
In die nach wie vor restriktive indische Einzelhandelslandschaft kommt Bewegung. Die Regierung hat angekündigt, den Sektor weiter für ausländische Investoren zu öffnen. Allerdings bleibt der Lebensmitteleinzelhandel auch weiterhin Tabu für internationale Retail-Konzerne. Einer Studie der
Unternehmensberatung McKinsey zufolge soll bis 2015 der Anteil des organisierten Einzelhandels am Gesamtumsatz der Branche von heute 5 auf 18 Prozent steigen.Die indische Regierung unternimmt nach 2007 erneut einen Anlauf, den Einzelhandelssektor stärker für ausländische Direktinvestitionen zu öffnen. Laut Department of Industrial Policy and Promotion (DIPP) soll die bislang gültige Beteiligungsgrenze im Single-Brand-Retail von maximal 51 Prozent wegfallen. Die Regelung für den Einmarkenhandel war erst Anfang 2006 in Kraft getreten, konnte jedoch kaum das Interesse ausländischer Unternehmen am Standort Indien wecken, da die meisten Markenanbieter eine 100-prozentige Beteiligung anstreben.Unter anderem hatte die schwedische Möbelkette Ikea klar gemacht, dass sie ihre globale Strategie von 100 Prozent-Beteiligungen nicht für den indischen Markt aufgeben werde und zuletzt 2007 ein Engagement auf dem Subkontinent mittelfristig ausgeschlossen. Entsprechend verzeichnete DIPP in den letzten zweieinhalb Jahren lediglich 33 Finanzbeteiligungen ausländischer Anbieter, davon der Großteil im Luxusmarkensegment, das bislang nur einen marginalen Umsatz in Indien erzielt.Ob durch die nun angestrebte Gesetzesänderung ein größeres Interesse bei international operierenden Single-Brand-Einzelhändlern geweckt werden kann, bleibt abzuwarten, denn der Gesetzentwurf sieht eine Reihe von Einschränkungen für potentielle ausländische Investoren vor. Demnach müssen die Unternehmen bei einer Beteiligung über 51 Prozent die Hälfte des Umsatzes aus lokal produzierten Produkten generieren. Erreichen die Anbieter diese Quote innerhalb einer Frist von fünf Jahren nicht, müssen sie ihre Beteiligung auf 51 Prozent herunterfahren.Nicht nur das Einzelmarkensegment wird liberalisiert, auch der Multi-Brand-Einzelhandel soll erstmals für ausländische Investitionen geöffnet werden. Diese Sparte ist nach wie vor fest in indischer Hand. Doch nach Plänen der Regierung sollen hier künftig Beteiligungen in einer Höhe von 51 Prozent erlaubt sein. Die neue Regelung wird allerdings nur für eine Reihe von Konsumgütern wie Unterhaltungselektronik, Haushaltsgeräte, Computer und Zubehör, Sportartikel sowie Uhren gelten. Der Lebensmitteleinzelhandel bleibt damit auch weiterhin Tabu für ausländische Konzerne.Ob die Regierung mit ihrem Liberalisierungsvorstoß, der sogar noch weiter geht als die erste Initiative vom Januar 2007, größeren Erfolg haben wird, ist jedoch fraglich. Zwar muss die amtierende Regierungskoalition, United Progressive Alliance (UPA,) keine Rücksicht mehr auf die linken Parteien im Parlament nehmen. Denn diese hatten Mitte 2008 im Streit um den Nuklearvertrag mit den USA ihre Unterstützung für die UPA aufgekündigt.Doch auch in der Regierung selbst ist die Öffnung des Einzelhandels für ausländische Investoren umstritten und eine Mehrheit für den Gesetzentwurf keineswegs sicher. Darüber hinaus haben sich bereits die lokalen Einzelhandelsverbände und Interessengruppen der Landwirte in Position gebracht. Denn sie befürchten, dass die jetzt geplante Liberalisierung nur der erste Schritt zu einer Öffnung des gesamten Retailsektors - also auch des Lebensmitteleinzelhandels - bedeutet.Wie stark der Widerstand in Indien nicht nur gegen den organisierten Retail, sondern auch ausländisches Engagement im Wholesale sein kann, hat der deutsche Groß- und Einzelhandelskonzern Metro erst vor kurzem zu spüren bekommen. Das Unternehmen ist seit einigen Jahren mit seiner "Cash&Carry"-Großhandelssparte im südindischen Bangalore vertreten. Die geplante Expansion in die ostindische Millionenstadt Kolkata ist nun ins Stocken geraten. Denn die an der kommunistischen Regierungskoalition beteiligte Linkspartei All India Forward Bloc hatte Ende September die Verlängerung der Lizenz des Agricultural Produce Marketing Commitee (APMC) verweigert.Die Genehmigung ermöglicht Metro Cash&Carry den Großhandel mit kommerziellen Abnehmern - auch mit Lebensmitteln und Agrarerzeugnissen. Die Partei begründet ihr Vorgehen mit dem Hinweis, dass es in Kolkata bereits lokale Händler gebe, die Hotels, Restaurants und Krankenhäuser belieferten und derenExistenz durch den Markteintritt von Metro bedroht sei. Das Unternehmen hat bereits 1,4 Milliarden indische Rupien (rund 21 Mio. Euro; 1 Euro = 65,39 Rupien, 3-Monatsmittelkurs) in Kolkata investiert und beschäftigt rund 350 Mitarbeiter.Insgesamt sollen hier vier Märkte mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 5,6 Milliarden Rupien eröffnet werden. Laut Presseinformationen soll die Lizenz nun - unter bestimmten Auflagen für Metro - Mitte Oktober verlängert werden.Trotz der für ausländische Investoren nach wie vor ungünstigen Rahmenbedingungen bietet der organisierte Einzelhandel auf dem Subkontinent Wachstumspotential. Laut einer Marktstudie der Unternehmensberatung McKinsey soll sich der Umsatzanteil von modernen Retail-Formaten wie Super- und Hypermärkten oder Shopping-Malls bis 2015 von heute 5 auf 14 bis 18 Prozent erhöhen. Der Gesamtumsatz im Einzelhandel soll in diesem Zeitraum von derzeit 310 auf 450 Milliarden US-Dollar zulegen. Die Zahl der Haushalte, die über genügend Einkommen verfügen, um als Kunden für den organisierten Einzelhandel in Frage zu kommen, wird sich laut McKinsey von heute 13 auf 65 Millionen verfünffachen.Department of Industrial Policy and Promotion (DIPP)Udyog BhawanNew Delhi 110 011, IndienTel.: 91 11 2306 1222Fax: 91 11 2306 2626Web www.dipp.nic.in