' )China - 3G-Lizenzen: Wenig Chancen für Ausländer
Asien Kurier 2/2009 vom 1. Februar 2009
China

3G-Lizenzen: Wenig Chancen für Ausländer

Von Corinne Abele (gtai)

Sie wurde lange erwartet und immer wieder verschoben: die Vergabe von drei 3G-Lizenzen in China.

Die Regierung vergab eine TD-SCDMA-(Time Division Synchronous Code Division Multiple Access-) Lizenz an China Mobile, eine CDMA2000-(Code Division Multiple Access2000-)Lizenz an China Telecom und eine WCDMA-(Wideband Code Division Multiple Access-) Lizenz an China Unicom. Die drei Unternehmen waren 2008 aus einem längeren, staatlich gelenkten Neustrukturierungsprozess der Branche hervorgegangen, die die frühere strikte Trennung zwischen Festnetz- und Mobilnetzanbieter aufhob.

Die Vergabe der 3G-Lizenzen erfolgt zur rechten Zeit. Die Regierung will die krisengeschüttelte Wirtschaft durch staatliche Infrastrukturinvestitionen am Laufen halten. Pressemeldungen schätzen die notwendigen Investitionen auf 280 Milliarden Renminbi Yuan (31 Mrd. Euro, 1 Euro = 9,02 Renminbi, Dreimonatsmittel) unter anderem für Basisstationen, Schaltstellen und Übertragungsnetzwerke. Davon profitieren dürften vor allem inländische Telekommunikationsausrüster, allen voran die heimischen Branchenspitzenreiter Huawei Technologies und ZTE Corp. Für die Produktion von TD-SCDMA-Ausrüstung sind TD Tech, Datang Telecom Technology, ZTE sowie Nanjing Putian Telecommunications durch das Ministry of Industry and Information Technology (MIIT, vormals Ministry of Information Industry) zertifiziert.

Die vier Unternehmen arbeiteten für die Entwicklung von TD-SCDMA eng mit ausländischen Partnern zusammen. TD Tech ist ein 2005 von Huawei und Siemens gegründetes Joint Venture. Datang kooperiert unter anderem mit Alcatel, Nanjing Putian mit Nokia und ZTE mit Ericsson. Ausländische Anbieter dürften Analysten zufolge als Lieferanten für die nun anstehenden Infrastrukturinvestitionen einen schwierigen Stand haben. Zum einen wird die Angebotspalette der inländischen Unternehmen - allen voran wiederum Huawei und ZTE - als relativ umfassend und international wettbewerbsfähig eingeschätzt. Zum anderen werden in dem hoch politischen Umfeld heimische Technologielieferanten gefördert.

Befürchtet wird, dass China Mobile, China Telecom und Unicom (auf staatliche Weisung) inländischen Lieferanten den Vorzug geben werden; die Nachfrage nach TD-SCDMA-Ausrüstung decken letztere

sowieso vollständig ab. Die an den Börsen in Hongkong, New York und London notierten Telekommunikationsanbieter befinden sich mehrheitlich in staatlichem Besitz. Angesichts weltweit sinkender Nachfrage gewinnt der chinesische Markt für internationale Ausrüstungshersteller wie Motorola, Alcatel-Lucent und Nokia-Siemens Networks jedoch an Bedeutung. Branchenkenner gehen allerdings davon aus, dass ausländische Unternehmen voraussichtlich weniger als die Hälfte der Aufträge für 3G-Ausrüstungen erhalten werden.

Frühzeitig wurde die Telekommunikationsindustrie von der Regierung als strategischer Bereich identifiziert. Zum Maßnahmenpaket zählt nicht nur die starke Beschränkung ausländischer Investitionen in diesem Bereich, sondern auch die gezielte Förderung des heimischen TD-SCDMA-Standards. In Zusammenarbeit mit Siemens hatten Datang und Alcatel Shanghai Bell diesen zwischen 2001 und 2005 entwickelt.

Bis jetzt ist der Zugang ausländischer Investoren zu Chinas Telekommunikationsbranche stark beschränkt. Im Bereich der Grunddienstleistungen sind nach wie vor lediglich Minderheits-Joint Venture möglich, im Bereich höherwertiger Dienstleistungen kann der ausländische Investor maximal die Hälfte des Unternehmens besitzen. Um jeweils die Hälfte reduziert wurden jedoch im September 2008 unter anderem die Mindestanforderungen an das registrierte Eigenkapital von Unternehmen mit ausländischer Beteiligung, die landesweit oder in einer Provinz Basisdienstleistungen anbieten. (Der Erlass kann in englischer Sprache unter http://fdi.gov.cn/pub/FDI_EN/Laws/law_en_info.jsp?docid=97595 eingesehen werden.)

Die verspätete Marktreife des TD-SCDMA-Standards wird von Experten als ein Hauptgrund für die zeitliche Verzögerung der Vergabe der lang erwarteten 3G-Lizenzen angeführt. Vergeben wurde die TD-SCDMA-Lizenz nun an den derzeit bestpositionierten Telekommunikationsanbieter, China Mobile. Mit 415 Millionen von insgesamt 590 Millionen Mobiltelefonnutzern ist das Unternehmen derzeit der weltweit größte Mobiltelekommunikationsanbieter. Medienberichten zufolge erwartet China Mobile, innerhalb von drei Jahren 100 Millionen 3G-Nutzer. Das Unternehmen hat bereits damit begonnen, seine TD-SCDMA basierten 3G-Dienstleistungen in Guangzhou und Shenzhen anzubieten. Zuvor hatte es Testläufe in zehn Städten durchgeführt - neben den zuvor genannten unter anderem auch in Beijing und Shanghai. Eigenen Darstellungen zufolge baut China Mobile sein TD-SCDMA-Netzwerk in weiteren 28 Städten aus. China Unicom gibt an, seine 3G-Dienstleistungen anfänglich ab Mai 2009 in acht Städten anzubieten und dann auf über 200 Städte bis September diesen Jahres ausdehnen zu wollen.

Die Regierung wird die Verbreitung des TD-SCDMA-Standards weiter unterstützen und plant dazu Zeitungsberichten zufolge eine Reihe von Maßnahmen. Unter anderem sollen TD-SCDMA-Produkte im

Rahmen öffentlicher Beschaffung bevorzugt werden; Softwareunternehmen, die TD-SCDMA basierte Produkte entwickeln, werden ebenfalls unterstützt.


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