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Asien Kurier 12/2008 vom 1. Dezember 2008
China

Ausverkauf

Von Ruth Schneider (OAV)

Die Verfügbarkeit von geeignetem Personal für Fach- und Führungspositionen und qualifizierte Tätigkeiten in der Produktion hat sich mit den hohen Zuwächsen der chinesischen Wirtschaft und

ausländischen Investitionen in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert. Gleichzeitig schraubt sich die Lohnspirale durch die starke Nachfrage bei nahezu gleich bleibendem Angebot auf dem Arbeitsmarkt weiter nach oben.

Der Ausbau der Universitäten sowie die Qualitätssteigerungen in Forschung und Lehre können damit nicht Schritt halten. Ausländische Unternehmen zahlen bereits für qualifizierte Angestellte und Arbeiter in der Regel Gehälter und Löhne, die das Mehrfache der sonst in China üblichen Höhe betragen. Aber auch der landesweite durchschnittliche Bruttomonatslohn ist in China seit dem Jahr 2000 jährlich um durchschnittliche acht Prozent gestiegen.

Mit einem langfristigen Abschwung in der für deutsche Unternehmen relevanten Investitionsgüterbranche

und damit einer Freisetzung von Personal ist laut Aussage von Unternehmensvertretern vor Ort bisher nicht sicher zu rechnen. Während sich das Wachstum in der Leichtindustrie bereits vor der Bankenkrise abschwächte und seit Anfang 2008 fast 70.000 chinesische KMU in den Bankrott trieb, wuchs der Markt für Kapitalgüter trotz steigender Kosten für Energie und Rohstoffe im ersten Halbjahr 2008 robust um 17 Prozent. Die aktuelle chinesische Wachstumsstrategie konzentriert sich auf den Binnenmarkt sowie auf den Ausbau höherwertiger Produktion und des High-Tech-Sektors. Auch das wird die Nachfragen nach qualifizierten Fachkräften und Spezialisten mit Hochschulabschluss noch erhöhen.

In der Praxis ist auch beim weiteren Personalmanagement erhöhter Einsatz sowie Flexibilität der Unternehmen gefordert, wie auch in der Runde der an einer Veranstaltung des OAV und der IHK Hannover teilnehmenden Unternehmen deutlich wurde. Die Fluktuation von Personal mit ausreichender Qualifikation stagniert derzeit auf höchstem Niveau. Zu einer erfolgreichen Bindung der Mitarbeiter an

das Unternehmen gehört, dass intern im Unternehmen und im Zweifelsfall auch in der internationalen Organisation Perspektiven geboten werden. Trainingsmaßnahmen, die nicht mit einer emotionalen Bindung an das Unternehmen verbunden werden, führen in der Regel nur bedingt zum Erfolg.

Auf dem Top-Level werden immer noch fast ausschließlich Expats eingesetzt. Vor Ort gibt es inzwischen ein Potential an erfahrenen deutschen Managern, die nach dem Auslaufen ihrer Verträge nicht nach Deutschland zurückkehren möchten und eine passende Einsatzmöglichkeit in einem anderen Unternehmen suchen. Beim Einsatz solcher Kräfte erreichen Unternehmen ein günstiges Kosten-Nutzen-

Verhältnis, so Reinhard Kolvenbach, Geschäftsführer des Asia Pacific Competence Center der Neumann Leadership Deutschland GmbH. Der Vorteil solcher erfahrener Manager liegt darin, dass sie die Verhältnisse vor Ort sehr gut kennen und damit nicht der Gefahr ausgesetzt sind, zu sehr von den eigenen chinesischen Managern in der zweiten Reihe abhängig zu werden, bestätigt Liane Schmidt von der EAC Euro Asia Consulting PartG. Die jüngsten Neuerungen im Arbeitsrecht tragen auch nicht zu einer Entspannung der Situation auf dem Arbeitsmarkt bei, so die Einschätzung von Dr. Philip Lazare und Dr. Li Guang von der Kanzlei Luther Rechtsanwälte. Die Möglichkeit der Arbeitnehmer, ihre Rechte durchzusetzen, sind im neuen Arbeitsvertragsrecht verbessert worden. Arbeitgeber sind hingegen zunehmend gezwungen, Formalia einzuhalten.
 

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