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Asien Kurier 5/2008 vom 1. Mai 2008
China

Wassermarkt braucht Technologie

Von Corinne Abele (gtai)

Chinas Wasserver- und -entsorgung bedarf angesichts komplexer Probleme gewaltiger zusätzlicher Investitionen. Auch die Industrie gerät immer stärker unter Druck. Ihre Ausgaben für den Umweltschutz steigen. Stärker als bisher müssen nicht nur Abwasserreinigung und Trinkwasseraufbereitung, sondern auch Gewässerschutz und -kontrolle sowie Wassereinsparungen adressiert werden. Ausländische Technologien sind gefragt, ausländische Investitionen in der Regel willkommen.

Die hohe Wasserverschmutzung sowohl des Oberflächen- wie auch des Grundwassers brennt China unter den Nägeln. Rund die Hälfte der Flussläufe sind belastet und teilweise nicht mehr zur Bewässerung zu verwenden. Das durch den Drei-Schluchten-Damm geschaffene Reservoir gilt nach wie vor durch die starke Verschmutzung der zuleitenden Nebenflüsse als gefährdet. Und auch das weltweit größte Wasserumleitungsprojekt aus Südchina in den trockenen Norden erfordert erhebliche Investitionen in die Abwasserreinigung. Hinzu kommt angesichts übernutzter Wasserreserven und steigender Verschmutzung der Druck, Wasser einzusparen.

Nach Einschätzung des Bauministeriums dürfte sich Chinas gesamter Investitionsbedarf im Wassersektor innerhalb des elften Fünfjahresprogramms (2006 bis 2010) auf rund 1.000 Milliarden Renminbi Yuan (knapp 93 Mrd. Euro; 1 Euro = 10,80 Renminbi; 3-Monatsmittel Interbankenkurs) belaufen. Davon entfällt jeweils ungefähr ein Drittel auf Wasserqualität, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Andere Quellen sprechen davon, dass von insgesamt 1.300 Milliarden Renminbi für Umweltinvestitionen etwa 640 Milliarden in den Wasserbereich fließen dürften.

Gemeinsam ist beiden Zahlen, dass maximal die Hälfte der gewaltigen Summe von Regierungsseite bereit gestellt werden kann. Die andere Hälfte sollen private Investoren schultern. Dies hat zu zahlreichen Formen von Public Private Partnership (PPP) geführt. Neben traditionellen BOT- Projekten (build, operate, transfer) gewinnen vor allem im Bereich Wasserversorgung zeitlich beschränkte Modelle für Gemeinschaftsunternehmen (time-bound divestiture/JV Modell) an Bedeutung.

Ausländische Investoren sind seit Öffnung des städtischen Versorgungsmarktes willkommen. Sowohl für den Bau und Betrieb von Wasserwerken, Entsalzungsanlagen sowie Anlagen zur Behandlung und Wiedernutzung industrieller Abwässer bestehen gemäß des "Catalogue for the Guidance of Foreign Investment Industries" für ausländische Investoren keine Einschränkungen. Der Bau und Betrieb eines Rohrnetzes zur Ver- und Entsorgung ist hingegen beschränkt und erfordert ein Minderheits-Joint Venture mit einem lokalen Partner.

Vor diesem Hintergrund überraschen die zahlreichen internationalen Aktivitäten im Wassersektor nicht. Am aktivsten ist Frankreichs Veolia Environment, das nach eigenen Angaben bis Anfang März 2008 in China 23 Verträge mit Kommunen (darunter Haikou, Lanzhou und Tianjin) unterzeichnet hat. Ebenfalls sehr engagiert ist Sino-French Water Development, ein Joint Venture zwischen Suez und seinem Hongkonger Partner New World Development.

Obwohl generell willkommen, ist das internationale Engagement jüngst Gegenstand einer Studie der China Urban Water Supply Association in Zusammenarbeit mit der "National Development & Research Commission" (NDRC) geworden. Kritisiert wurden dabei die zu günstige Konditionen bei zu geringer Eigenverpflichtung für ausländische Investoren.

Als einzige deutsche Betreiberfirma ist bislang Berlinwasser aktiv. Ansonsten sind deutsche Unternehmen als Lieferanten von Kläranlagenausstattung, Messgeräten, Filteranlagen, Reinigungs- und Aufbereitungstechnologien, Automation und Chemikalien präsent. Nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens Freedonia dürfte auf China allein ein Viertel des weltweiten Filterbedarfs (inklusive der im Wassersektor eingesetzten) bis zum Jahr 2011 entfallen.

Zunehmend sieht sich auch die Industrie zu Investitionen gezwungen. Rund 15 Milliarden Renminbi investierten laut dem "China Statistical Yearbook" Unternehmen 2006 in die Behandlung ihrer Abwässer und damit rund 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Seit 2003 liegt die Position hinter den Ausgaben zur Vermeidung industrieller Abgase an zweiter Stelle industrieller Umweltschutzausgaben.

Auch die Verbesserung der Kontrollsysteme der Wasserqualität sorgt für zusätzlichen Bedarf. Allein die Erweiterung der Water Quality Monitoring Stations (WQMS) dürfte Expertenmeinungen zufolge einen jährlichen Investitionsbedarf von rund 200 Millionen Renminbi schaffen. Darüber hinaus baut die State Environment Protection Administration (SEPA) ihre Onlinekontrolle im Abwasserbereich großer industrieller Verschmutzer aus. Ende 2006 standen über 6.000 Firmen auf der schwarzen Liste der Behörde. Künftig sollen mehr Parameter geprüft werden als bislang. Der Markt für Online-Umweltmesstechnik-Instrumenten (EOMI - Environmental Online Monitoring Instruments) dürfte nach Einschätzung von Experten jährlich um über 10 Prozent steigen. Auch die Anhebung der Standards für Trinkwasser und deren schrittweise landesweite Umsetzung bis 2012 erfordert den Einsatz verbesserter Messtechnik.

Um gegenüber dem qualitativ und quantitativ wachsenden lokalen Angebot konkurrenzfähig zu bleiben, produziert eine steigende Anzahl ausländischer und auch deutscher Unternehmen vor Ort. Dies gilt im Bereich chemischer Einsatzstoffe (wie Flockungs- und Koagulationsmittel) genauso wie bei Pumpen und Messgeräte. Der Anteil ausländischer Produkte und Technologien in Chinas kommunalen Wasseraufbereitungs- und Kläranlagen (ohne Chemikalien) lässt sich kaum schätzen. Brancheninsider gehen von 15 bis 30 Prozent aus.

Obwohl Bau und Betrieb kommunaler Wasseraufbereitungs- sowie Kläranlagen nach Ansicht ausländischer Experten zumindest Chinas "Bidding Law" folgen sollten, bleibt die Ausschreibungspraxis für internationale und deutsche Firmen problematisch: Die Fristen sind häufig zu kurz, Designanforderungen auf nur wenige Anbieter zugeschnitten oder die Projekte werden in zahlreiche Unteraufträge zerschlagen. Letztere müssen dann teilweise nicht mehr öffentlich ausgeschrieben werden oder das Projektvolumen wird für ausländische Anbieter uninteressant. Darüber hinaus haben internationale Anbieter, wie auch in vielen anderen Bereichen, mit Lokalisierungstendenzen zu kämpfen.

Zunehmenden Bedarf an zuverlässiger (und damit häufig internationaler) Technologie meldet angesichts steigender Auflagen, Kontrollen und Haftungszahlungen die Industrie an. Insgesamt liegen deutsche Lieferanten gut im Rennen, nahezu alle Positionen wiesen 2007 zweistellige Zuwachsraten auf.

Ein weiteres großes Bedarfsfeld für internationale Technologie sind die sich anhäufenden Klärschlammberge, für deren Beseitigung es derzeit weder Gebühren noch sonstige staatliche Zuweisungen gibt. Bislang soll es lediglich einige Pilotprojekte der Co- und Monoverbrennung sowie der Trocknung von Klärschlamm geben. Seit längerem hoffen deutsche Technologieanbieter auf klare Rahmenbedingungen für die Klärschlammbehandlung und -entsorgung. Erste Schritte sind inzwischen getan.

Verschiedene Messen bieten die Möglichkeit, sich über neue Entwicklungen in den unterschiedlichen Segmenten von Chinas Wassermarkt zu informieren. Darüber hinaus nutzen deutsche Unternehmen diese zunehmend, um sich in dem dynamischen Markt zu präsentieren.





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