
Malaysias Regierung möchte die langfristige Stromversorgung für Wirtschaft und Bevölkerung besser absichern. Zwar bestehen derzeit noch ausreichende Kapazitätsreserven, aber einige Kraftwerke sind veraltet und die Stromnachfrage wächst in dem südostasiatischen Land kontinuierlich.
Mit der Erzeugung, Durchleitung und Verteilung von Elektrizität sind in Malaysia drei Unternehmen betraut. Die Aktiengesellschaft Tenaga Nasional ist für die westmalaysische Halbinsel zuständig. Auf der Insel Borneo halten die Firmen Sabah Electricity, die wiederum zu 80 Prozent Tenaga gehört, und Sarawak Energy die jeweiligen Versorgungsmonopole in ihren Bundesstaaten. Strom erzeugen außerdem 14 zugelassene private Versorger (Independent Power Producer, IPP), die ihren Strom zu festgesetzten Preisen in die Netze der drei Elektrizitätsunternehmen einspeisen.Die installierte Kapazität in Sabah beträgt 790 MW, die Nachfrage rund 612 MW. Sarawak verfügt über rund 967 MW bei einem Bedarf von ungefähr 810 MW. Der wichtigste Strommarkt liegt in Westmalaysia mit einer Kapazität von 19.723 MW. Davon verfügt Tenaga über ein Leistungsangebot von 10.835 MW und sechs IPP über 8.887 MW. Im Mai 2008 erreichte die westmalaysische Stromnachfrage nach Angaben der Tenaga einen historischen Spitzenwert von 14.007 MW. Die Sicherheitsreserve lag in diesem Monat bei 41 Prozent.Zwar meldet Tenaga seit Mitte 2008 eine rückläufige Stromnachfrage, insbesondere die Stahlindustrie habe weniger Elektrizität abgenommen. Auf mittlere Sicht prognostiziert der Konzern aber einen Nachfragezuwachs von über 5 Prozent pro Jahr. Damit künftig keine Versorgungsengpässe entstehen, möchte Tenaga mehrere Investitionen tätigen, denn bei der Modernisierung und Erweiterung ihrer Infrastruktur sei ein größerer Nachholbedarf aufgelaufen.Die finanziellen Mittel für neue Anschaffungen waren lange knapp. Erst nach einer zehnjährigen Pause genehmigte das Kabinett im Juni 2006 den Stromanbietern eine Tariferhöhung. Im Juni 2008 folgte eine weitere Anpassung der Strompreise aufgrund steigender Energiebeschaffungskosten für die Stromerzeugung. Eine verkaufte Kilowattstunde kostete Tenaga in den ersten neun Monaten des Jahres 2008 im Durchschnitt 23,0 Sen (rund 4,8 Eurocent), im Vorjahreszeitraum betrugen die Kosten 20,7 Sen.Im August 2007 kündigte die Firmenleitung ein Ausgabenprogramm in Höhe von 15 Milliarden Ringgit (etwa 3,1 Mrd. Euro, 1 Euro = 4,82 Ringgit, 3-Monatsmittelkurs) an, das sich über einen Fünfjahreszeitraum erstreckt. Davon sollen die meisten Investitionen (etwa 8 Mrd. Ringgit) in die Modernisierung der Stromnetze und der Netzverbindungen fließen. Das Programm sieht unter anderem den Austausch von Kabelsystemen, Transformatoren, Schaltanlagen sowie die Beschaffung eines Geoinformationssytems für die raumbezogene Datenanalyse vor. Tenaga möchte mit diesen Maßnahmen die Ausfallzeiten reduzieren und die Versorgung ländlicher Regionen verbessern.Der übrige Teil des Investitionsprogramms fließt in neue Kraftwerke. Bis zum Jahr 2013 plant Tenaga mit einer zusätzlich installierten Kapazität von circa 2.700 MW. Das gasbefeuerte Kombikraftwerk Tuanku Jaafar in Negri Sembilan soll Ende 2008 mit einer Kapazität von 750 MW ans Netz angeschlossen werden.Ausgeschrieben wurden Mitte 2008 ferner zwei neue Wasserkraftwerke, eines in Ulu Jelai (Kapazität 372 MW) und eines in Hulu Terengganu (212 MW), die bis zum Jahr 2013 errichtet sein sollen. Das Kohlekraftwerk in Jimah, das der IPP Jimah Power Sdn Bhd derzeit baut, geht mit einer Kapazität von zweimal 700 MW voraussichtlich im Januar und Juli 2009 in Betrieb. Der IPP Malakoff errichtete in Tanjung Bin bereits ein Kohlekraftwerk mit 2.100 MW, das im August 2007 den Betrieb aufnahm. Ab dem Jahr 2013 rechnet Westmalaysia darüber hinaus mit einer Stromversorgung aus dem Bakun-Wasserkraftwerk auf der Insel Borneo. Dieses Großkraftwerk mit einer installierten Leistung von 2.400 MW soll 2010 ans Netz gehen. Die Planungen sehen vor, dass ein Teil seiner Stromproduktion (1.600 MW) ab 2013 auf die malaysische Halbinsel durch ein Unterseekabel transferiert wird. Seit einigen Jahren liegen Entwürfe für die Verlegung eines ungefähr 700 km langen Kabels im südchinesischen Meer vor.Nachdem der Mischkonzern Sime Darby Mitte 2008 aus dem Projekt ausstieg, haben Tenaga und Sarawak Energy Angebote für die Übernahme des Bakun- und des Kabel-Projektes abgegeben. Fachleute schätzen die Investitionskosten beider Vorhaben auf über 20 Milliarden RM. Die Konzernführung von Tenaga erklärte Mitte Oktober 2008, dass sie an Alternativplänen arbeitet, falls sich die Stromversorgung aus Bakun verzögern und die Stromnachfrage in Westmalaysia mittelfristig stärker als erwartet zunehmen sollte. Sie erwägt weitere Kraftwerksprojekte, ohne dass die Manager Details nannten.Experten rechnen gegebenenfalls mit Erweiterungen von bestehenden Kohlekraftwerken, weil das Energieministerium bisher auf diese Ressource setze. Um die Abhängigkeit von der Gasbefeuerung zu reduzieren, möchte es nach eigenen Plänen den Anteil der Kohle von 22 auf 37 Prozent im Jahr 2010 erhöhen. Gleichzeitig warnt Tenaga vor steigenden Kohlepreisen. Die Aktiengesellschaft meldete für das Finanzquartal Juni bis August 2008 nach längerer Zeit wieder einen betrieblichen Verlust, insbesondere weil die Preise für Kohle stark angezogen haben.Mehr Klarheit über die künftige Energiepolitik soll eine Studie schaffen. Am Auftrag des Energieministeriums arbeitet eine Kommission derzeit an einem "National Energy Blueprint", der Ende 2008 vorgelegt werden soll. Das Konzeptpapier dürfte der Stromwirtschaft eine Orientierung für ihre Investitionsentscheidungen geben. Denn als Ergänzung der fossilen Energieträger prüfen das Ministerium und Tenaga unter anderem den erstmaligen Einsatz von Kernkraft.Der Minister für Energie, Wasser und Kommunikation Shaziman überlegt darüber hinaus, die Sicherheitsreserve von 41 auf 25 Prozent im Jahr 2014 zu senken. Mit erfolgreichen Investitionen in die Netzsysteme könnten nach seiner Ansicht alte Kraftwerke, die überwiegend der Reserve dienen,abgeschaltet werden. Damit würden die Versorger etwa 1,5 Milliarden Ringgit pro Jahr an Bereitstellungskosten sparen.Mit diesem Geld ließe sich der Einsatz erneuerbarer Energie stärker subventionieren, die bisher eine sehr überschaubare Rolle spielt. Die Regierung verfolgt offiziell das Ziel, bis zum Jahr 2010 zumindest 350 MW aus erneuerbaren Energieträgern zu erzeugen. Mitte Oktober 2008 gab der Energieminister bekannt, dasser an einer Einspeisevergütung für erneuerbare Energie nach europäischem Vorbild arbeite. Ein fester Einspeisetarif könnte "grünen Strom", für den sich in Malaysia insbesondere die Ressourcen Biomasse, Sonne und Wasserkraft eignen, zum Durchbruch verhelfen.Ministry of Energy, Water and CommunicationsBlock E4/5 Parcel E, Federal Government Administrative Centre62668 Putrajaya, MalaysiaTel.: 60 3 8883 6200Fax: 60 3 8889 3712Email: webmaster@ktak.gov.myWeb: www.ktak.gov.mySuruhanjaya Tenaga (Energiekommission)13. Floor, Menara TH Perdana, 1001, Jalan Sultan Ismail50250 Kuala Lumpur, MalaysiaTel.: 60 3 2612 5400Fax: 60 3 2693 7791Email: info@st.gov.myWeb: www.st.gov.myTenaga Nasional Berhad129, Jalan Bangsar59200 Kuala Lumpur, MalysiaTel.: 60 3 2296 5566Fax: 60 3 2283 3686Email: CoSec@tnb.com.myWeb: www.tnb.com.my