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Die Staaten des Golf-Kooperationsrates (GCC) wollen ihre Raffinerie-Kapazitäten weiterhin massiv ausbauen - allen Preissteigerungen und Projektverzögerungen zum Trotz. Nach letzter Zählung gibt es 63 Vorhaben im Gesamtwert von rund 150 Milliarden US-Dollar - ein dicker Brocken für die internationale
Gemeinschaft der Anlagenbauer. Ob alle Vorhaben umgesetzt werden können bleibt derweil abzuwarten. Die Preise laufen davon und die Kapazitäten von Anlagebauern sind begrenzt. Den größten Teil am Auftragskuchen gibt es in Saudi-Arabien, das 28 Projekte mit einem auf 94,4 Milliarden US-Dollar veranschlagten Wert plant. Gefolgt wird der weltgrößte Rohölexporteur von dem kleinen Ölförderer Oman. Sieben Vorhaben für insgesamt 19,5 Milliarden US-Dollar will das kleine Sultanat stemmen - ein äußerst ehrgeiziges Unterfangen. Bemerkenswert ist auch, dass Katar - zwar reich an Gas, aber ohne bedeutende Ölvorräte - immerhin 2 Milliarden US-Dollar für zwei Raffinerien ausgeben will. Die Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC), der bis auf den Oman alle GCC-Staaten angehören, macht für die in der letzten Zeit überaus stark gestiegenen Rohölpreise in erster Linie die unzureichenden Raffinerie-Kapazitäten weltweit und erst danach die Spekulanten verantwortlich. Die Internationale Energieagentur (IEA) argumentiert in ihrem letzten Medium-Term Oil Market Report 2008-2013 in die gleiche Richtung. Als Saudi-Arabien im Juni 2008 ankündigte, die Ölförderung hochzufahren, gab es Applaus von Verbrauchern. Die internationalen Raffinerien aber winkten ab, es gäbe schon genug volle Öltanker auf den Meeren. Schätzungen zufolge lag die internationale Raffinierungskapazität Ende 2007 bei 85,46 Millionen Barrel am Tag (bpd), dem 2008 eine Nachfrage nach Erdölprodukten von 86,80 Millionen bpd gegenüberstehen dürfte. Bis 2013 könnte die Nachfrage auf 94,14 Millionen bpd steigen. Dabei geht der Trend zu leichten Produkten wie Benzin, Diesel, Flüssiggas (LPG) und Naphtha. Von dieser Marktlage wollen die GCC-Staaten profitieren. Ihre Exporte sollen nicht mehr von den Raffinierungskapazitäten der Abnehmer abhängig sein, das Geschäft wollen sie selber machen. Sie haben die Rohstoffe und das Geld für die notwendigen Investitionen. Dennoch gibt es zahlreiche Probleme bei der Umsetzung. Die Projektkosten laufen davon. Es sind viel zuwenige freie Kapazitäten vorhanden, die geplanten Mega-Projekte zu realisieren. Auch die Probleme auf den internationalen Kreditmärkten haben ihre Auswirkungen. Die Arab Petroleum Investment Corporation (Apicorp), ein Gemeinschaftsunternehmen der Organisation der arabischen Erdöl exportierenden Staaten(OAPEC) geht davon aus, dass die Raffinerie-Investitionen in der Region an Schwung verlieren. Angesichtssteigender EPC-Kosten (Engineering, Procurement, Construction - Planung, Projektierung, Errichtung) zögern manche Investoren. Mit großer Spannung schaut die Branche auf Saudi-Arabien, das 2009 mit zwei Mega-Projekten beginnen will: einem Joint-Venture von Total mit Saudi Aramco und einem von Conoco Phillips mit dem gleichen Partner. Beide Export-Raffinerien sollen in Yanbu gebaut werden. Beobachter gehen davon aus, dass die Investoren bis dahin ihr Budget auf insgesamt 30 bis 40 Milliarden US-Dollar aufstocken müssen. Danach ist das Ras Tanura Petrochemicals Refinery Project an der Reihe, das Ende 2009/Anfang 2010 mit der beginnen muss, die nötigen Gelder zu beschaffen. Die Messlatte dürfte bis dahin bei weit über 20 Milliarden US-Dollar liegen. Im Oktober 2007 hatte sich Conoco Phillips, immerhin eine international bedeutende Ölfirma mit finanziellen Muskeln, aus dem Raffinerie-Projekt der Abu Dhabi International Petroleum Investment Company (Ipic) zurückgezogen. Die Kosten waren zu schnell und zu hoch gestiegen. Ipic will derweil weitermachen und das Vorhaben bei Bedarf auch alleine realisieren. Etwa 6 bis 10 Milliarden US-Dollar soll die neue, im VAE-Emirat Fudschaira geplante Raffinerie kosten. Darüber hinaus will Ipic noch Raffinerien in Pakistan und Marokkobauen. Die Fertigstellung der Al-Zour-Raffinerie in Kuwait, ausgelegt auf 615.000 bpd und die größte Anlage ihrer Art im Mittleren Osten, wird sich dem Vernehmen nach weiter verzögern. Die für Mitte 2008 geplante Ausschreibung für die Sanierung und Erweiterung bestehender Raffinerien in Höhe von 15 Milliarden US-Dollar wird auf das vierte Quartal 2008 verschoben. Die kuwaitische Zeitung "Al Rai" berichtete Ende August 2008, dass der Kostenansatz auf 22 Milliarden US-Dollar steigen könne. Im Mai 2008 hat Kuwait einen 15 Milliarden US-Dollar -Auftrag für den Bau einer vierten Raffinerie in Al Zour an ein internationales Konsortium vergeben. Anfang 2008 hatte das Land bekannt gegeben, in den nächsten fünf Jahren 51 Milliarden US-Dollar in Up- und Downstream-Projekte investieren zu wollen.