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Auch Kuwait will nun aktiv in das Rennen um prestigeträchtige Superstädte einsteigen. Nach zwei Jahrzehnten Pause gibt es wieder einen Fünf-Jahresentwicklungsplan - ambitionierter denn je: Mit gleich 1.100 Projekten soll das bislang eher als verschlafen geltende Kuwait in ein neues Zeitalter katapultiert werden. Großes Aushängeschild wird die Silk City mit einem 1.001 m hohen Turm. Hinzu kommt ein neuer Hafen, Eisenbahn und Metro. Die Pläne gehen nun aber erst einmal ins Parlament und das ist nicht dafür bekannt, alles nur einfach abzunicken.
Im Rahmen des Plans will die Regierung erst einmal 35 Milliarden Kuwait-Dinar (etwa 87 Mrd. Euro; 1 Euro = 0,40 KWD, 3-Monatsmittelkurs) für das futuristische Silk-City-Vorhaben nebst Hafen und Schienennetz bereitstellen. Dieser Anschubfinanzierung werden dann private Investitionen folgen und zu einem sich selbst verstärkenden Kreislauf führen, so die Idee. In der neuen Stadt sollen sich vor allem Handels- und Finanzdienstleister ansiedeln und Kuwait zu einer Logistik- und Finanzdrehscheibe werden lassen. Halt alles so, wie Dubai es vorgemacht hat. Die berühmten Kuwait Towers, seit 1979 mit ihrer Maximalhöhe von 187 m das Wahrzeichen der Stadt, haben bald ausgedient und werden schon in wenigen Jahren noch nicht einmal mehr auf der Liste der zehn höchsten Bauwerke Kuwaits stehen. Das vorerst höchste Gebäude wird der Al-Hamra Tower, an dem noch gebaut wird und der Ende Juni 2008 die 160-m-Marke genommen hat. Das Richtfest ist für Mitte 2009 geplant, wenn der Turm seine Endhöhe von 412 m und 77 Stockwerken erreicht haben wird und in den Klub der 25 höchsten Gebäude der Welt aufgenommen wird. Seine Star-Architekten sind Skidmore, Owings and Merril aus Chicago. Das Gebäude hat 40 Aufzüge mit Spitzengeschwindigkeiten von zehn Metern pro Sekunde. Das zweithöchste Gebäude Kuwaits wird der Capital Tower mit 376 m und 70 Stockwerken, der 2010 für das Publikum geöffnet wird. Der 1996 fertiggestellte Liberation Tower, der mit seinen 372 m lange Zeit das höchste Gebäude des Mittleren Ostens war, wird sich dann in Kuwait nur noch mit dem dritten Platz begnügen müssen. An vierter Stelle kommt das Gate of Kuwait mit 320 m und 70 Stockwerken und an fünfter Stelle der zweite Arraya Tower, der 2009 fertig wird und dann 300 m beziehungsweise 60 Stockwerke aufzuweisen hat. So mancher Bauherr behält es sich in dem Wettstreit um das höchste Gebäude vor, ganz zuletzt das Werk noch um ein paar Meter zu strecken. Auch das macht Dubai mit seinem BurjDubai vor, dessen genaue Endhöhe wohl bei 818 m und 160 bewohnbaren Stockwerken liegen wird, letztendlich aber noch ein Geheimnis ist. In diesem Golf-Wettrennen der baulichen Superlative, das einen an das junge Manhatten oder das mittelalterliche San Gimignano mit seinen Geschlechtertürmen erinnert, ist der Himmel noch nicht erreicht. Der Mubarak Al-Kabir Tower mit einer märchenhaften Höhe von 1.001 Meter soll das Zentrum der neuen Seidenstadt werden und dem langen Dubai-Turm die Show stehlen. Vorausgesetzt, das elegentlich widerspenstige Parlament von Kuwait macht mit und Saudi-Arabien, das mit dem Gedanken eines One-Mile-Tower spielt, kommt den Kuwaitern nicht zuvor. Die Silk City oder Madinat al-Hareer, wie sie im Arabischen heißt, soll an die glorreiche Tradition der mittelalterlichen Seidenstraße anknüpfen und zu einer internationalen Freihandelszone werden, welche Zentralasien mit Europa verbindet. Standort ist ein 250 km2 großes Areal im nördlichen Kuwait in der Gegend von Subbiya nahe der Grenze mit dem Irak. Wenn die Stadt, wie geplant, 2023 fertig gestellt sein wird, können dort 700.000 Menschen wohnen und 450.000 Arbeitsplätze finden. Zur Infrastruktur wird auch eine Eisenbahn zählen, die Damaskus, Bagdad, Iran und die Volksrepublik China verbindet - der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Einen ersten Entwurf für die neue Stadt gibt es von den in London ansässigen Architekten Eric R. Kuhne & Associates. Eigentlich wollten die Briten schon Ende 2008 loslegen, wie sie noch Anfang des Jahres sagten. Mittlerweile aber dürfte 2012 realistischer erscheinen. Von diesem Datum geht auch Burhan Ravat, stellvertretender Direktor der Tamdeen Real Estate Development Co., aus, dessen Unternehmen als Bauträger vorgesehen ist. Hintergrund sind "bürokratische Verzögerungen", ein Problem, das auch andere Bauvorhaben beeinträchtigt. So war der Plan einer Seidenstadt eigentlich schon 2005 vorgestellt worden, dann aber erst im November 2007 vom Council of Ministers für gut befunden worden. In Kuwait, sagen Kenner des Baugeschäfts, gehen die Uhren sehr viel langsamer als in den anderen Golfstaaten. Während in Dubai der Herrscher mitunter binnen weniger Tage über ein Riesenprojekt freihändig entscheidet und sich niemand groß mit Bauvorschriften aufhält, von Umweltverträglichkeitsprüfungen und Bürgerbeteiligungen ganz zu schweigen, geht es in Kuwait deutlich demokratischer zu und damit eben auch mitunter deutlich langsamer. Das kuwaitische Parlament ist nicht nur einfach ein Zustimmungsgremium für Beschlüsse der Staatsführung, sondern durchaus ein unabhängiges Gremium, das auch unbequeme Fragen stellen und Entscheidungen fällen kann. Das Seidenstadtprojekt wird von der kuwaitischen OHA Engineering Consultants beraten. Eine Wirtschaftlichkeitsstudie kommt von KPMG und strategischer Berater ist die in Dubai firmierende SQ.FT Consulting.