);
Asien Kurier 11/2008 vom 1. November 2008
Thailand

Einzelhändler wollen kräftig investieren

Von Alexander Hirschle (gtai)

Mehr Shoppingzentren und interessante Geschäftspassagen planen die thailändischen Einzelhändler. Die Retailbranche in Bangkok hat ihr Potential noch nicht ausgeschöpft und will in den kommenden Jahren stark expandieren.

Nach Einschätzung des Consultingunternehmens Colliers International Thailand wird die Branche bis 2011 etwa 90 Milliarden Baht (1,76 Mrd. Euro; 1 Euro = 50,95 Baht, 3-Monatsmittelkurs) in den Ausbau der Kapazitäten investieren. Die Verkaufsfläche soll dabei um rund 1 Millionen m2 ausgeweitet werden. Die gesamte Einzelhandelsfläche Thailands beläuft sich derzeit auf rund 4,9 Millionen m2, wovon mit 60 Prozent der Löwenanteil auf Shoppings Malls und Department Stores entfällt.

Der Großteil der neuen Geschäfte soll in den Außenbezirken von Bangkok aus dem Boden sprießen. Vor allem im östlichen Teil der thailändischen Metropole entsteht aufgrund der städtischen Entwicklung rund um den neuen internationalen Flughafen Suvarnabhumi ein immer größerer Bedarf an Einzelhandelsgeschäften. Der Großteil davon dürfte im Stil sogenannter "Community Malls" befriedigt werden, die sich im Gegensatz zu herkömmlichen Einkaufszentren in der Nähe von Wohngebieten ansiedeln.

Dies ist darauf zurückzuführen, dass die thailändischen Konsumenten im Zuge der gestiegenen Benzinpreise und Fahrkosten immer mehr dazu tendieren, ihre Einkäufe in der näheren Umgebung ihrer Wohnorte zu tätigen. Im 1. Halbjahr 2008 belief sich der Zuwachs an Verkaufsfläche in Thailand auf 151.584 m2, wobei 49 Prozent von Shopping Centers und 44 Prozent von Community Malls belegt wurden. Die Auslastung der insgesamt verfügbaren Verkaufsfläche belief sich im Juni 2008 auf mehr als 94 Prozent.

Nach Einschätzung von Experten werden auch in der zweiten Jahreshälfte 2008 Shopping Center und Community Malls die Expansion des Sektors vorantreiben. Inwiefern sich die Dynamik aufrecht erhalten lässt, hängt stark von der Weiterentwicklung der aktuell angespannten politischen Lage ab. Auch die Kaufkraft der thailändischen Konsumenten droht angesichts rückläufiger Konjunkturerwartungen und steigender Inflation nachzulassen. Im Juni und Juli 2008 hatte die Preissteigerung in Thailand mit fast 10 Prozent die höchsten Werte seit jeweils einer Dekade erreicht. Weniger betroffen dürften von diesen negativen Einflüssen nur Einzelhändler sein, die mit ihren Produkten die Grundbedürfnisse der Bevölkerung wie einfachste Nahrungs- und Gebrauchsmittel für den Alltag abdecken.

Aus diesem Grund werden die großen Einkaufsketten im 4. Quartal 2008 ihre Marketingbemühungen verstärken. Der Branchengigant Tesco wird auf 1.000 ausgewählte Basisprodukte Preisnachlässe von durchschnittlich 7 Prozent gewähren. Die Maßnahme war notwendig geworden, da die Tesco-Kunden im Jahresverlauf ihre Shoppingfrequenz von zuvor zweimal pro Monat auf nur noch einen Einkauf reduziert hatten. Auch andere Firmen haben Maßnahmen angekündigt, um die Kunden bei der Stange zu halten und deren Konsumverhalten zu stimulieren.

Hoch im Kurs stehen dabei Punkte- oder Rabattsysteme, die zum Beispiel von der Supermarktkette "Tops" eingeführt werden und die Firma 300 Millionen Baht kosten wird. Der Einzelhändler erhofft sich eine Ausweitung seiner Umsätze um 8 bis 10 Prozent in den kommenden Monaten durch solche Aktionen. Konkurrent Carrefour will Pressemeldungen zu Folge bis Ende des Jahres 150 Millionen Baht in Marketingmaßnahmen investieren, wobei den Kunden des französischen Einzelhändlers Rabatte über Gutscheine angeboten werden sollen.

Auf der Angebotsseite wird es nach Informationen der englischsprachigen Tageszeitung "Bangkok Post" zunehmend schwerer, angesichts steigender Mietpreise attraktive und rentable Verkaufsflächen zu finden. Die durchschnittliche Miete in Top-Lagen bewegt sich zwischen 1.500 und 3.000 Baht pro m2 (29,45 - 58,88 Euro) im Monat. In mittlerer Lage liegt der Vergleichswert immer noch zwischen 1.400 und 2.800 Baht, während in den Randbezirken BangkoksVerkaufsraum bereits ab 1.000 Baht monatlich zu haben ist. Maximal sind dort 1.500 Baht pro m2 zu entrichten.

Eine interessante Alternative wird derzeit von der Gesellschaft Dhanarak Asset Development geprüft:

Künftig soll der Raum unterhalb des auf Pfeilern verlaufenden "Expressways", die mautpflichtige Stadtautobahn, in Bangkok für den Einzelhandel genutzt werden. Mit Investitionen in Höhe von 200 Millionen Baht will die Firma sogenannte"Mini-Malls" unterhalb der Trassen konstruieren, die in erster Linie an kleine Geschäfte vermietet werden sollen. Aber auch einige größere Einheiten sollen sich dort nach den Vorstellungen der Projektentwickler als Publikumsmagneten ansiedeln.

Insgesamt sind in der ersten Phase 2.000 Kleinstshops als Zielgröße ausgegeben, wobei die Pilotprojekte in den zentralen Regionen Sukhumvit Road, Silom Road, Ekamai-Ramintra Road und dem Expressway in der Nähe des Victory Monuments geplant werden. Dhanarek Asset hofft, dass sich die Investition in spätestens sechs bis sieben Jahren amortisiert haben wird. Falls das Konzept greift, soll das Projekt fortgeführt und die Zahl der Geschäfte auf 10.000 an 15 verschiedenen Standorten ausgebaut werden.

Presseberichten zu Folge zieht es darüber hinaus immer mehr thailändische Einzelhandelsketten über die Grenzen, wobei vor allem Indien und die Volksrepublik China im Fokus der Aktivitäten stehen. Dort sollen über Franchise-Modelle die Chancen in diesen aufstrebenden Märkten genutzt werden. Auf diese Weise könnte auch das Wechselkursrisiko des zuletzt schwächelnden Baht zumindest eingedämmt werden. Vietnam gilt aufgrund des starken Wachstums in den vergangenen Jahren ebenfalls als interessanter Kandidat. Allerdings wird hier noch abgewartet, inwiefern sich die weltwirtschaftliche Lage und die Inflation in Vietnam weiter entwickeln.

 

);