' )Hongkong - Robuster Arbeitsmarkt erstaunt Experten
Asien Kurier 3/2009 vom 1. März 2009
Hongkong

Robuster Arbeitsmarkt erstaunt Experten

Von Dr. Roland Rohde (gtai)

Die Erwerbslosenquote Hongkongs ist im Laufe des Krisenjahres 2008 um lediglich einen Prozentpunkt angestiegen und lag im Dezember mit 4,1 Prozent immer noch auf Vollbeschäftigungsniveau.

Selbst Experten zeigen sich überrascht von der robusten Verfassung des Arbeitsmarktes. Er ist kaum reguliert und ermöglicht problemlos die Kündigung selbst von langjährigem Stammpersonal ohne nennenswerte Abfindungen.

Hongkong stellt sich zum Chinesischen Jahr des Büffel auf schlimme Zeiten ein. Die Handels- und Logistikdrehscheibe muss nach Vorhersagen des Trade Development Council (TDC) einen Rückgang der Exporte von 6 Prozent erwarten. Die gesamte Wirtschaft soll derweil nach Einschätzung der Regierung um 2 Prozent schrumpfen. Landeskenner halten sogar einen Wert von bis zu -5 Prozent für nicht mehr ausgeschlossen. Befürchtungen, der Abschwung könne die Arbeitslosigkeit in ungeahnte Höhen treiben, haben sich bislang jedoch nicht bewahrheitet.

Seit dem im Sommer 2007 die Erwerbslosenquote unter die 4 Prozent-Marke rutschte, herrschte in der Sonderverwaltungsregion laut allgemeiner Definition Vollbeschäftigung. Der Handels-, Logistik- und Finanzsektor suchte sogar händeringend nach qualifizierten Bewerbern. In der Baubranche war die Arbeitslosigkeit zwar nach wie vor hoch, doch viele konnten im benachbarten Macau einen gut bezahlten Job auf einer der zahlreichen Baustellen finden.

Zwischen November 2007 und Februar 2008 sank die offizielle Erwerbslosenquote auf einen vorläufigen Tiefpunkt von 3,1 Prozent. Seit diesem Zeitraum stieg sie trotz der Auswirkungen der internationalen Finanzkrise, die insbesondere den Bankensektor der Stadt schon frühzeitig erfasste, nur sehr zögerlich an. Zum Jahresende 2008 lag sie bei knapp über 4 Prozent.

Auch für 2009 erwarten die meisten Forschungsinstitute keine dramatische Entwicklung. Sie sagen eine Erhöhung der Quote auf 5 bis maximal 6 Prozent voraus. Selbst Experten zeigen sich überrascht von der relativ robusten Verfassung des Arbeitsmarktes, denn in der Vergangenheit reagierte er stets sehr rasch auf konjunkturelle Veränderungen. So stieg die Erwerbslosigkeit 2003 angesichts der Lungenepidemie SARS innerhalb von nur vier Monaten um ganze zwei Prozentpunkte.

Da der Arbeitsmarkt kaum reguliert ist, können sich Unternehmen in Krisenzeiten rasch und kostengünstig von ihrem Personal trennen. Einen umfangreichen Kündigungsschutz im europäischen Sinne gibt es nicht. Wer seine Stelle verliert, hat unabhängig von der Dauer der Betriebszugehörigkeit lediglich Anspruch auf die Weiterzahlung eines Monatsgehaltes.

Die meisten Branchen und Firmen machten im Zuge der internationalen Finanzkrise aber kaum Gebrauch von ihren Rechten. Viele Unternehmen wollen Stammpersonal halten, zumal sie ab dem Sommer 2009 mit einer Trendwende rechnen. Bis dahin wollen sie ihre Personalkosten mit Hilfe von Lohnkürzungen drücken, was, da es kaum oder nur schwach organisierte Gewerkschaften gibt, problemlos möglich ist.

Die regulären Gehälter werden zwar in der Regel weiter fließen, die Bonuszahlungen zum Chinesischen Neujahr Ende Januar 2009 - sie machen je nach Branche in guten Zeiten ein bis vier Monatsgehälter aus und werden teilweise in Aktien ausgezahlt - dürften aber gegenüber 2008 äußerst dürftig ausgefallen sein.

Lohnsteigerungen wird es zudem 2009 nur in sehr geringem Umfang geben.

Solche Maßnahmen reichen jedoch in der besonders von der Krise betroffenen Finanzbranche nicht aus.

Die Banken, Versicherungen und Investmenthäuser der Stadt mussten seit dem Sommer 2008 massiv Personal entlassen, und zwar von der Sekretärin bis hin zum Investmentbanker. Jedoch beschäftigt der Sektor relativ gesehen nur wenige Arbeitskräfte, so dass sich die Kündigungen nur geringfügig auf die Arbeitsmarktstatistik ausgewirkt haben.

Auch im Bausektor stieg die Arbeitslosigkeit massiv an, nachdem zehntausende von in Macau beschäftigten Hongkongern nach Hause geschickt wurden. Der aus Las Vegas stammende Venetian-Konzern musste aufgrund von Kapitalmangel die Arbeiten an einem riesigen Hotel- und Kasinokomplex stoppen, und auch andere Konkurrenten fuhren ihre Investitionen zurück.

Die erwerbslosen Bauarbeiter blasen aber nicht Trübsal, denn sie haben Aussicht, rasch wieder eine neue

Stelle zu finden. Die Sonderverwaltungsregion hatte bereits lange bevor sich der Abschwung abzeichnete ein riesiges Infrastruktur- und Städtebaupaket im Umfang von über 30 Milliarden US-Dollar geschnürt. Der Startschuss für die ersten Projekte, unter anderem für den Bau einer über 30 km langen Brücke nach Macau, dürfte bereits im ersten Halbjahr 2009 fallen. Insgesamt sollen die Vorhaben Stellen für 50.000 Menschen schaffen.


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