschland.
Dies beginnt damit, dass die Wirtschaft grösser ist, als oft angenommen, nämlich bereits Nummer 21 aller Länder. Thailands Wirtschaftswachstum ist insgesamt stabil und im Rahmen der, bereits einige Jahre alten, Langfristvoraussage der Deutschen Bank von durchschnittlich bis 2020 je plus 4,5 Prozent (dies entspricht Platz 4 der Wachstumsgeschwindigkeit im Vergleich der 32 größten Volkswirtschaften). Ein nicht einfaches Jahr 2007 wurde immerhin mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 4,8 Prozent beendet. Die Exporte spurteten 2007 mit Plus 18 Prozent voran und bewiesen damit ? gegen alle Unkenrufe im Bezug auf den Außenkurs der thailändischen Währung Baht ? die zugrundeliegende Stärke der Exportindustrie. Ausländische Direktinvestitionen erreichten 2007 neue Rekordwerte von über 500 Milliarden Baht (fast 11 Mrd. Euro, 1 Euro = 45,80 Baht, 3-Monatsmittel Interbankenkurs) , eine knappe Verdopplung gegenüber 2006. Die erfreulichen Nachrichten gelten auch für die beiderseitigen Wirtschaftsbeziehungen. Der bilaterale Handel durchbrach erstmals die symbolische 5 Milliarden Euro-Marke und schoss auf 5,6 Milliarden Euro. Deutsche Investitionen in Thailand entwickeln sich ebenso positiv. Mit 142 Millionen Euro erreichten sie vergangenes Jahr einen langjährigen Höchststand.Prognosen für Thailands Bruttoinlandsprodukt (BIP) in 2008 werden nach oben korrigiert und liegen nun bei etwa Plus sechs Prozent. Die tatsächlichen Zahlen liegen erst für den Monat Januar 2008 vor, was die Voraussagekraft einschränkt. Dennoch sprechen 34 Prozent höhere Exporte, 40 Prozent mehr Gesamtimporte und 29 Prozent gestiegene Kapitalgüterimporte eine deutliche Sprache über eine Wirtschaft in voller Fahrt.Was exportiert Thailand? Weiterhin stark sind etwa Elektrik und Elektronik, Datenverarbeitung sowie Büroausstattungen, Landwirtschafts- und Fischereiwaren, Textilien, Gummiprodukte, sowie Schmuck und Juwelen. Diese Industriezweige sprechen größtenteils getrennte Weltmarktsegmente an, bringen Menschen in diversen Landesteilen sowie mit unterschiedlicher Bildung in Arbeit und schaffen durch diese Vielfalt große Krisensicherheit. Hinzu kommt die Automobil- und -zulieferindustrie. Thailand ist bereits der zwölft größte Automobilbauer der Welt. Alleine die seit dem Dezemberquartal 2007 verkündeten Investitionsprojekte in dieser Branche zeigen, wie rasant diese Entwicklung voran geht (Ford/Mazda: 500 Mio. US$; Honda: 380 Mio. US$; Suzuki: 287 Mio. US$). Die stärkste Nachfrage gilt den Kapitalgütern. Aus Deutschland werden Maschinen und Anlagen, Chemie, Biochemie und Plastik, Elektrik und Elektronik, Metallprodukte sowie nicht zuletzt Autos importiert. Interessante Stichworte sind etwa Druck- und Verpackungsindustrie, sowie (nicht nur erneuerbare) Energien.Die deutsche Industrie hat sich lange ? und geraume Zeit nicht fehlerhaft ? fast ausschliesslich auf diese Kapitalgüterschwerpunkte im Export nach Thailand konzentriert. Heute springt man hiermit jedoch deutlich zu kurz. Dies fällt zunächst denjenigen auf, die mit etwa zehn Jahren Abstand wieder nach Bangkok kommen, oder. vor ihrem geistigen Augen zurück denken. Unter der Oberfläche, bei den Grundannahmen, mag die Kultur des Landes in weiten Teilen beständig sein. Die Artefakte der Kultur sind jedoch an mancher Stelle weitgehend anders. Neue schicke Wohnhochhäuser sind regelmäßig im Bau. Kaufpreise von 2.000 bis 4.000 Euro pro Quadratmeter werden hierfür gefordert und bezahlt. Die Nachfrage kommt teilweise aus dem Ausland, aber ebenso von einer jüngeren Generation gutsituierter Thais, für die städtisches Leben in Eigentumswohnungen, anders als für die Generation vorher, schick geworden ist. Moderne Hoch- und U-Bahnen (mit weiteren Ausbauplänen) durchziehendas Zentrum. Um die Mittagszeit in Bangkoks Innenstadtstrassen konnte man vor zehn Jahren Gruppen von Frauen in quitschgelben oder schrillrosa Kostümen zur Mittagspause gehen sehen. Weitgehend sind solche einheitlichen Bürouniformen inzwischen verschwunden und durch individuelle schicke Kleidung ersetzt. Diese Beobachtung führt automatisch in die Einkaufszentren und diese sind - in der Tat - ein Augenöffner. Die wichtigsten Kaufhäuser waren entweder im Vergleichszeitraum noch nicht vorhanden (z.B. das einem singapurischen Unternehmen gehörende Siam Paragon: 500.000 m2 groß, mit 3D-Kino-Komplexen und dem größten Aquarium Südostasiens), oder nicht in der heutigen Ausbauform zu bewundern (etwa Central World mit 550.000 m2 Fläche).Zentrale Bereiche der Einkaufslandschaften sind über Brückenkomplexe untereinander und mit den Hochbahnstationen verbunden. Stellenweise wirkt im Vergleich Südostasiens seitherige Einkaufsmetropole, Singapurs Orchard Road, zwar noch immer anziehend, aber fast schon hausbacken.Auch in den Provinzen verändert sich die Einkaufswelt. Anteil hieran haben, neben den etablierten Kaufhausketten, die sogenannten ?Discount Stores?, deren Wachstumsgeschwindigkeit rapide ist und deren Anteil importierter Ware im Gleichklang zunimmt. Während dies zum Teil anekdotische Beobachtungen sind, kann man die Ursachen hierfür klar in Zahlen festmachen. So ist die durchschnittliche Kaufkraft der Bevölkerung pro Person (berechnet in Purchasing Power Parity, PPP) von 1997 bis 2007 um 34 Prozent gestiegen. Dies ist prozentual weit höher als etwa bei den südostasiatischen Vergleichskandidaten Malaysia sowie Singapur und kommt in Thailand ? wo die Grundbedürfnisse für den größten Bevölkerungsteil auch 1997 schon gedeckt waren ? fast durchgehend dem Konsum und der Reiselust zugute.Schon längerfristig gehört der massive Abbau der Armut zu den Zielen, denen sich die Regierungen verschrieben haben ? von 27 Prozent anno 1990 auf mittlerweile unter 10 Prozent. Weiterhin entwickeln sich auch Lebenserwartung, Bildung und viele andere Bereiche positiv. Unterschiede zwischen reich und arm nehmen ab und sind im internationalen Vergleich weniger bedrückend als in Nachbarstaaten wie Malaysia oder China. Thailand hat Werte zur Einkommensverteilung ? gemessen im GINI-Koeffizienten ? die etwa Singapur oder den USA entsprechen. (Details hierzu gibt es beim United Nations Development Programme, UNDP).Die Zunahme der Konsumgüterimporte als Folge der Kaufkraftsteigerung lässt sich beeindruckend an Zahlen einzelner Untergruppen zeigen. Thailand hat seine Lebensmittelimporte in den sieben Jahren seit 2000 mehr als verdoppelt. Importe deutscher Lebensmittel haben vergleichbaren Erfolg in nur zwei Jahren von 2005 bis 2007 erreicht. Alleine der letztjährige Zuwachs gegenüber 2006 betrug 44 Prozent (Gesamtsumme 86 Mio. Euro). Importe von Wein entwickeln sich 2007 insgesamt und aus Deutschland sehr gut. Deutsche Weine hatten vor 2007 entgegen dem starken Markttrend jedoch schwache Jahre. Inzwischen ist der Rebensaft aus Deutschland auf dem richtigen Weg und dürfte bis 2010 von derzeit ein Prozent Marktanteil auf mindestens drei bis vier Prozent zunehmen. Der Gesamtimport von Textilien aller Herkunftsländer nach Thailand hat sich seit 1990 beinahe verdoppelt, alleine von 2006 auf 2007 betrug die Wertsteigerung 16 Prozent. Deutlich unterhalb der Gesamtentwicklung blieben hingegendie Bekleidungseinfuehren aus Deutschland. Zwar legten der Importvolumina über die Jahre seit 2005 jeweils um 8 Prozent zu (2007: 35 Mio. Euro), dennoch ist dieser Zuwachs deutlich unterhalb der Gesamtentwicklung. Hier kann die deutsche Textilindustrie mehr erreichen. Viele andere deutsche Konsumgüter erfreuen sich ebenso steigender Nachfrage: Küchen, Bäder, Beschläge, Messer, Glas, Schmuck, Uhren und viele weitere Beispiele. Für 2008 weisen die ersten Zahlen auf immer noch schneller ansteigende Importe von Konsumgütern, mit Zuwachs im Januar 2008 um 55 Prozent (!).Thailändischer Auslandstourismus wird oft unterschätzt. Über die letzten Jahre stieg die Zahl der international reisenden Thais pro Jahr zwischen 0,3 und 0,5 Millionen Personen, mit 2007 von beinahe vier Millionen thailändischer Touristen. Deutschland ist wichtigstes Reiseziel ausserhalb der direkten ostasiatischen Nachbarschaft (in 2007 entwickelt sich allerdings Grossbritannien stärker. Deutsches Tourismusmarketing ist mithin dringend). Thais sind in Deutschland die drittwichtigste asiatische Herkunftsgruppe (nach Japanern und Chinesen) mit etwa 750.000 Übernachtungen pro Jahr. Schicke Hotels, gutes Essen, Kultur von Barock bis Automobilmuseum, sowie Suche nach neuen Zielen, etwa Schlosshotels, gehören zum Nachfrageprogramm des thailändischen Mittel- und Oberschichttourismus.Die vom 13. bis 16. November 2008 in Bangkok stattfindende ?Germany: Lifestyle & Travel '08?, ist die erste deutsche Messe die gezielt Konsumgüter sowie Reisen nach Deutschland auf dem thailändischen Markt fördert. Gleichzeitig, aber dennoch klar getrennt, findet das ?German Technology Symposium & Exhibition GTS '08? statt. Bei der GTS '08 stehen seit 1985 im Dreijahresrhythmus deutsche Kapitalgüter im Vordergrund. Die "Lifestyle & Travel" wird im schicken, neuen "Centara Grand & Bangkok Convention Center" stattfinden. Dieses Messezentrum ist mit dem großen Einkaufszentrum CentralWorld verbunden und eröffnet damit viele Möglichkeiten von Marketingpartnerschaften im Konsumgüterbereich. Der Anmeldestand beider Messen ist bereits hoch. Wichtiger Aussteller ist die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT). Nähere Informationen finden Sie im Web: www.gts08.org/germanylifestyle sowie per Email von leipold@gtcc.org.Deutsch-thailändische Auslandshandelskammer (GTCC)25. Fl, Empire Tower 3195 South Sathorn RoadBangkok 10120 / ThailandTel.: 66 2670 0600Fax: 66 2670 0601Web: www.gtcc.orgEmail: gtcc@gtcc.org