NEU !  Asien Kurier-Vollausgabe
ab 2012 nur noch für Abonnenten
StartseiteArchivBücherProdukt-PiraterieAnzeigen / Ads
Abo, Kontakt Asiatische Webseiten Industriereports Dokumente Über uns
Asien Kurier 8/2008 vom 1. August 2008
China

Profitable Zeiten für die chemische Industrie

Von gtai

Chinas Wirtschaft ist nicht zu bremsen. Die verfügbaren Einkommen steigen und damit die Bedeutung der Volksrepublik als Absatzmarkt. Wichtige, auch in der Chemiebranche spürbare Ziele Beijings sind Modernisierung, stärkere Einhaltung von Umweltstandards sowie Qualitäts- und Produktionssteigerungen.

Der Druck, strengere Umweltauflagen einzuhalten, kam in der Vergangenheit in erster Linie von den Abnehmern chinesischer Waren im Ausland. Neuerdings zwingt nicht zuletzt das neue Chemikaliensicherheitsprogramm der Europäischen Gemeinschaft, REACH (Registration Evaluation Authorization of Chemicals), die chinesische Chemieindustrie zu einer Erhöhung ihrer Standards.

Zugleich zeigt sich mittlerweile sogar ein Eigeninteresse an der Einhaltung gewisser Umweltnormen. Die einheimischen Konsumenten fordern gesündere Produkte. Und auch der Staat versucht, die Unternehmen zu umweltfreundlicheren Herstellungsverfahren zu zwingen. Treibende Kraft ist vor allem die staatliche Umweltbehörde SEPA.

Zumindest bei den großen Betrieben verhallen die Aufforderungen nicht ungehört. Beispielsweise kooperiert BASF mit der SEPA in mehreren Projekten, etwa im Bereich sauberer Kraftstoffe. Darüber hinaus beteiligt sich der Konzern an einer Initiative der Shanghaier Tongji-Universität im Bereich energiesparendes Bauen. Auf chinesischer Seite verkündete ChemChina im Januar 2008 ein "Zero Discharge"-Ziel. Der größte chinesische Produzent für chemische Rohstoffe und Derivate will 2008 seine Abwasseremissionen um 7 Prozent und seinen Schwefeldioxid-Ausstoß um 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr reduzieren. Nach eigenen Angaben hat der Konzern 2007 etwa 800 Millionen Renminbi (circa 73 Mio. Euro; 1 Euro = 10,94 Renminbi Yuan, 3-Monatsmittel Interbankenkurs) in energiesparende und andere Umweltmaßnahmen investiert.

Der "Shanghai Chemical Industry Park", einer der führenden Chemiestandorte des Landes, genehmigt nach eigener Aussage nur noch Projekte, die weniger als 0,5 Tonnen Standardkohle pro 10.000 Renminbi produzierten Bruttoinlandsprodukts verbrauchen (2005 lag der Landesdurchschnitt bei 1,22 t). Shanghai wird damit seiner Vorbildrolle innerhalb Chinas gerecht.

Neben Umweltfreundlichkeit stehen Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit auf der Wunschliste der Regierung. Auch bei den Anforderungen an ausländische Investitionen wird die politische Linie deutlich. Am 1. Dezember 2007 trat der neue "Catalogue for the Guidance of Foreign Investment Industries" in Kraft. Die Vorgängerversion aus dem Jahr 2004 ordnete grob gefächerte Industriesektoren in Bereiche, in denen ausländische Investitionen entweder erwünscht, beschränkt oder verboten waren. Die Neufassung ist vor allem bei den Angaben bezüglich der erwünschten (danach wie vor benötigten) Technologien und Produkte deutlich detaillierter geworden.

Die Tendenz scheint eindeutig: Ausländische Investitionen sollen Technologielücken füllen, die in einigen Segmenten rückständige heimische Industrie umstrukturieren sowie die industrielle Entwicklung im Landesinneren fördern. Darüber hinaus soll der schonende Umgang mit Ressourcen - sei es Energie, Wasser oder andere Rohstoffe - durch die Einführung moderner Produktionsprozesse und Umweltschutztechnologien vorangetrieben werden.

Diese Ziele spiegeln sich auch in den detaillierten Vorgaben des Lenkungskataloges für die chemische Industrie wieder. So sind im Agrarchemiesektor beispielsweise Investitionen in die Entwicklung und Herstellung neuer Düngemittel oder hochwirksamer und sicherer Pestizide erwünscht. Im Bereich Farben und Lacke gehört unteranderem die Herstellung von Hochleistungsbeschichtungen, wasserbasierten Beschichtungen für Automobile und entsprechender wasserbasierter Harze zu den Feldern, in denen Auslandsinvestitionen besonders erwünscht sind. Der vollständige "Catalogue for the Guidance of Foreign Investment Industries" kann in englischer Übersetzung unter http://www.fdi.net.cn/pub/FDI_EN/Laws/law_en_info.jsp?docid=87372 abgerufen werden.

Agrarchemikalien

Um die Exporte zu stützen und die Lebensmittelsicherheit im Inland zu verbessern, unterstützt die Regierung die Produktion von biologischen beziehungsweise umweltfreundlicheren Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmitteln.Tatsächlich wiesen 6 Prozent der zwischen Januar und Oktober 2007 getesteten Gemüseproben, 1 Prozent der Tier- und 5 Prozent derAquaprodukte erhöhte Rückstände auf, so Daten des Landwirtschaftsministeriums. Diese Zahlen zeigen aber nur die Spitze des Eisbergs, denn die Kontrollen gelten als eher lasch. Einen Schritt zu mehr Produktsicherheit können die neuen Bestimmungen des bereits erwähnten Lenkungskatalogs für Auslandsinvestitionen bilden.

Anders als im Pestizidbereich sind internationale Investitionen im Düngemittel-Sektor bislang selten, allerdings nahm laut "China Chemical Industry News" (CCIN) im Oktober 2007 ein deutsch-chinesisches Joint Venture in Shandong die Produktion auf. Nach Fertigstellung der geplanten drei Phasen soll die Kapazität 300.000 Tonnen organische Düngemittel jährlich betragen. Die zweite Phase befindet sich derzeit in Bau.

Farben und Lacke

Die chinesische Farben- und Lackebranche ist 2007 mehrfach durch Rückrufaktionen, etwa wegen zu hohen Bleigehalts, in die Kritik geraten. Um den Weihnachtsabsatz nicht zu gefährden, verboten die lokalen Behörden deshalb im September die Verwendung bleihaltiger Farben in zum Export bestimmtem Spielzeug. Die "China General Administration of Quality Supervision, Inspection and Quarantine" (AQSIQ) sieht in dieser Maßnahme nur einen Schritt zur Hebung der Produktqualität, die sich mittelfristig auch auf die lokal verkauften Waren auswirken muss.

Vom neuen Trend können vor allem auch westliche Hersteller profitieren, wie etwa die Bayer Material Sciences oder Akzo Nobel, die ihre Kapazitäten entsprechend ausrichten. So soll laut "Shanghai Daily" etwa die Nachfrage nach wasserlöslichen Farben und Lacken in den nächsten Jahren um jährlich 9 bis 10 Prozent zulegen, während die Weltnachfrage durchschnittlich nur um etwa 5 Prozent wachse.

Gut laufen die Geschäfte der Farben- und Lackehersteller im Bereich Kfz-Zulieferungen. Tatsächlich scheint der Kfz-Absatz seit Jahren nur einen Trend zu kennen: aufwärts. Nach dem Rekordjahr 2007 mit knapp 8,8 Millionen verkauften Fahrzeugen soll 2008 die Zehn-Millionen-Schwelle überschritten werden. Japan Kansai Paint hat deshalb im Oktober 2007 ein auf Kfz-Beschichtungen spezialisiertes Investitionsvorhaben von 22 Millionen US-Dollar (14 Mio. Euro) in Shenyang (Standort unter anderem von Brilliance und BMW) unter Dach und Fach gebracht. Das Werk soll in zwei Jahren seinen Betrieb aufnehmen.

Weitere wichtige Stütze bleibt die Bauindustrie. Trotz regelmäßiger Dämpfungsversuche von Seiten der Politik boomt der Sektor und damit die Nachfrage nach Baufarben. Der Output der Unternehmen legt entsprechend zu und erreichte 2007 mit 1,8 Millionen Tonnen ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Industriechemikalien

Unverändert lässt die stark expandierende verarbeitende Industrie die Absatzzahlen von Industriechemikalien im ein-, häufig sogar im zweistelligen Prozentbereich wachsen. Die Nachfrage nach High-End-Produkten wird sowohl von gestiegenen Qualitätsansprüchen der Abnehmer als auch von einer Industriepolitik, die zunehmend auf Effizienz setzt, positiv beeinflusst. Hiervon profitieren die internationalen respektive die deutschen Anbieter, die ihre Geschäftstätigkeit ausbauen.

Petrochemie

Die chinesische Abhängigkeit von Rohölimporten wächst weiter. Zwar erreichte die Fördermenge im Jahr 2007 mit 186,7 Millionen Tonnen ein historisches Hoch (+1,6 Prozent gegenüber 2006), so die "China Petroleum and Chemical Industry Association" (CPCIA). Gleiches gilt für den Output an Raffinerieprodukten (Benzin, Diesel, Kerosin etc.) mit 195 Millionen Tonnen (+7,2 Prozent).Trotzdem musste das Milliardenreich noch nie so viel Rohöl im Ausland zukaufen. Die Nettoimporte stiegen um 14,7 Prozent auf 159,3 Millionen Tonnen. Bei einem Gesamtölverbrauch von 346 Millionen Tonnen (+7,3 Prozent) betrug die Importabhängigkeit somit 46 Prozent, so die "CCIN".

Tatsächlich profitieren die chinesischen Erdölkonzerne vom ungestillten Energiehunger und von Rohstoffpreisen auf Rekordniveau. Als der börsennotierte Arm der CNPC, PetroChina, im November 2007 in Shanghai an die Börseging, übersprang sein Aktienwert bereits am ersten Tag 1000 Milliarden US-Dollar. Der nächstgrößte Rivale, der US-amerikanische Konzern Exxon Mobil, war zum gleichen Zeitpunkt nicht einmal die Hälfte wert.

Ausländische Händler hielten den von euphorischen chinesischen Käufern in die Höhe getriebenen Kurs für absolut überzogen. Dessen ungeachtet spülte der Börsengang etwa 9 Milliarden US-Dollar in die Unternehmenskassen, welche PetroChina in fünf innerchinesische Erschließungsprojekte sowie in die Ethylen-Produktion investieren will.

Der kleinere Konkurrent "China National Offshore Oil Corp." (CNOOC) darbt ebenfalls nicht. CNOOC veröffentlichte für 2007 einen Zuwachs des Gewinns vor Steuern um 17,5 Prozent auf 56,5 Milliarden Renminbi. In Zukunft will sich die Nummer drei unter den chinesischen Erdölförderern verstärkt der Exploration von Offshore-Ölfeldern widmen.

Der im Raffineriebereich starke Staatskonzern Sinopec verkündete 2007 einen Nettogewinn von 70 Milliarden Renminbi, eine kräftige Steigerung im Vergleich zum Vorjahr mit knapp 51 Milliarden Renminbi. Gut läuft insbesondere die Erdgassparte, während der Raffinerie-Bereich angesichts der gestiegenen Rohstoffkosten unter den staatlich festgesetzten niedrigen Preisen für Benzin und andere Produkte leidet. Sinopec erhielt deshalb Ende 2006 einen Regierungszuschuss von 5 Milliarden Renminbi.

Im August 2007 begann die Staatsfirma mit dem zusätzlichen Bau einer Erdgaspipeline von Sichuan nach Shanghai. Die dortigen Puguang-Fundstätten gehören zu den größten und profitabelsten des Landes. Insgesamt erhöhte sich der chinesische Erdgasausstoß 2007 um 23,1 Prozent auf 69,3 Milliarden Kubikmeter.

Darüber hinaus engagiert sich Sinopec in der Ethylen-Herstellung. Ende 2007 starteten die Bauarbeiten für einen Ethylen-Cracker im zentralchinesischen Wuhan. Bis 2010 will der Konzern eine Jahreskapazität von 3 Millionen Tonnen Ethylen zusätzlich aufbauen, und zwar im ostchinesischen Yangzi-Delta, an der Bohai-Bucht im Norden und am Perlfluss im Süden. Im Januar 2008 unterzeichneten Sinopec und die "Saudi Basic Industries Corp." (SABIC) deshalb eine Rahmenvereinbarung über die Herstellung von Ethylen-Derivaten in Tianjin (Bohai-Bucht). Das Investitionsvolumen des 50:50-Joint Ventures wird 1,7 Milliarden US-Dollar betragen. Die Jahreskapazität ist auf 1 Millionen Tonnen (600.000 t Polyethylen,

400.000 t Ethylenglycol) ausgelegt. Die Inbetriebnahme ist für September 2009 avisiert.

Im Dezember 2007 genehmigte die Regierung das Sinopec-Vorhaben zum Bau eines Raffinerie- und Petrochemie-Komplexes mit der Kuwait Petroleum Corp. in Nansha (Provinz Guangdong; Perlfluss-Region). Das Joint Venture soll 12 Millionen Tonnen Rohöl verarbeiten, unter anderem 1 Millionen Tonnen Ethylen im Jahr liefern und 5 Milliarden US-Dollar kosten. Sinopec betreibt bereits Gemeinschaftsunternehmen mit BASF (BASF-YPC; Ethylen-Verarbeitungskapazität: 600.000 t) und BP (Shanghai Secco; 900.000 t). Das neue Projekt steht in direkter Konkurrenz zum 4,4 Milliarden US-Dollar teuren Raffineriekomplex in Nanhai, einer Kooperation zwischen der CNOOC und Royal Dutch Shell. Ein weiteres Ethylen-Projekt (Kapazität: 1 Mio. t) plant CNOOC auf Hainan. Die Machbarkeitsstudie für das 25 Milliarden Renminbi teure Vorhaben ist bereits abgeschlossen.

PetroChina ist ebenfalls mit mehreren Projekten präsent: Im zentralchinesischen Chengdu (Provinz Sichuan) plant der Konzern einen integrierten Raffinerie-Cracker-Komplex mit einem möglichen Raffinerieausstoß von 10 Millionen Tonnen und Ethylenkapazitäten von 800.000 Tonnen im Jahr. Der staatliche Ölriese trägt 75 Prozent des 38 Milliarden Tonnen teuren Vorhabens, 25 Prozent die Provinz. Die Anlage soll 2010 ihren Betrieb aufnehmen.

Für 2011 ist die Fertigstellung des ebenfalls auf 10 Millionen Tonnen Raffinerievolumen und 1 Millionen Tonnen Ethylen-Herstellung ausgelegten Projektes in Tianjin geplant. An dem Joint Venture hält der russische Ölkonzern Rosneft einen Anteil von 49 Prozent. CNPC hat mit 51 Prozent die Mehrheit. Die nordchinesische Stadt Tianjin will sich, neben Guangdong im Süden und Shanghai sowie Nanjing im Osten, als weiterer Chemie-Standort etablieren. In diesem Zusammenhang steht auch die Investition in Höhe von 30 Milliarden Tonnen durch China Bluestar, der dort Downstream-Produkte fertigen will.

Grundsätzlich will Beijing künftig vor allem Ethylen-Anlagen mit einer Jahreskapazität von mindestens 800.000 Tonnen fördern. Ziel ist die Sicherstellung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Dies ist umso wichtiger, da den inländischen Herstellern im Mittleren Osten eine unter erheblich besseren Ausgangsbedingungen produzierende Konkurrenz heranwächst.

Shanghai Chemical Industry Park

Headquarters:

18 Floor, 201 Mu Hua Road

201507 Shanghai / China

Tel.: 86 21 6712 0000

Fax: 86 21 6712 2222

Representative Office:

10 Lane 18 Gao An Road

200030 Shanghai / China

Tel.: 86 21 6471 3298

Fax: 86 21 6471 3301

Email: business@scip.com.cn

Web: www.scip.com.cn

PetroChina

Der größte chinesische Ölkonzern PetroChina ist mit einem Netz über 18.000 Tankstellen eines der umsatzstärksten Unternehmen der Volksrepublik. Der Ölmulti ist eine Tochtergesellschaft der staatlichen China National Petroleum Corp. (CNPC). CNPC hält 88,21 Prozent der Anteile; weitere 0,3 Prozent sind im Besitz des Investors Warren Buffett, welcher jedoch auf Grund der Tätigkeiten der CNPC im Sudan sukzessive seine Anteile an PetroChina abstößt.

PetroChina hat bislang fünf Milliarden US-Dollar im Ausland investiert, die Hälfte davon im Sudan. Nahe der sudanesischen Hauptstadt Khartum wurde eine 1.600 Kilometer lange Pipeline zum Roten Meer sowie eine Raffinerie mit einer Kapazität von 2,5 Millionen Jahrestonnen gebaut. Das Reich der Mitte ist der wichtigste ausländische Investor im Sudan. Das afrikanische Land liefert schätzungsweise acht Prozent der chinesischen Ölimporte.

Mit dem Börsengang in Shanghai vom 5. November 2007 erreichte PetroChina eine Marktkapitalisierung von 1.000 Milliarde US-Dollar und wurde gemessen am Börsenwert zum größten Unternehmen der Welt. Im April 2008 war der Aktienkurs jedoch wieder unter den Emissionspreis von 16,70 Yuan gesunken, und der Börsenwert von PetroChina betrug nur noch 397,4 Milliarden US-Dollar, wodurch das US-Unternehmen Exxon Mobil seine Position als weltgrößtes Unternehmen zurückerlangte.

Unternehmensform Aktiengesellschaft

ISIN CN0009365379

Gründung 1999

Unternehmensleitung Jiang Jiemin (Präsident)

Mitarbeiter 446.290 (2006)

Umsatz 689 Milliarden Renminbi

Website www.petrochina.com.cn

PetroChina Company Limited

16 Andelu Dongcheng District

100011Beijing / China

Tel.: 86 10 8488 6270

Fax: 86 10 8488 6260





©  2007 bis 2012 Asien Kurier.
All rights are reserved  (Nutzungsrechte / Titelschutz)
Unsere Webseiten sind für den Firefox-Browser und eine Auflösung von 1280 x 1024 pixel optimiert.
Opera und Safari-Browser sind gerne gesehen; auf Microsoft / IE können wir verzichten.