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Obgleich die wirtschaftliche Entwicklung Bangladeschs durch die Überschwemmungen Ende 2007 und die nach wie vor instabile politische Lage abgebremst wurde, dürfte das Bruttoinlandsprodukt dennoch im laufenden Finanzjahr real um 5 Prozent zulegen. Wachstumsmotor ist der Industriesektor, insbesondere die Textilbranche. Auch der Schiffbau und die Nahrungsmittelverarbeitung verzeichnen erste Erfolge und ziehen ausländische Investoren an. Interessante Beteiligungschancen bieten zudem große Infrastrukturprojekte.
Die Dynamik der bangladeschischen Wirtschaft hat sich nach einem viel versprechenden Start in der zweiten Hälfte des Finanzjahres 2007/08 (1.7. bis 30.6.) wieder abgeschwächt. Vor allem der Agrarsektor leidet nach wie vor unter den Folgen des Wirbelsturms "Sidr" sowie zweier Flutkatastrophen im Herbst 2007. Angesichts dessen rechnet die Asian Development Bank mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 5 Prozent (FY 2006/07: +7 Prozent). Zudem wird die Konjunktur nach Einschätzung des bangladeschischen Fachinstituts "Centre for Policy Dialogue" (CPD) von der instabilen politischen Situation gebremst. Zwar hat die Übergangsregierung eine Reihe wirtschaftlicher Reformen angeschoben und beim Kampf gegen die Korruption erste Erfolge erzielen können. Dennoch halte die Verunsicherung bei den Unternehmen über den künftigen politischen Kurs an, was sich insbesondere in der zurückhaltenden Investitionstätigkeit wiederspiegelt. Die privaten Investitionen sanken im 1. Quartal 2007/08 um knapp 2 Prozent. Sollten die für Ende 2008 geplanten Parlamentswahlen eine dauerhaft stabile Regierung hervorbringen, dürften auch die Aktivitäten der Privatwirtschaft wieder Fahrt aufnehmen, so die Einschätzung des CPD. Die ausländischen Direktinvestitionen verzeichneten im betrachteten Zeitraum allerdings ein Plus von 11 Prozent auf 263 Millionen US-Dollar. Ob die bereits für 2006/07 anvisierten Nettozuflüsse in Höhe von 1 Milliarde US-Dollar im laufenden Finanzjahr realisiert werden können, wird von den Analysten des CPD bezweifelt. Unter der geringen Investitionstätigkeit leidet vor allem die verarbeitende Industrie. Der Output sank im 1. Quartal 2007/08 um 1 Prozent, was in erster Linie auf die schwache Performance des Textil- und Bekleidungssektors zurückzuführen ist. Dieser macht rund zwei Drittel der bangladeschischen Industrieproduktion aus. Auch hier halten sich die Unternehmen derzeit mit Investitionen zurück. Zudem verteuert der gegenüber dem US-Dollar gestiegene Taka die Exporte in die USA, die zu 90 Prozent aus Textilien und Bekleidung bestehen und zu einen Absatzrückgang bei den einheimischen Herstellern geführt hat. Die Regierung ist bemüht, die Abhängigkeit der Wirtschaft von den Textil- und Bekleidungsexporten zu verringern und versucht, mögliche Wachstumsbranchen gezielt zu fördern. Hierzu zählen die Nahrungsmittelverarbeitung, Informations- und Kommunikationstechnik, Elektronik und Elektrotechnik, die Kfz-Zulieferindustrie sowie die Chemie und Pharmabranche. Durch die Errichtung weiterer "Export Processing Zones" sollen vor allem ausländische Investoren angelockt werden. Bislang gibt es acht Sonderwirtschaftszonen, weitere zehn sind geplant. Für das laufende Finanzjahr rechnet die Bangladesh Export Processing Zones Authority (BEPZA) mit einem Ausfuhrvolumen von 2,5 Milliarde US-Dollar, ein Plus von rund 25 Prozent. Ein Industriezweig, der nach Einschätzung von Marktbeobachtern ein hohes Wachstumspotential birgt, ist der Schiffbau. Zuletzt konnten einheimische Werften Aufträge über den Bau von drei mittelgroßen Frachtschiffen aus Deutschland, Dänemark und den Niederlanden an Land ziehen. Die Projekte stellen nach Einschätzung des Board of Investment (BOI) den Lackmustest für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Branche dar. Sollten die Schiffe termingerecht und in der geforderten Qualität ausgeliefert werden, könnte sich Bangladesch als Standort für den Schiffbau etablieren, so die Einschätzung von Kamaluddin Ahmad, Executive Chairman im BOI. Bangladesch ist bei Kapitalgütern weiterhin auf Importe angewiesen. Deutschland zählt bei Maschinen und elektrotechnischen Erzeugnissen zu den Hauptlieferländern. Allerdings verzeichneten die deutschen Exporte 2007 einen Rückgang um fast 30 Prozent auf 216 Millionen Euro. Auch die bangladeschischen Ausfuhren nach Deutschland, die zu 90 Prozent aus Textilien und Bekleidung bestehen, gingen um knapp 5 Prozent zurück. Deutsche Unternehmen exportierten 2007 Maschinen und Anlagen im Wert von 76 Millionen Euro (-28%), chemische Erzeugnisse im Wert von 54 Millionen Euro (+2,9%) sowie elektrotechnische Ausrüstung im Wert von 47 Millionen Euro (-25%). Sollte die Investitionstätigkeit der Unternehmen an Fahrt gewinnen, dürfte auch die Nachfrage nach Kapitalgütern wieder steigen, so eine Prognose des CPD. Investitions- und Beteiligungschancen bieten auch die geplanten Infrastrukturmaßnahmen der bangladeschischen Regierung. Modernisierungsbedarf besteht vor allem beim Straßennetz und bei den Häfen. Darüber hinaus muss das Telekommunikationsnetz ausgebaut werden, denn die Zahl der Mobiltelefonnutzer steigt sowohl in den Ballungsgebieten als auch auf dem Land. Priorität genießt die Verbesserung der Energieversorgung. Der Bedarf des Landes wird zu drei Vierteln aus Gaskraftwerken gedeckt. Die Förderung in der Bucht von Bengalen wird nach Einschätzung der Weltbank ab 2015 kontinuierlich abnehmen, wenn bis dahin keine neuen Gasvorkommen erschlossen werden. Zudem müssen in den nächsten Jahren veraltete Kraftwerke modernisiert und neue errichtet werden. Die technische Erzeugungskapazität beträgt laut Ministry of Energy and Mineral Resources derzeit rund 5 GW. Bis 2012 soll diese auf 8 GW und bis 2025 auf knapp 18 GW steigen, so die Pläne der Regierung. In den nächsten Monaten werden die Ausschreibungen über den Bau von acht Gaskraftwerken mit Leistungen zwischen 50 und 450 MW veröffentlicht. Darüber hinaus muss das Stromübertragungs- und -verteilungsnetz ausgebaut werden. Etwas besser sieht es bei den ausländischen Direktinvestitionen aus. Diese verzeichneten im betrachteten Zeitraum ein Plus von 11 Prozent auf 263 Millionen US-Dollar. Ob die bereits für 2006/07 anvisierten Nettozuflüsse in Höhe von 1 Milliarden US-Dollar im laufenden Finanzjahr realisiert werden können, wird von den Analysten des CPD dennoch bezweifelt. Auch im letzten Finanzjahr gingen die Investitionen aus dem Ausland - trotz eines viel versprechenden Starts - auf das Gesamtjahr gesehen um rund 6 Prozent auf 793 Millionen US-Dollar zurück. Einzig der Öl- und Gassektor sowie die Telekommunikationsbranche verzeichneten ein Plus. Dies sind auch die Branchen, die absolut gesehen die meisten Direktinvestitionen verbuchen konnten. Dabei sind die Investitionsbedingungen in Bangladesch laut Weltbank im internationalen Vergleich gar nicht so schlecht. In der aktuellen Auflage der jährlich erscheinenden Studie "Doing Business" belegt Bangladesch Rang 107 und schneidet damit besser ab als sein Nachbar Indien, das 13 Plätze dahinter rangiert. In der Kategorie Investorenschutz liegt das Land sogar weltweit in der Spitze. Innerhalb der Gruppe der 51 "Low Income" Länder belegt Bangladesch Rang 10. Die Weltbankstudie identifiziert aber auch die Hauptprobleme für Investoren in Bangladesch. Zwar benötigt ein Unternehmen für die Unternehmensgründung nur acht Genehmigungen und damit weniger als in Pakistan oder Indien. Allerdings ist der Zeitaufwand für das Verfahren mit durchschnittlich 74 Tagen um ein Vielfaches höher als in Pakistan (24 Tage) und Indien (33 Tage). Laut Weltbank ist die ineffiziente bangladeschische Bürokratie der Hauptgrund für diese Diskrepanz. Denn die wenigsten Behörden seien miteinander vernetzt und viele Verwaltungsschritte erfolgten noch nicht auf elektronischem Wege, so ein Analyst der Weltbank in Dhaka. Um den Standort Bangladesch für ausländische Investoren attraktiver zu machen, hat die Regierung bereits in den 80er Jahren die ersten Exportförderzonen gegründet. Inzwischen gibt es acht "Export Processing Zones" (EPZ), in den nächsten Jahren sollen weitere zehn hinzukommen. Bislang wurden laut Bangladesh Export Processing Zones Authority (BEPZA) zwei genehmigt, die bis Ende 2009 den Betrieb aufnehmen dürften. Bei den EPZ handelt es sich um Mischzonen, in denen sich überwiegend Unternehmen aus der Textil- und Bekleidungsindustrie aber auch anderen Branchen wie der Kfz-Zulieferindustrie und der Informations- und Telekommunikationstechnik (ITK) angesiedelt haben. Laut BEPZA stammen die meisten Investoren aus Japan, Südkorea und der Volksrepublik China. Die Behörde möchte künftig verstärkt Unternehmen aus Europa für eine Ansiedlung in den bangladeschischen Exportförderzonen gewinnen. Zudem soll sich der Branchenmix zugunsten technologiegetriebener Sektoren wie Kfz, Elektronik, Nahrungsmittelverarbeitung und ITK verschieben. Auch Ansiedlungen von Dienstleistungsbranchen wie Business Process Offshoring (BPO) oder Software-Entwicklung sollen stärker gefördert werden, so der BEPZA-Vorsitzende Ashraf Abdullah Yussuf. Die Behörde überlegt derzeit, ob die Gründung neuer EPZ künftig gemeinsam mit ausländischen Investoren im Rahmen von Public Private Partnership finanziert werden sollen. Bislang ist die BEPZA der einzige Betreiber der Exportförderzonen und für den Aufbau und die Bereitstellung der Infrastruktur zuständig. Investoren müssen je nach Region zwischen 1,00 und 2,75 US-Dollar Miete pro Monat für 1 m2 Grundstück, Fabrikhalle und Lagerhalle zahlen. Hinzu kommen die Kosten für Wasser, Gas und Strom. Die durchschnittlichen Monatsgehälter liegen laut BEPZA je nach Qualifizierungsgrad zwischen 20 und 60 US-Dollar. Im Gegenzug erhalten die Investoren eine Reihe fiskalischer und nicht-fiskalischer Vergütungen. Darunter eine zehnjährige Steuerbefreiung auf Unternehmensgewinne, die zollfreie Ein- und Ausfuhr von Maschinen, Vorprodukten und Rohstoffen sowie die vollständige Repatriierung von Gewinnen und Dividenden. Zudem dürfen 10 Prozent der Produktion auf dem lokalen Markt abgesetzt werden. Im Finanzjahr 2006/07 lag das Exportvolumen der bangladeschischen EPZ bei 2,1 Milliarden US-Dollar. Für das laufende Finanzjahr rechnet die BEPZA mit einem weiteren Anstieg auf 2,5 Milliarden US-Dollar. Die Investitionen ausländischer Unternehmen innerhalb der EPZ verzeichneten im 1. Halbjahr 2007/08 ein Plus gegenüber der Vorjahresperiode von 135 Prozent. Deutsche Botschaft 178 Gulshan Avenue Dhaka 1212 / Bangladesh Tel.: 880 2 8853521-4 Fax: 880 2 8853260 Email: aadhaka@citech-bd.com Web: www.dhaka.diplo.de Botschafter Frank Meyke Wirtschaftsreferent Holger Fraider Bangadesh German Chamber of Commerce & Industry (BGCCI) 1. Floor, House 53, Road 10 Block E, Banani Dhaka 1213 / Bangladesh Tel.: 880 2 8826480, 880 2 8824858 Fax: 880 2 8824858 Mobile: 880 1713002611, 880 1711421104 Email: info@bgcci.org.bd, bgccibd@yahoo.com Web: www.bgcci.org.bd Board of Investment Ansprechpartner und Executive Chairman: Kamaluddin Ahmad Jiban Bima Tower, 10 Dilkusha C/A Dhaka 1000 / Bangladesh Tel.: 880 2 9559378 Fax: 880 2 9562312 Email: ecboi@bdmail.net Web: www.boi.gov.bd Bangladesh Export Processing Zones Authority (BEPZA) Ansprechpartner: Brig. Gen. Ashraf Abdullah Yussuf House 19/D, Road 6, Dhanmondi R/A Dhaka / Bangladesh Tel.: 880 2 9670530 Fax: 880 2 8650060 Email: chairman@bepza.org Web: www.epzbangladesh.org.bd