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Asien Kurier 12/2008 vom 1. Dezember 2008
VAE

Vorfreude aufs Bahnfahren

Von Achim Haug (gtai)

Auf der Arabischen Halbinsel wird ein umfassendes Schienennetz aufgebaut. Die Staaten der Ostküste werden verbunden und Saudi-Arabien gequert. Gütertransporte dürften dann schneller und billiger werden. Dubai, Abu Dhabi und Kuwait setzen derweil auf moderne Stadtbahnen zur Vermeidung des Verkehrsinfarkts. Am weitesten gediehen ist eine Monorail, welche auf Dubais künstlicher Sandinsel in Palmenform die ersten Proberunden dreht. Ein Schienenverkehr war in der Region bislang praktisch nicht existent.

Mitte Oktober 2008 haben sich die für den Transport zuständigen Minister des Golfkooperationsrates (GCC) auf ein Eisenbahnprojekt verständigt, das alle sechs Mitgliedsländer - Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) - verbinden soll. Die etwa 1.500 km lange Strecke führt von Kuwait entlang der Ostküste der Arabischen Halbinsel durch Saudi-Arabien und die VAE bis nach Oman. Stichstrecken zweigen nach Bahrain und Katar ab.

Planungsgrundlage ist eine Durchführbarkeitsstudie der kanadischen Canarail, der französischen Systraund der libanesischen Khatib & Alami . Erste Kostenschätzungen sprechen von 12 Milliarden US-Dollar. Unklar ist bislang, ob es eine gemeinsame Aufsichtsbehörde geben wird oder ob jeder seinen eigenen Streckenabschnitt lieber selbst kontrollieren möchte. Seit dem ersten Weltkrieg, als die legendäre Hedschas-Strecke von Damaskus nach Medina weitgehend zerstört wurde, gibt es auf der Arabischen Halbinsel keinen nennenswerten Schienenverkehr mehr.

Neben dem gemeinsamen Großprojekt verfolgen die einzelnen GCC-Staaten auch eigene Vorhaben, bei denen die VAE - wieder einmal - den Vorreiter spielen. Dort wurde bereits beschlossen, eine nationale Bahnaufsicht einzurichten, die den Aufbau und Unterhalt eines Zugnetzes überwachen wird. Eine ihrer ersten Aufgaben wird es sein, eine Bahnverbindung zwischen dem Emirat Fujaira am Golf von Oman und der Hauptstadt Abu Dhabi voranzutreiben. Die Strecke soll vor allem den Güterverkehr auf der Straße verringern. In einem zweiten Schritt ist eine Erweiterung bis an die saudi-arabische Grenze vorgesehen,

was das Schienennetz auf insgesamt rund 900 km ausdehnen würde.

Das quirlige Emirat Dubai setzt derweil auf High-Tech im öffentlichen Personennahverkehr. Dort wird derzeit die erste Monorail-Bahn des Mittleren Ostens erprobt, die ab April 2009 Bewohner und Besucher der künstlichen Insel The Palm Jumeirah transportieren soll. Mit Hochdruck wird auch an dem sehr viel größeren Projekt einer Metro gearbeitet. Am 9. September 2009 wird eine erste Linie in Betrieb gehen - gleichzeitig mit der geplanten Eröffnung des Burj Dubai, dem höchsten Wohnturm der Welt. Eine zweite Strecke soll im März 2010 freigegeben und eine dritte im Januar 2009 ausgeschrieben werden. Eine vierte ist in Planung. Die Metro fährt meist oberirdisch und braucht keine Fahrer. Die Stationen sind voll klimatisiert.

Im Oktober 2008 wurde auch der Startschuss für ein weiteres Personennahverkehrsprojekt gegeben: die AlSufouh Tram. Bis 2011 sollen auf 9,5 km küstennahe Wohngebiete vernetzt werden. Bis 2020 will das Emirat 27 Milliarden US-Dollar für Transportprojekte ausgeben, darunter auch für eine Verbindung mit Abu Dhabi. Dort wurde ebenfalls die Notwendigkeit erkannt, den öffentlichen Personennahverkehr auszubauen, um den drohenden Verkehrsinfarkt abzuwenden. Planungsgrundlage ist ein Masterplan, der bis 2030 reicht (www.transportabudhabi.ae). Die einzige bereits etablierte Eisenbahn auf der Arabischen Halbinsel fährt in Saudi-Arabien zwischen der Hauptstadt Riad und der Industriestadt Dammam im Osten. Die staatliche Saudi Railways Organisation (SRO) prüft derzeit drei neue Strecken, darunter das Landbridge Project, eine Verbindung zwischen Dschidda am Roten Meer und Dammam via Riad. Bislang erfolgt der Gütertransport auf dem Seeweg und dauert vier bis fünf Tage, über die Schiene wäre er in 18 Stunden möglich. Ein schneller Passagierzug könnte die Strecke sogar in der halben Zeit schaffen. Geplant ist auch eine Anbindung von Jubail. Eine erste Kostenschätzung spricht von 5 Milliarden US-Dollar. Die Aufsicht für das Landbridge Projekt liegt bei der SaudiLand Bridge Company.

Weitere Pläne betreffen eine Nord-Süd-Straße, welche die Bauxit- und Phosphat-Minen in Hazm al-Jalamidan die weiter verarbeitenden Industrien in Ras al-Zour im Osten anbinden wird. Diese Strecke soll auch eine Personenbeförderung von Riad nach Hail und Quarrayet beinhalten. Ebenso verbunden werden Dschidda mit Mekka und Medina mit Yanbu. Alles zusammen macht rund 2.800 km Schienennetz. Eine gute Übersicht über diese und weitere Eisenbahnpläne Saudi-Arabiens gibt es auf der Webseite www.saudirailexpansion.com. Beobachter rechnen noch für 2008 mit der Vergabe wichtiger Aufträge.

In Katar gibt es ebenfalls Neues in Sachen Eisenbahn. Dort wurde Ende August 2008 ein Vertrag mit der Deutschen Bahn über den Aufbau eines Zugnetzes abgeschlossen. Auftraggeber ist die staatliche Investmentgesellschaft Qatari Diar Real Estate Investment Company. Katar würde sich gerne für die Olympischen Spiele 2016 bewerben. Eine gute Verkehrsinfrastruktur brächte da Pluspunkte.

Geplant ist eine Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Katars Hauptstadt Doha und Bahrains Hauptstadt Manama über eine Brücke. Für diese Strecke war 2005 einmal der Transrapid im Gespräch.

Weitere Vorhaben Katars betreffen eine Güterzugstrecke für die Ostküste, eine Metro für Doha und eine Nahverkehrsbahn zwischen Lusail, Education City und West Bay.

Auch im Oman wurden Pläne für ein erstes Eisenbahnprojekt vorgestellt, das zunächst Güterverkehr und zu einem späteren Zeitpunkt einen Passagierservice vorsieht. Geplant ist eine 200 km lange Strecke zwischen Birka bei Maskat und dem Hafen von Sohar. Im Anschluss daran könnte die Trasse nach Duqm an der Südküste weitergeführt werden, wo ein neuer Hafen gebaut wird.

Kuwait will unterdessen in seiner Hauptstadt vier Metrolinien bauen. Schon 2009 könnten erste Public-Private-Partnership-Vereinbarungen getroffen werden. Gedacht ist an circa 170 km Schienen, von denen ein Drittel unterirdisch verlaufen soll. Die Kosten werden auf 11 Milliarden US-Dollar veranschlagt. Zu demgeplanten GCC-Schienennetz will Kuwait 7 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 500 km Strecke beisteuern. Beide Projekte sollen bis 2014 abgeschlossen werden.

Der König von Bahrain outete sich derweil im September 2008 als Eisenbahn-Fan. Seine Vision ist eine Bahnverbindung mit Europa. Am liebsten würde er schon in fünf Jahren mit dem Zug in die Türkei fahren, berichtet die Lokalpresse.

 

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