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Asien Kurier 12/2008 vom 1. Dezember 2008
Vietnam

Banken setzten auf die Zukunft

Von Dr. Stefanie Schmitt (gtai)

Gerade einmal zehn Prozent der 86,5 Millionen Menschen zählenden Bevölkerung Vietnams besitzen ein eigenes Konto. Auch das Unternehmensgeschäft ist für Auslandsbanken nur weniger schlossen und daher gilt das Potential des Bankensektors dieses Schwellenland als enorm.

Eine Reihe ausländischer Banken beobachtet mit großem Interesse den vietnamesischen Markt. Zwar gilt das Land mit einem Bruttoinlandsprodukt von gerade einmal rund 75 Milliarden US-Dollar und gegenwärtig zu vielen und insbesondere zu kleinen "Spielern" als "overbanked". Trotzdem herrscht Optimismus. Tatsächlich geht es jetzt darum, sich eine optimale Startposition zu sichern.

Nach Angaben der Zentralbank gibt es derzeit fünf staatliche Geschäftsbanken (geschätzter Marktanteil rund 60 Prozent, eine davon teilprivatisiert), 35 private Geschäftsbanken auf Aktienbasis, fünf Joint-Venture-Banken sowie 37 Zweigstellen ausländischer Banken und 54 Repräsentanzen. Letztere dürfen allerdings nicht operativ tätig werden. Hinzu kommen 13 Leasinggesellschaften und 998 Volkskreditfonds. Von deutschen Bankhäusern sind bislang sieben in Vietnam vertreten, darunter die BHF-Bank, die Commerzbank und die HSH Nordbank; allerdings verfügt nur die Deutsche Bank über eine operativ agierende Zweigstelle.

Im September 2008 bezifferte ein Vertreter der Zentralbank in Hanoi den Anteil der ausländischen Institute am Bankgeschäft auf gerade einmal 13 Prozent; dieser könnte sich indes bald erhöhen. Insbesondere die britischen Geldhäuser Hong Kong and Shanghai Banking Corporation (HSBC) und Standard Chartered Bank sowie die Australia & New Zealand Banking Group (ANZ) wollen den Markt über ein eigenes Filialnetz erobern und dabei sowohl Privat- als auch Firmenkunden ansprechen.

In der Privatkundensparte liegt der Fokus auf prosperierenden Bevölkerungsschichten in den Großstädten,

im "Corporate Business" auf dem fast ausschließlich über Staatsbanken bedienten staatlichen Unternehmenssektor. Denn auch dieser Bereich wird allmählich transparenter und offener werden müssen, heißt es. Deshalb sei es heute schon wichtig, durch Präsenz vor Ort relevante Kontakte aufzubauen. Von Interesse ist auch der sehr dynamische private Unternehmenssektor, wobei die Einschätzung der tatsächlichen Finanzkraft angesichts eher bescheidener Buchführung häufig nur sehr schwierig zu bewerkstelligen ist. In diesem Umfeld dürfte sich zumindest mittelfristig die Zahl der Auslandsbanken, welche sich umfassend engagieren wollen, auf vier bis fünf beschränken. Dies gilt umso mehr vor dem Szenario der internationalen Finanzkrise, so die Einschätzung von Ashok Sud, Chief Executive der Standard Chartered Vietnam.

Tatsächlich ist die Gründung einer 100 Prozent eigenen Tochter ("subsidiary") aufwändig und teuer. Abgesehen von bestimmten Anforderungen an Bankqualität und Größe, welche erfüllt sein müssen, sind 180 Millionen US-Dollar an Gründungskapital einzuzahlen. Das Gros der ausländischen Banken wird sich deshalb wie bisher auf die Betreuung ihrer Heimatkunden oder andere Nischen konzentrieren. Hierfür genügt die Einrichtung einer über einen ausländischen Standort geführten Zweigstelle ("branch"), für die lediglich 30 Millionen US-Dollar zutransferieren sind. Deren Zahl ist allerdings auf eine pro Stadt beschränkt. Auch gibt es gewisse Restriktionen bezüglich der Geschäftstätigkeit. Aus beidem resultiert fast zwangsläufig eine Konzentration auf die Betreuung von Firmenkunden.

Die Gründung von Auslandstöchtern internationaler Banken gestattete die Regierung in Hanoi im April 2007 im Rahmen der mit dem Beitritt in die Welthandelsorganisation (WTO) verbundenen Öffnungsschritte. Allerdings dauerte es bis zum 8. September 2008, ehe die HSBC und die Standard Chartered Bank als erste internationale Institute eine Lizenz zur Gründung einer Tochter erhielten. Eine weitere Lizenz ging imOktober 2008 an die australische ANZ.

Diese Möglichkeit zur Gründung eigenständiger Niederlassungen stellt internationale Banken mit Blick auf Geschäftstätigkeit und Kapitalanforderungen den einheimischen gleich, auch ist die Beschränkung auf eine Filiale pro Stadt hierbei nicht vorgeschrieben. Besonders wichtig ist darüber hinaus eine erhebliche Ausweitung des möglichen Produktangebots - wie Konten in Devisen als auch in lokaler Währung für inländische Privatkunden. Trotzdem ist eine flächendeckende Versorgung des Landes über eigene Filialen zumindest kurz- bis mittelfristig nicht zu haben - auch wenn diese über sogenannte Transaktionsbüros, die gewisse Bankdienstleistungen erbringen können, selbst aber keine Bankprodukte verkaufen dürfen, und über die wachsende Zahl von Bankautomaten ergänzt werden.

Um schnell und landesweit Präsenz zu zeigen, bedarf es deshalb strategischer Partner. Über deren Filialnetz können Bankdienstleistungen für die eigenen Kunden erbracht werden (wie Geldeinzahlungen).

Zugleich steigt die Attraktivität für zusätzliche Personenkreise. In Vietnam dürfen ausländische Investoren bis zu 15 Prozent - und mit Zustimmung des Premierministers bis zu 20 Prozent - der Aktienanteile an der Börse gehandelter vietnamesischer Privatbanken erwerben. Viele Auslandsbanken haben die Möglichkeit genutzt. Im Gegenzug profitieren die vietnamesischen Einrichtungen über Schulungen und die Entsendung von Personal durch einen erheblichen Know-how-Transfer.

Den höchsten Anteil hält die HSBC mit 20 Prozent an der Vietnam Technical Commercial Joint Stock Bank (Techcom Bank), der drittgrößten vietnamesischen Privatbank. Ferner ist sie mit 10 Prozent bei Bao Viet eingestiegen, dem auf das Versicherungsgeschäft konzentrierten größten Finanzkonzern des Landes.

Weitere Beispiele sind der Erwerb eines 10 Prozent-Pakets an der lokalen Sacombank durch die ANZ, der Einstieg der Standard Chartered bei der Asia Commercial Bank (15 Prozent) sowie der Deutschen Bank bei der Habubank (10 Prozent). Erst im August 2008 erwarben die französische Societe-General 15 Prozent an der Southeast Asia Joint-Stock Bank und die OCBC aus Singapur 15 Prozent an der VP-Bank.

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