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Nachdem 2009 der chinesische Export als Konjunkturlokomotive mit aller Wahrscheinlichkeit ausfallen wird, richten sich die Augen mehr und mehr auf die Entwicklung des Binnenkonsums. Die chinesische Sparquote und -guthaben sind ungewöhnlich hoch, während der Einzelhandel - gemessen am Bruttoinlandsprodukt - weit unterdurchschnittlich ist.
Die Wachstumsraten der Ausfuhr waren im 4. Quartal 2008 auf nur noch 4,4 Prozent abgestürzt, nachdem im 3. Quartal noch ein Zuwachs von 23,1 Prozent erzielt werden konnte. In den letzten zwei Monaten des Jahres waren erstmals sogar Rückgänge bei den Lieferungen ins Ausland zu verbuchen, so dass kaum ein Beobachter davon ausgeht, dass hier schnelle Verbesserungen eintreten könnten.Ma Jiantang, Chef des National Bureau of Statistics (NBS), setzt seine Hoffnung daher auf die Konsumenten. "Das starke Wachstum beim Verbrauch wird weiter anhalten", meinte er optimistisch auf einer Pressekonferenz. Das Umfeld sei weiterhin gut, und er erwarte, dass die Entlastung der Verbraucher durch das 850-Milliarden-Renminbi-Programm für das Gesundheitswesen zu einer Verbesserung beiträgt.Der Einzelhandelsumsätze in China legte nach NBS-Angaben 2008 im Vergleich zum Vorjahr um nominal 21,6 Prozent auf 10.850 Milliarden Renminbi Yuan zu (etwa 1.190 Euro, 1 Euro=9,12 Renminbi, 3-Monatsmittel), das waren 4,8 Prozentpunkte mehr als 2007. Darunter wuchsen die Erlöse in den Städten um 22,1 Prozent auf 7.370 Milliarden und in den ländlichen Gebieten um 20,7 Prozent auf 3.480 Milliarden Renminbi. Expansiv war insbesondere das Hotel- und Gaststättengewerbe mit einer Steigerung um 24,7 Prozent auf 1.540 Milliarden Renminbi.Das Gesamtergebnis kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die monatlichen Steigerungsraten seit dem Sommer 2008 kontinuierlich zurückgegangen sind. Belief sich der Zuwachs noch im Juni 2008 auf 23,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, so waren es im Dezember nur noch 20,3 Prozent auf 107 Milliarden Renminbi. Parallel zu dieser leichten Abschwächung entwickelte sich das Konsumentenvertrauen. Lag dieser Index im Juli 2008 noch bei 94,5 Punkten, so waren es im November nur 90,2 Punkte.In erster Linie spiegelt der Einzelhandel die Entwicklung der Löhne wider. Das durchschnittliche verfügbare Einkommen pro Kopf lag 2008 bei der städtischen Bevölkerung bei 15.781 Renminbi (+14,5%) und auf dem Lande bei 4.761 Renminbi (+15,0%). Gleichzeitig erhöhten sich die Sparguthaben um 26,3 Prozent auf 21.800 Milliarden Renminbi.Im internationalen Vergleich sind Sparguthaben und Sparquote der chinesischen Bevölkerungun gewöhnlich hoch, während gleichzeitig der Anteil des privaten Konsums am Bruttoinlandsprodukt (BIP) ungewöhnlich niedrig ist. Der Anteil des Privatkonsums am BIP betrug 2007 rund 35,3 Prozent, deutlich weniger als die Bruttoanlageinvestitionen (40,2%).Kein Wunder also, dass Beijing den privaten Konsum ankurbeln will, um von der Exportabhängigkeit des Landes etwas wegzukommen. Ob das "Jahr des Ochsen" ein Jahr des Konsums werden wird, steht allerdings noch lange nicht fest. Auf der einen Seite drückt das gesunkenen Verbrauchervertrauen auf den Konsum, auf der anderen Seite stieg die Zahl der Arbeitslosen allein in den Städten nach Angaben des "Ministry of Human Ressources and Social Security" im 4. Quartal 2008 im Vergleich zum Vorquartal um 6,3 Prozent auf 8,86 Millionen. Das entspricht einer Quote von 4,2 Prozent. Für das Gesamtjahr 2009 werden 4,6 Prozent erwartet - der schlechteste Wert seit 1980.Dass im Zuge der Weltwirtschaftskrise nach neuesten Angaben 20 Millionen Migranten ihre Arbeit verloren haben und Zehntausende von Fabriken schließen mussten, dürfte den Konsum zusätzlich belasten. Beobachter erwarten daher für 2009 beim Einzelhandel geringere Steigerungsraten als noch 2008, ein Einbruch der Umsätze steht allerdings nicht ins Haus.Mit Konsumausgaben von 6.752 Renminbi (etwa 660 Euro) pro Kopf und Jahr oder rund 55 Euro pro Monat liegt das Land aber insgesamt auch im asiatischen Vergleich auf den hinteren Plätzen. Trotz großer ökonomischer Fortschritte hat sich bei den regionalen Disparitäten in den vergangenen Jahren wenig geändert. Bei den Konsumausgaben pro Kopf stehen durch die Bank die östlichen Regionen an der Spitze. Dabei liegt Beijing um 245 Prozent über dem Landesschnitt, und auch Shanghai (207%) kann sich sehen lassen. Die Unterschiede werden noch größer, wenn die zentral- und westchinesischen Provinzen einbezogen werden. So liegt der Pro-Kopf-Konsum beispielsweise in Guizhou bei 2.185 Renminbi pro Jahr, und auch Tibet (3.944 Renminbi) oder Qinghai (3.768 Renminbi) befinden sich weit unter dem Landesschnitt.Überdurchschnittlich viel geben die Chinesen weiterhin für das Essen aus. Diese Ausgaben stellten 2007 bei den Städtern etwa 36 Prozent des verfügbaren Budgets. Es folgten Transport und Kommunikation mit einem Anteil von 14 Prozent vor Ausbildung und Kultur (13%), Bekleidung (10%), Wohnen (10%) sowie Gesundheit (7%) und Haushaltsgeräte (6%).Trotz der vergleichsweise geringen Ausgaben für Haushaltsgüter sind die Märkte für manche braune und weiße Ware schon gesättigt. So verfügen nahezu alle städtischen Haushalte über Waschmaschine und Kühlschrank, bei Farbfernsehgeräte sind es sogar 1,4 Apparate. Auch besitzt jeder Haushalt durchschnittlich mehr als ein Handy, während vor allem bei Computern und Pkw noch Luft nach oben ist.Die unausgewogene Regionalverteilung zeigt sich allerdings auch bei dauerhaften Konsumgütern. Während in Ostchina 10,7 Prozent der Haushalte über einen eigenen Pkw verfügen, sind es im Westen nur 3,8 Prozent. Nahezu 70 Prozent der Haushalte im Osten besitzen einen Computer, in Westchina dagegen sind es nur 43 Prozent.