' )China - Stahlsektor erholt sich
Asien Kurier 3/2009 vom 1. März 2009
China

Stahlsektor erholt sich

Von Bernd Schaaf (gtai)

Die chinesische Stahlbranche hat zumindest vorerst ihre Talsohle hinter sich gelassen. Seit dem Tiefpunkt Mitte November 2008 haben sich die Preise teilweise deutlich erholt, die übervollen Lager wurden abgebaut, und die Unternehmen hoffen, dass das Infrastrukturprogramm der Regierung ihnen dabei hilft, die Krise zu überwinden.

Ein Beispiel ist Baosteel, dessen Preisveröffentlichungen als Barometer für die Branche gelten und die die Preise für Märzkontrakte fast ausnahmslos erhöht haben. Dies war die zweite Kontraktsteigerung in diesem Jahr, und Beobachter gehen davon aus, dass die Talsohle des Preis- und Abnahmeverfalls nunmehr durchschritten ist.

Im Vergleich zum Tiefpunkt des Preisverfalls Mitte November 2008 gab es bis Mitte Januar schon eine bis zu zweistelligen Erholung, nur Nahtlosröhren schienen dem Trend hinterherzulaufen. Im Einzelnen wurden die Preise für März um 300 Renminbi je Tonne bei warmgewalzten Erzeugnissen und bei kaltgewalzten Produkten um 350 Renminbi je Tonne erhöht. "Seit dem Tiefststand im November befindet sich der Stahlmarkt wieder im Aufwärtstrend", befindet die "Di Yi Caijing Ribao" (China Business News) in einer aktuellen Analyse.

Offensichtlich haben sowohl Stahlkunden als auch -produzenten in den vergangenen Monaten ihre Lager kontinuierlich abgebaut, so dass die Hersteller auf eine wieder wachsende Nachfrage treffen. Hoffnungen hegt die Branche insbesondere aufgrund der großen Infrastrukturprojekte, die die Regierung als Maßnahme gegen zur Stützung der Konjunktur durchführen will.

Entspannung dürften auch stark fallende Erzpreise bringen. Mitte Januar haben die Gespräche über die Eisenerzkontrakte für 2009 begonnen. Unter der Führung von Nippon Steel sollen die großen Anbieter Vale, BHP Billiton sowie Rio Tinto gezwungen werden, die Preise im Vergleich zu 2008 um mindestens 40 Prozent zusenken. Ohnehin waren die Spot-Eisenerz-Preise von ihrem Höchststand im Februar 2008 von 200 US-Dollar pro Tonne bis Oktober um 70 Prozent auf 60 Dollar pro Tonne gefallen, haben sich seitdem aber um ein Drittel auf 80 Dollar steigern können, berichtet Reuters.

Einen neuen Boom dürfte es in der Stahlindustrie in nächster Zeit dennoch nicht geben. Die großen Probleme des Sektors - zersplitterte Erzeugung sowie gewaltige Überkapazitäten - bleiben weiterhin bestehen, zumal wichtige Abnehmersektoren wie der Schiffsbau ihre Talsohle noch nicht erreicht haben.

Um die Auslandslieferungen der Branche zu stützen, hat Beijing zwar zum 1. Dezember 2008 die Exportsteuern für 67 Zolltarifpositionen nach Berichten der "Shanghai Zhengquan Bao" (China Securities News) vollständig abgeschafft. Dennoch könnten die Ausfuhren im laufenden Jahr weiter schrumpfen, da die Weltstahlnachfrage zurückgehen dürfte. Ohnehin haben sich die Eisen- und Stahlausfuhren im Zeitraum August bis November 2008 mit einem Minus von 58,0 Prozent mehr als halbiert.

Infolgedessen hat Baosteel sein Großprojekt mit der brasilianischen CIA Vale do Rio Doce auf Eis gelegt.

Das im August 2007 unterzeichnete Vorhaben sah vor, im Südosten Brasiliens eine Anlage zur Erzeugungvon 5 Millionen Jahrestonnen Flachstahl zu errichten. Baosteel sollte demnach 80 Prozent an dem Joint Venture halten. Dagegen hat Shougang seine neue Anlage in Caofeidian in der Provinz Hebei inzwischen fertiggestellt und will in der ersten Phase jährlich 4,85 Millionen Tonnen Stahl produzieren. In der Endstufe sollen dann 10,0 Millionen Tonnen pro Jahr erzeugtwerden.

Nachdem die chinesische Stahlproduktion 2008 nur um 1,7 Prozent auf 500 Millionen Tonnen zulegen konnte, wird auch für 2009 keine oder allenfalls eine geringe Steigerung zu erwarten sein. Alleine im November 2008 war nach Angaben des Statistikamtes der Ausstoß von Roheisen um 16,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurückgegangen; Stahl fiel um 12,4 und Stahlerzeugnissen um 11,0 Prozent.

Nachdem für die großen Stahlabnehmer Infrastruktur, Bau sowie Kfz einigermaßen Entwarnung gegeben werden kann, kommen zwei weitere Sektoren ins Visier der Analysten: Schiffs- sowie Maschinenbau. Der Baltic Dry Index (BDI), wichtigster Indikator für das weltweite Verschiffen von Hauptfrachtgütern wie Kohle, Eisenerz sowie Getreide, war von seinem Höchststand von 11.793 Punkten am 20. Mai 2008 um beängstigende 94,4 Prozent auf nur noch 663 Punkte am 5. Dezember 2008 abgestürzt. Seither hat sich der Indikator zwar wieder auf über 1.000 Punkte erholt (30. Jan. 2009: 1070, siehe Chart), die Auswirkungen auf den weltweit zweitgrößten Schiffsbauer China sind indes noch nicht absehbar. Die extrem negative Entwicklung betrifft aber nicht nur den Schiffsbau, sondern gleichermaßen die Herstellung von Transportcontainern: Hier stellt das Land etwa 85 Prozent des gesamten Weltexports.

Bislang arbeiten die chinesischen Werften zwar noch mit Hochdruck. So ging beispielsweise die Erzeugung allein im November 2008 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 54,5 Prozent auf 2,75 Millionen Bruttoregistertonnen (BRT) nach oben, und für den Zeitraum Januar bis November wird ein Zuwachs von 40,0 Prozent auf 20,4 Millionen BRT gemeldet. Die Krise ist allerdings bei den Schiffsbauern aufgrund der langen Projektdauer erst teilweise angekommen. Erste Anzeichen liefern daher die Stahlpreise. So musste Baosteel die Preise für Märzkontrakte für dicke Stahlbleche, die in erster Linie von den Schiffsbauern nachgefragt werden, um weitere 300 Renminbi pro Tonne reduzieren.

Analysten der Hongkonger "Transport Trackers", die seit vielen Jahren den Schiffsverkehr im Visier haben, fürchten in ihrer aktuellen Analyse (2009 Forecast: Limping into 2010), dass der globale Containerverkehr 2009 allenfalls stagniert und möglicherweise ein Drittel der neu georderten Schiffe - in erster Linie Schüttgutfrachter - entweder gar nicht gebaut oder aber nicht an Kunden ausgeliefert werden. Der Containerverkehr von Asien in die USA werde 2009 um 5 Prozent zurückgehen und der nach Europa gar um 9 Prozent, so Transport Trackers. Schon 2008 habe eine Überkapazität bei Containerschiffen von 10 Prozent oder 1,2 Millionen Twenty-foot Equivalent Units (TEU) bestanden. Da 2009 weitere Kapazitäten von 10 Prozent generiert würden, beliefe sich dann die Überkapazität 2009 auf 20 Prozent.

Für den Maschinenbau lässt sich derzeit nichts Gesichertes sagen, da Zahlen für das 4. Quartal 2008 bislang nicht veröffentlicht wurden. Die Produktionsentwicklung in verschiedenen Sektoren lässt allerdings vermuten, dass auch diese Branche in den vergangenen Monaten in die Krise gerutscht ist. So ging die Erzeugung vieler Bereiche im November 2008 im Vergleich zum Vorjahresmonat nach Angaben des Statistischen Amtes teilweise drastisch zurück. Insbesondere Verbrennungsmotoren (-45,5%),

Kleintraktoren (-42,4%), große und mittlere Traktoren (-23,2%), Metallbearbeitungsmaschinen (-20,2%),

Verpackungsmaschinen (-18,9%), Kraftfahrzeuge (-15,9%) sowie der Bau von Lokomotiven (-13,3%)

mussten hohe Einbußen hinnehmen.

Ein weiterer Hinweis auf eine ausgeprägte Wachstumsschwäche ist die Entwicklung im Maschinenaußenhandel. Das Volumen des Warenaustausches mit dem Ausland ging nach Zollangaben im November 2008 im Vergleich zum September 2008 um 13,3 Prozent zurück. Stark rückläufig waren die Einfuhren mit einem Minus von 22,9 Prozent, aber auch die Exporte wiesen einen Rückgang von 13,3 Prozent auf.


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