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Asien Kurier 10/2008 vom 1. Oktober 2008
Hongkong

Bau der Hongkong-Macau-Brücke kommt ins Rollen

Von Dr. Roland Rohde (gtai)

Sie kommt, sie kommt nicht, sie kommt doch. Seit einem halben Jahrzehnt wird der Bau einer Autobahnbrücke zwischen Hongkong und Macau sowie dem benachbarten südchinesischen Zhuhai diskutiert. Bislang ist jedoch nicht viel passiert. Weder fand sich ein privater Investor, der bereitgewesen wäre, die Kosten und Risiken eines Betreibermodells zu tragen, noch konnten sich die beteiligten Verwaltungen auf ein eigenes Finanzierungsmodell einigen.

Seit 2003 befindet sich die Hongkong-Macau-Brücke in der öffentlichen Diskussion, doch zum Sommer 2008 wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Das einst präferierte BOT-(Build-Operate-Transfer-)Modell wurde gestrichen und die beteiligten Verwaltungen der Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macau, der Provinz Guangzhou sowie dieZentralregierung in Beijing einigten sich auf ein gemeinsames Finanzierungspaket. Zudem erhält Guangdong eine Finanzspritze aus der Hauptstadt. Zhuhai, das ebenfalls einen Anschluss erhalten soll, liegt auf dem Gebiet der Provinz.

Die Investitionskosten belaufen sich nach derzeitigen Schätzungen auf 5,5 Milliarden US-Dollar. Gemäß der neuesten Vereinbarung soll Hongkong 42 Prozent und Guangdong (inklusive der Unterstützung aus Beijing) 44,5 Prozent deranfallenden Summe finanzieren. Macau ist für den Restbetrag verantwortlich. Nur knapp die Hälfte der Gesamtkosten wird in bar aufgebracht, der Rest wird durch Kredite finanziert.

Die beteiligten Regierungen - und nicht wie ursprünglich geplant ein Bieterkonsortium - werden demzufolge Bauherr sein. Wer federführend für welchen Teil des Projektes ist, muss noch ausgehandelt werden. Jedoch soll mit der Konstruktion nach Aussagen aus Hongkong und Beijing bereits 2010 begonnen werden, so dass es bereits Ende 2008/Anfang 2009 zu den ersten Ausschreibungen kommen dürfte.

Den Zuschlag für den Rohbau dürften nach Aussage von Landeskennern ausschließlich chinesische sowie Hongkonger Firmen erhalten. In der Planungsphase kann es aber Chancen für ausländische Ingenieur- und Architekturbüros geben. Außerdem dürfte es umfangreiche Liefermöglichkeiten bei der anschließenden Ausstattung der Brücke mit Sicherheits-, Signal- oder Beleuchtungstechnik geben.

Zudem planen die beteiligten Städte den Neubau von Zufahrtstraßen, Mautstationen und Parkhäusern für die Brücke. Sie soll vom äußersten Zipfel von Lantau Island, wo auch der Hongkonger Flughafen liegt, in Richtung Westen führen und auf dem letzten Stück Y-förmig verlaufen, so dass es je eine Ausfahrt nach Macau sowie das benachbarte chinesische Zhuhai gibt. Insgesamt sind sechs Fahrspuren vorgesehen.

Die Planer erwarten ab 2016 ein tägliches Aufkommen von 14.000 Fahrzeugen. Die Benutzungsgebühr soll bei rund 20 US-Dollar liegen. Die knapp 30 km lange Strecke kann man bei der anvisierten Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h in rund 20 bis 25 Minuten zurücklegen. Davon dürfte vor allem der Güterverkehr profitieren.

Sowohl Macau als auch Zhuhai verfügen über keinen eigenen Containerhafen, die Flughäfen haben nur sehr wenige internationale und keinerlei interkontinentale Verbindungen. Waren aus den Industriezentren des westlichen Perlflussdeltas, wie beispielsweise Zhongshan und Jiangshan, müssen derzeit mit dem Binnenschiff zum Hafen in Hongkong oder Shenzhen gebracht werden.





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