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Vietnam hat sich - insbesondere seit dem WTO-Beitritt des Landes - in den vergangenen Jahren zu einem attraktiven Markt für Arzneimittel gemausert. Eine große Bevölkerung mit 85 Millionen Einwohnern sowie steigende verfügbare Einkommen führen dazu, dass immer mehr Medikamente nachgefragt werden. Da die Eigenproduktion bislang nur rudimentär ist und sich im Wesentlichen auf einfachere Erzeugnisse beschränkt, muss der Großteil der Nachfrage über Importe gedeckt werden.
Der gesamte Markt für Arzneimittel wird von Beobachtern für 2007 auf etwa 1,5 Milliarden US-Dollar geschätzt, davon stammen circa zwei Drittel aus dem Ausland. Innerhalb der ASEAN-Gemeinschaft war Vietnam damit drittgrößter Importeur von Medikamenten nach Singapur und Thailand. Die Vietnam Pharmaceutical Companies Association (VPCA) erwartet, dass sich der Gesamtmarkt 2015 auf 2,4 Milliarden US-Dollar beläuft und 2020 etwa 3,5 Milliarden $ erreicht werden. Wie groß der Nachholbedarf des Landes ist, zeigen die Pro-Kopf-Einfuhren der Branche in Höhe von nur 11,1 US-Dollar. Es ist sehr wahrscheinlich, dass mit einem stark wachsenden BIP - für 2008 ist ein Zuwachs von real 7 Prozent prognostiziert - auch die Branchenimporte entsprechend zulegen. Damit sind die Zukunftsaussichten für ausländische Lieferanten sehr positiv. Dies zumindest legt die Entwicklung in Thailand und Malaysia nahe. Im Vergleich zu China (Import pro Kopf 2007: 3,0 US$) sowie Indien (2006/2007: 1,2 US$) sind die Einfuhren pro Kopf in Vietnam allerdings vergleichsweise hoch. Alleine 2007 haben die vietnamesischen Einfuhren von Arzneimitteln im Vergleich zum Vorjahr um über ein Viertel auf knapp 950 Millionen US-Dollar zugelegt, der höchste Zuwachs seit mehr als zehn Jahren. In den vergangenen fünf Jahren belief sich die durchschnittliche jährliche Steigerungsrate auf 17 Prozent. Größter Lieferant 2007 war, aufgrund gewachsener historischer Beziehungen, Frankreich, das 13,5 Prozent der vietnamesischen Auslandsbezüge in diesem Sektor stellte. Es folgte Indien (12,4 Prozent), die Volksrepublik China (10,5%), Singapur (9,8%) sowie Südkorea (9,4%). Deutschland lag mit Lieferungen im Wert von gut 40 Millionen US-Dollar (+15% gegenüber dem Vorjahr) hinter Thailand und der Schweiz auf Rang acht (4,3%). Die relative Stärke Chinas lässt sich mit dem vergleichsweise hohen Bedarf Vietnams an Kräutern und Substanzen der traditionellen Chinesischen Medizin erklären, deren Anteil am Gesamtmarkt auf etwa 30 Prozent geschätzt wird. Die Binnenproduktion belief sich 2007 nach Angaben des "Vietnam Pharmaceutical Management Bureau" (VPMB) auf 560 Millionen US-Dollar, was einer Steigerung im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent entsprach. Da die eigene Herstellung auch im Rohstoffsektor begrenzt ist, muss der Großteil der Chemikalien zur Herstellung von Arzneimitteln importiert werden. Die Vietnam Drug Administration (VDA) berichtete, dass Ende 2006 insgesamt 312 Pharmafirmen mit ausländischem Investitionsanteil in Vietnam Geschäfte machten, darunter 67 aus Indien, 38 aus Südkorea, 26 aus Frankreich, 22 aus China und 16 aus Deutschland. 2007 seien 58 neue Player hinzugekommen, so dass sich die Zahl ausländischer Firmen in diesem Sektor auf etwa 380 belaufen dürfte. In der Mehrzahl sind dies allerdings Repräsentanzen und keine Investitionen in die Herstellung von Medikamenten. Zur Produktion im Lande selbst existieren keine detaillierten aktuellen Angaben. Letztverfügbare Zahlen des General Statistics Office und Presseberichte deuten allerdings darauf hin, dass die eigene Herstellung von Arzneimitteln mit dem wachsenden Bedarf weder qualitativ noch quantitativ mithalten kann. Zudem leidet die Branche in wachsendem Umfang unter gefälschten Erzeugnissen, die zum Teil lebensgefährliche Wirkungen haben können. So berichtet die VDA, dass 2007 mehr als 3 Prozent der getesteten Medikamente nachgemacht waren - der höchste Wert in den vergangenen sieben Jahren. Der Regierung ist die hohe Abhängigkeit von importierten Medikamenten ein Dorn im Auge, da die Auslandsbezüge nicht durch entsprechende Exporte finanziert werden können. Hanoi sieht in seiner strategischen Planung vor, den Anteil lokaler Erzeugnisse am Gesamtmarkt bis 2010 auf 60 Prozent zu erhöhen, für 2017 sind 70 Prozent im Visier und bis 2020 sollen 80 Prozent des Bedarfs im Inland erzeugt werden. Beobachter halten es für wenig wahrscheinlich, dass die entsprechenden Quoten auch tatsächlich erreicht werden. Zum einen ist der Großteil der lokalen Produktion zersplittert. Die Mehrzahl der 180 Erzeuger ist klein und kapitalschwach, so dass sie sich schwer tun, im Wettbewerb mit ausländischen Herstellern konkurrieren zu können. Legt man die VPMB-Angaben zum Umsatz zugrunde, so erlösen die vietnamesischen Pharmabetriebe im Jahresdurchschnitt gerade mal 3 Millionen US-Dollar. Schon geringfügige gesetzliche Änderungen dürften für manche Firma das Aus bedeuten. So verabschiedete das Gesundheitsministerium im April 2007 ein Dekret, welches stipuliert, dass Pharmafirmen bis Juli 2008 bei der Produktion und der Lagerung von Arzneimitteln neue Standards einhalten müssen. Im Mittelpunkt stehen dabei die lückenlose Kühlung beim Transport und Lagerung von Branchenprodukten. Die erforderlichen Investitionen für die Einhaltung des Standards werden auf knapp 200.000 US-Dollar beziffert - zu viel für manche Unternehmen, meint etwa der Direktor der börsengelisteten Traphaco, einer der größten Player des Landes. Zu den Betrieben, die die neuen Standards ohnehin schon einhalten, gehören beispielsweise auch der Branchenführer Hau Giang Pharmaceuticals sowie Imexpharm und Mekophar. Vietnam verfügt derzeit über ein Netz von mehr als 39.000 Apotheken. Dies entspricht etwa 4,6 Einrichtungen pro 10.000 Einwohner. Der Vertrieb von Arzneimitteln ist bislang allerdings kompliziert. So gibt es nur wenige Großhändler, die das ganze Land mit Medikamenten versorgen können. Eine Firma, die die komplette Region abdecken möchte, müsste daher mit mehreren Distributoren zusammenarbeiten. Genau dies aber ist ausländischen Lieferanten bislang untersagt, und die für den 1. Januar 2009 geplante Öffnung des Einzelhandelssektors sah bislang vor, dass jeweils nur ein einziger lizenzierter Großhändler für ein entsprechendes Produkt ausgewählt werden darf. Diese Regelung hat unter ausländischen Geschäftsleuten großen Ärger ausgelöst, da sie nicht mit den entsprechenden WTO-Bestimmungen in Einklang stünde. Seit Ende März 2008 scheint sich nun eine Entspannung der Situation abzuzeichnen. Ein neues Zirkular des Ministry of Industry and Trade sieht nun vor, dass mehrere Vertriebsfirmen unter Vertrag genommen werden können. Allerdings können Auslandsfirmen auch weiterhin nicht direkt vertreiben, sondern müssen lokale Partner mit ins Boot nehmen. Ministry of Health of Vietnam 138A Giang Vo Road, Ba Dinh District Hanoi / Vietnam Tel.: 84 4 8464 416 Fax: 84 4 8464 051 Email: byt@moh.gov.vn Web: www.moh.gov.vn Vietnam Pharmaceutical Companies Association (VPCA) 138B Giang Vo Road, Ba Dinh District Hanoi / Vietnam Tel.: 84 4 8465 223 Fax: 84 4 8456 224 Email: vnca@fpt.vn Web: www.vnpca.org.vn