NEU !  Asien Kurier-Vollausgabe
ab 2012 nur noch für Abonnenten
StartseiteArchivBücherProdukt-PiraterieAnzeigen / Ads
Abo, Kontakt Asiatische Webseiten Industriereports Dokumente Über uns
Asien Kurier 9/2008 vom 1. September 2008
Vietnam

Ernst aber nicht hoffnungslos

Von Kathrin Prasse (OAV)

Unternehmenseinschätzungen zur aktuellen Wirtschaftsentwicklung in Vietnam zufolge ist das südostasiatische Land heute ist nicht vergleichbar mit Thailand 1997. Ein Szenario ähnlich der Asienkrise wird es nicht geben.

Trotz aller wirtschaftlichen Probleme befindet sich Vietnam in einer weniger prekären Lage als Thailand 1997. Denn anders als bei der thailändischen Währungskrise ist die vietnamesische Auslandsverschuldung durch die Devisenreserven gedeckt und zudem zu einem Großteil mittel- bis langfristiger Natur oder in Form von Entwicklungshilfekrediten stabil gewährt. Unkenrufe von einer neuen vietnamesischen Währungskrise mit entsprechendem Absturz sind also nicht angebracht. Das seit Anfang des Jahres zu beobachtende Ungleichgewicht der Wirtschaft scheint sich zu Beginn des dritten Quartals 2008 zudem allmählich zu stabilisieren. Die Regierung, Anfang des Jahres noch kritisiert für ihr zögerliches Vorgehen und ihre mangelhafte Kommunikation, reagiert inzwischen entschieden auf die Überhitzungserscheinungen der vietnamesischen Volkswirtschaft. Makroökonomischer und sozialer Stabilität wurde die höchste Priorität eingeräumt.

Erste Maßnahmen greifen bereits

Erste positive Auswirkungen der Maßnahmen sind bereits sichtbar. So hat die Regierung bei einem tatsächlich erwirtschafteten Wachstum von 6,7 Prozent im ersten Halbjahr 2008 ihre Erwartung an das ganzjährige Wirtschaftswachstum deutlich nach unten korrigiert, um der Überhitzung zu begegnen. Als erstes fiskalpolitisches Signal hat die Regierung ihr Ausgabeverhalten um bislang knapp vier Billionen Dong im laufenden Jahr zurückgefahren und die Verzögerung und Aussetzung staatlicher Investitionsprojekte angekündigt. Geldpolitisch wurde die Zentralbank mit der dritten Zinserhöhung seit Anfang 2008 aktiv. Der Leitzins liegt nun bei 14 Prozent. Im Juni verlangsamten sich die Inflationszuwächse zwar erstmals, das Ziel der Regierung, im kommenden Jahr eine Inflationsrate von zehn Prozent zu erreichen, bleibt allerdings seit den jüngsten Subventionskürzungen bei Kraftstoffen und damit einhergehenden erneuten Preissteigerungen sehr ambitioniert. Auch mit der angestrebten Reduzierung des Handelsbilanzdefizits um 30 Prozent bis zum Jahresende hat sich die Regierung ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Dem Wachstum der Exporte um 30 Prozent steht ein siebzigprozentiger Zuwachs der Importe allein im zweiten Quartal 2008 gegenüber. Die Regierung rechnet daher im ersten Halbjahr mit einem Handelsbilanzdefizit von 17 Milliarden US-Dollar. Die Leistungsbilanz wird allerdings durch Rücküberweisungen von im Ausland lebenden Vietnamesen und hohe Auslandsdirektinvestitionen ausgeglichen. Deutlich positive Veränderungen sind beim Wechselkurs des Dong feststellbar. Durch eine Ausweitung der Wechselkursspanne des Dong gegenüber dem US-Dollar um insgesamt vier Prozent nähern sich seit Ende Juni der offizielle und der Marktkurs allmählich an.

Probleme für Unternehmen bestehen vorerst

Auch wenn die Maßnahmen der Regierung erste Wirkung zeigen, sind deutsche Unternehmen vor Ort einer vom OAV durchgeführten Umfrage zufolge akut mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert. Bei Inflationsraten von über 25 Prozent (Mai 2008) bekommt ein altbekanntes Problem in Vietnam eine neue Bedeutung ? Personal. Unternehmen müssen Gehälter um mindestens 20 Prozent anheben, um ihre Belegschaft und insbesondere höher qualifiziertes Personal halten zu können. Von den rapiden Preissteigerungen im Grundgüterbereich von 40 bis 60 Prozent ist besonders die ärmere Bevölkerung betroffen. Als Reaktion waren allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres mehr als 300 wilde Streiks im Niedriglohnbereich zu verzeichnen, bei denen höhere Löhne zur Kompensation der gestiegenen Lebenshaltungskosten eingefordert wurden. Teilweise standen kurzfristig ganze Produktionen still. Eine Wende ist erst mit der Eindämmung der Inflation und frühestens Ende des Jahres in Sicht.

Zu diesem traditionellen Problem gesellt sich aktuell ein weiteres, bislang unbekanntes Problem. Deutsche Unternehmen vermelden erstmals Zahlungsschwierigkeiten und vereinzelte Vertragskündigungen seitens ihrer vietnamesischen Partner bei einem insgesamt sehr schlechten Eingang von Neuaufträgen. Insgesamt habe die sonst so gute Zahlungsmoral vietnamesischer Unternehmen nachgelassen. Die Gründe hierfür sind so einfach wie offensichtlich. Auf der einen Seite leiden vietnamesische Unternehmen bei Jahreszinssätzen von bis zu 20 Prozent unter erheblichen Liquiditätsengpässen, auf der anderen Seite sind sie erheblichen Steigerungen der Produktionskosten und wegen einer leichten Abwertung des Dong schwindender Kaufkraft im Außenhandel ausgesetzt. Die Kreditvergabe ist eingeschränkt und die Neueröffnung von Akkreditiven nur schwer möglich. Insolvenzen lokaler Banken sind aber auszuschließen, eröffnete Akkreditive werden bedient.

Trotz dieser aktuell sehr angespannten wirtschaftlichen Situation gilt Vietnam mittelfristig als attraktive Destination für Auslandsdirektinvestitionen. Gerade gegenüber Nachbarländern hat das Land im Kostenvergleich komparative Vorteile und erwartet daher auch in diesem Jahr ein Rekordwachstum der Auslandsdirektinvestitionen. So werden für das Jahr 2008 Auslandsdirektinvestitionen in Höhe von 31 Milliarden US-Dollar erwartet. Davon sind zehn Milliarden US-Dollar bereits zugesagt, rund fünf Milliarden US-Dollar im ersten Halbjahr 2008 geflossen. Diese Entwicklung belegt das hohe Vertrauen ausländischer Investoren in die wirtschaftlichen Perspektiven Vietnams, die mittelfristig als sehr gut eingestuft werden.

OAV - German Asia-Pacific Business Association

Kathrin Prasse

Bleichenbrücke 9

20354 Hamburg

Tel: 49 40 357559 29

Fax: 49 40 357559 25

Email: prasse@oav.de





©  2007 bis 2012 Asien Kurier.
All rights are reserved  (Nutzungsrechte / Titelschutz)
Unsere Webseiten sind für den Firefox-Browser und eine Auflösung von 1280 x 1024 pixel optimiert.
Opera und Safari-Browser sind gerne gesehen; auf Microsoft / IE können wir verzichten.