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Auf dem vietnamesischen Stahlsektor zeichnet sich eine Überhitzung ab. Die Importe von Stahl- und Stahlerzeugnissen sind jüngst nach oben geschnellt, da alle wichtigen Nachfragesektoren mit zweistelligen Zuwachsraten aufwarteten.
Dabei kommt die Branche von zwei Seiten unter Druck: Weltweit stark steigende Preise bei gleichzeitig dynamischem Inlandsbedarf. Kurzfristig wird sich die Situation kaum entspannen, da das Land über viel zu wenig eigene Produktionskapazitäten verfügt und die Weltmarktpreise eher nach oben zeigen. Der vietnamesische Stahlsektor befindet sich in einer Boomphase. Die Nachfrage aus den Sektoren Bau, Maschinen, Schiffsbau, Infrastruktur und Kraftfahrzeuge ist dermaßen in die Höhe geschossen, dass von einer Überhitzung gesprochen werden muss. Schon 2007 waren die Eisen- und Stahleinfuhren des Landes stark gestiegen, was mit dazu beigetragen hat, dass im gesamten Außenhandel ein Rekorddefizit eingefahren worden war. In den ersten zwei Monaten des laufenden Jahres sind nun die Auslandsbezüge im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum explodiert - mengenmäßig um 129,4 Prozent auf 2.149 Millionen Tonnen, wertmäßig sogar um 183,4 Prozent auf 1.468 Millionen US-Dollar. Beobachter halten es für wahrscheinlich, dass im Gesamtjahr 2008 Branchenimporte von mehr als 10 Milliarden US-Dollar getätigt werden. Dass die eigenen Produktionskapazitäten bei weitem nicht ausreichend sind, liegt dagegen auf der Hand. So wird der Bedarf für 2007 auf 8,5 Millionen Tonnen Stahl geschätzt (+20% im Vergleich zum Vorjahr). Die Einfuhren beliefen sich aber schon auf 7,7 Millionen Tonnen, so dass rein rechnerisch die Jahresproduktion gerade mal 0,8 Millionen Tonnen erreicht. Dabei leidet das Land ohnehin schon über die weltweit stark anziehenden Stahlpreise. Die Zukunft wird keine Erleichterung schaffen, da sich die großen Stahlhersteller mit den wichtigsten Erzlieferanten auf eine Steigerung der Abnahmepreise für diesen Rohstoff um 65 Prozent zum 1.April 2008 geeinigt haben. Darüber hinaus hat der traditionell mit Abstand bedeutendste Stahllieferant für Vietnam, die Volksrepublik China, die Exportzölle auf verschiedene Stahlerzeugnisse auf 25 Prozent erhöht und auf andere in gleicher Höhe eingeführt. Knappheiten am Markt bestehen in allen Sektoren: Stahlknüppel, Stahlblöcke, Flach- sowie Walzstahl. Trotz großer Anstrengungen im Verlauf der letzten Jahre ist es Vietnam bislang nicht gelungen, die hohe Abhängigkeit von ausländischen Lieferungen zu verringern. Auf die prekäre Situation hat die Regierung nun reagiert und Ende 2007 einen Stahlentwicklungsplan 2007 bis 2025 vorgelegt, der allerdings nur in Teilen bekannt ist. So sollen bis 2025 insgesamt bis zu 12 Milliarden US-Dollar in den Sektor gepumpt werden. Die Planung sieht prioritäre Investitionen für eine Reihe von Projekten und Standorten vor, darunter zwei Stahlkomplexe im Norden der Provinz Lao Cai und in Zentral-Ha-Tinh. Die Planung für das Vorhaben in Zentral-Ha-Tinh sind offensichtlich schon weiter vorangeschritten. Wie Pressemeldungen zu entnehmen ist, will die taiwanische Formosa Heavy Industries mehr als 6,6 Milliarden US-Dollar in den Bau eines Stahlwerkes (Vung Ang) sowie in die Errichtung eines Seehafens (Son Duong) pumpen. Formosa Heavy Industries soll dabei 95 Prozent der Anteile halten, Sunsteel Corp. (ebenfalls Taiwan) die restlichen 5 Prozent. Die Machbarkeitsstudie beabsichtigt Formosa Heavy Industries bis Ende März abgeschlossen haben. Dem Vernehmen nach soll das Werk - in das allein 6 Milliarden US-Dollar investiert werden - eine Jahreskapazität von 7,5 Millionen Tonnen Stahl und -erzeugnissen ins Visier genommen werden, darunter Stahlknüppel, Walzstähle und Stahlbleche. In der Startphase (2011) soll das benötigte Erz importiert werden, später dürfte der Rohstoff vor allem aus Ha Tinh kommen, da im dortigen Thach-Khe-Lager Erze im Volumen von geschätzt 540 Millionen Tonnen abgebaut werden sollen. Ein zweites Großprojekt in der Economic Zone von Vung Ang ist ebenfalls in der Planung. Die Vietnam Steel Corporation (VSC) plant, gemeinsam mit dem indischen Stahlgiganten Tata einen Komplex mit einer Jahreskapazität von 4 Millionen Tonnen zu errichten. Die Durchführbarkeitsstudie wird gegenwärtig erstellt, wie die Presse berichtet. Das Projekt hat ein Investitionsvolumen in Höhe von 3,5 Milliarden US-Dollar. Unterdessen wird angesichts der Unüberschaubarkeit der vietnamesischen Stahlbranche- es sind offensichtlich zu viele Projekte mit allen möglichen ausländischen Partnern auf dem Wege - auch Kritik am Entwicklungsplan laut. So hält die VSA die bislang genehmigten Projekte für völlig ausreichend, wolle man Überkapazitäten vermeiden.