
Die Zeiten ändern sich - und so auch die koreanische Industriepolitik. Weltweit gelten vor allem die Umwelt und Energietechnik als Wachstumsbranchen par excellence. Die Notwendigkeit, etwas gegen die globale Erderwärmung zu tun, lässt allenthalben die Nachfrage etwa nach Photovoltaik- oder Windkraftanlagen in die Höhe schnellen.
Südkorea will in den kommenden Jahren mit neuen Schwerpunkten seine industrielle und technologische Konkurrenzfähigkeit bewahren. Energie, Umwelt und ausgewählte Hochtechnologiesektoren stehen im Mittelpunkt eines Plans, den die koreanische Regierung Ende September 2008 vorgelegt hat. Mit der Neuausrichtung soll den veränderten weltwirtschaftlichen Gegebenheiten Rechnung getragen werden.In einem älteren Plan aus dem Jahr 2003 setzte Südkorea den Akzent vor allem auf die Informations- undKommunikationstechnik als Haupttriebkraft der Wirtschaft. Gleichzeitig wird die Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet umweltfreundlicherAutos massiv verstärkt. Hinzu kommen die immer schnelleren Veränderungen zum Beispiel in der Informationstechnik oder in der Unterhaltungselektronik.Mit der früheren industriepolitischen Ausrichtung ist heute allerdings nur sehr bedingt geschäftlicher Erfolg für die eigene Wirtschaft möglich. Dieser Einsicht hat sich auch die Regierung nicht verschließen können. Am 22. September 2008 stellte das Ministry of Knowledge Economy (MKE) einen neuen Plan vor, mit dessen Hilfe das ostasiatische Land auch in den kommenden Jahren seine Position als eine der weltweit führenden Export- und Technologienationen behaupten soll.Im Einzelnen hat das MKE zusammen mit Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft sechs Felder zu neuen Wachstumsmotoren bestimmt. Dabei handelt es sich um Energie und Umwelt, Transportsysteme,neue Informationstechnik, Konvergenztechnologien, die Bio- und Medizintechnik sowie sogenannte wissensbasierte Dienstleistungen. In diesen Bereichen wurden insgesamt 22 als besonders wichtig erachtete Themenfelder ausgewählt.Schwerpunkte bei Energie und Umwelt sind unter anderem die "clean-coal"-Technology sowie Brennstoff und Solarzellen. Im Bereich Transportsysteme sollen zum Beispiel umweltfreundliche Autos besonders gefördert werden. Innerhalb der "neuen Informationstechnik" gilt das Augenmerkt vor allem Halbleitern und Displays. Bei den Konvergenztechnologien, das heißt der Verbindung verschiedener Technologiefelder, soll besonders an der Weiterentwicklung integrierter Telekommunikations- und Rundfunkmedien sowie an neuen Werkstoffen und hierauf bezogenen Nanotechnologien gearbeitet werden. In der Biotechnologie will Südkorea den Akzent auf neue Arzneimittel sowie medizinische Ausrüstungen und Geräte legen. Schließlich gilt innerhalb der wissensbasierten Dienstleistungen das Augenmerk Software, Design, der Gesundheitsvorsorge sowie kulturellen Inhalten.Ausgehend von den Schwerpunkten werden konkrete Forschungs- und Entwicklungsprojekte festgelegt.Teilweise dürfte es sich um die Fortschreibung von Vorhaben handeln, die bereits umgesetzt werden.Wahrscheinlich gilt dies zum Beispiel für Projekte zur Entwicklung von umweltfreundlichen Hybrid- und Brennstoffzellenauto. Entsprechend veranschlagt das MKE für diesen Bereich im neuen Plan für den Zeitraum von 2009 bis 2013 Ausgaben von 1.300 Milliarden Won (780 Mio. Euro; 1 Euro = 1.660 Won, 3-Monatsmittelkurs). Andere Themenfelder sind im Vergleich sehr viel kostenintensiver. Insgesamt beziffert die Regierung die Gesamtausgaben für das Programm auf 99.400 Milliarden Won. Rund 92 Prozent hiervon soll der private Sektor beisteuern.Der neue Plan bedeutet eine Neuausrichtung der koreanischen Industriepolitik. In der Vergangenheit legte die Regierung den Schwerpunkt vor allem auf die Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik. "Wachstumsmotoren" des vorherigen Plans aus dem Jahr 2003 waren:Digitalfernsehen und -rundfunk, Displays, intelligente Roboter, (Hybrid-) Autos, Halbleiter der nächsten Generation, Ausrüstungen und Systeme der Mobilkommunikation, intelligente Heimnetze, digitale Inhalte und Software, neue Batterien und biomedizinische Produkte. In Teilen zählen diese Felder auch jetzt wieder zu den Wachstumsmotoren; doch die klare Dominanz der Informations- und Kommunikationstechnik ist nicht mehr gegeben. Diese Ausrichtung war unter anderem von der US-amerikanischen RAND Coroprationals "zu einseitig" kritisiert worden. Als Folge hatte die koreanische Regierung schon 2006 ihre nationale Wissenschaftsstrategie verändert, indem sie der Energie- und Umwelttechnik eine stärkere Rolle einräumte. Der neue "Wachstumsmotorenplan" geht jetzt in eine ähnliche Richtung.Details zum Plan (75 Seiten) hat das Ministry of Knowledge Economy (MKE) am 23. September 2008 in einer koreanischsprachigen Pressemeldung veröffentlicht. Sie kann von der Homepage des Ministeriums(www.mke.go.kr) heruntergeladen werden.