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Asien Kurier 12/2008 vom 1. Dezember 2008
Thailand

GTS? 08 - Showcase der Wirtschaftsbeziehungen

Von Horst Rudolf

Die Show war gut, das "Case" muss nach überwiegender Meinung noch von einem goldenen Käfig zum Publikumsmagnet werden. Die Traditions-Messe ?German Technology Symposium & Exhibition?, kurz ?GTS?, hatte in ihrer neunten Auflage den Sprung vom etwas abgelegenen "Queen Sirikit Center" in die nagelneuen Hallen und Infrastruktur des ehemaligen "World Trade Center" im Herzen der pulsierenden Hauptstadt Bangkok geschafft.

Eigentlich eine geniale Idee, wenn man auch den erwarteten wenig fachkundigen Shopper- und Kindermassen mit gemischten Gefühlen entgegensah - doch die fielen schlicht aus. Denn die Vermieter des "Centara Grand International Convention Center" - welches Chiratiwat, der bekanntesten Geschäftsfamilie des Landes gehört - hatten den Begriff "Exklusivität" wohl etwas zu wörtlich interpretiert. Wer vorfuhr oder vorfahen ließ, war König, das Fußvolk machte Schnitzeljagd und verlor sich in den Shopping Malls.

Doch wer die Hürde des Zugangs geschafft hatte, wurde entsprechend belohnt. Die perfekt beleuchtete und geräumige Messehalle ließ mit einem Blick erkennen, wo die Giganten wie Siemens, Mercedes, ThyssenKrupp und die vielen bekannten Gesichter über Staedler, Faber-Kastell, Festo oder Lufthansa ihre Präsentationen aufgebaut hatten.

Vor allem wurde diesmal nicht der Blick und vor allem der Zugang zu den trotz allem gut belagerten Anbietern deutscher Trink- und Ess-Spezialitäten beschränkt. An deren Ständen fand letztendlich das statt, was in diesem Jahr wohl der Schwerpunkt des Erfolges war: das B2B-Geschäft. Im Gegensatz zu früheren Veranstaltungen hatten die Firmenvertreter - gewissermaßen auf der Rückseite der Medaille fehlender Besuchermassen - Zeit und ein perfektes Umfeld, ihre Kontakte und Gespräche intensiv und ausführlich zu führen.

Für das Rahmenprogramm, das die "GTS-Familie" mit Symposien zu einer großen Zahl interessanter Themen so einzigartig macht, galt das gleiche: einerseits fehlte häufig das Publikum, andererseits fanden die interessierten Fachleute ihre Informationen und Gesprächspartner ohne Gedränge in den nahe gelegenen und gut bewirtschafteten Vortragssäalen - und vor allem hatten sie Gelegenheit für Diskussionen, Fragen und Antworten, was bei Massenveranstaltungen sonst häufig unter den Tisch fällt.

Das Spektrum entsprach der Breite des Messeangebotes: auf der einen Seite präsentierten Firmenvertreter ihre Produkte und Ideen, auf der anderen fiel die Zahl hochaktueller übergreifender Themen auf - allen voran zu Umweltfragen und Rechtsberatung. Bei heiß diskutierten Themen wie "Kapitalanlagen in Krisenzeiten" erhielt ein Redner besondere Aufmerksamkeit, als er darlegte, dass die Märkte derzeit nicht mehr von Fundamentaldaten oder Rentabilitäsrechnungen gesteuert würden, sondern von Jahrtausende alten menschlichen Verhaltensweisen.

Höhepunkt bei den Veranstaltungen war der Vortrag des amtierenden ASEAN-Generalsekretärs, Dr. Surin Pitsuwan, der als Thailänder mit seinem Ruf als unabhängiger Denker die Zuhörer wieder einmal auf ihre Kosten kommen ließ - einschließlich dem neuernannten deutschen Botschafter in Thailand, Dr. Hanns Schumacher. Dazu muss man wissen, dass mit Schumacher nicht nur "irgendein" neuer Botschafter für die nächsten Jahre die bilateralen Beziehungen am Chao Praya River gestalten wird. Vielmehr gilt der frühere Pressesprecher des Auswärtigen Amtes als ein Diplomat, der mehr als nur ein Land oder eine Region im Auge hat und über den Tellerrand hinausschaut.

Surin wiederum zog alle Register seines professionellen Charms, um gleichzeitig Werbung für sein Land uns die deutsch-thailändischen Wirtschaftsbeziehungen zu machen, aber auch die Vorteile einer intensiveren Zusammenarbeit mit der Regionalorganisation ASEAN herauszustellen. Wenn in den kommenden Monaten endlich die Charta der Vereinigung in Kraft tritt, macht dies ASEAN noch nicht zu einer Mini-EU, doch hat man dann neben den sichtbaren Vorteilen niedriger Zölle und einer verbesserten wirtschaftlichen Integration auch endlich einen formellen Rahmen geschaffen, der langfristig das poltische Gewicht der Gruppe substantiell erhöhen soll.

Die Schwesterveranstaltung der GTS '08 ?Lifestyle and Travel? gab der Mischung aus Fach-Symposium, Hightech-Messe und Informationsveranstaltung der deutschen Wirtschaft diesmal eine besonderes Note. Denn wenn etwas ins Auge sprang, waren es die Stände der deutschen Winzer mit ihren Spitzenprodukten, die bald zum Hub der meisten B2B-Gespräche wurden ? selbst Franzosen wären neidisch geworden.

150 Jahre nach Beginn deutsch-thailändischer Wirtschaftsbeziehungen wird man verschmerzen, dass es diemal keine Show für die Massen, sondern ein Elite-Treffen der Investoren und Genießer war. Nachdem man sich nun im neuen Rahmen aufgestellt hat, wird die nächste GTS - dann 2011 ? sicher auch ein Publikumsmagnet.




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