' )Philippinen - Regenerative Energien bevorzugt
Asien Kurier 3/2009 vom 1. März 2009
Philippinen

Regenerative Energien bevorzugt

Von Oliver Höflinger (gtai)

Die Energienachfrage auf den Philippinen soll in den nächsten Jahren weiter steigen. Um die Importabhängigkeit bei Energieträgern zu verringern, setzt die Regierung vor allem auf mehr regenerative Energien. In diesem Feld ist die Geothermiesparte mit Abstand am weitesten fortgeschritten: das südostasiatische Inselreich ist beim geothermisch erzeugtem Strom weltweit die Nummer zwei.

Die philippinische Energienachfrage soll dem "Philippine Energy Plan 2007- 2014 (PEP)" des Department of Energy (DOE) zufolge von 25 Millionen Tonnen Öläquivalent (MTOE) 2007 auf 31 MTOE im Jahr 2014 zunehmen, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 3,3 Prozent entspricht. Die Führung in Manila hat eine Reihe von Maßnahmen anvisiert, um die Abhängigkeit von Importen zu verringern.

Besonders der Ausbau der erneuerbaren Energien soll Abhilfe schaffen. Daneben drängt die Regierung auf eine stärkere Exploration fossiler Energieträger, wobei insbesondere Erdgas in den Fokus gerückt ist.

Schließlich hat in jüngster Zeit auch die Steigerung der Energieeffizienz an Aufmerksamkeit gewonnen.

Zwischen 2005 und 2014 sollen 229 Millionen Barrel Fuel Oil Equivalent (MMBFOE) eingespart werden. Bei Kohle strebt die Regierung verstärkt eine umweltfreundlichere Verstromung an.

Generell positiv für die Energiebranche ist, dass im Investment Priorities Plan (IPP) 2008 unter anderem die Stromerzeugung mit umweltfreundlichen Technologien sowie der Bau von Rohrfernleitungen für Öl und Gas berücksichtigt worden sind. Investitionsprojekte in diesen Bereichen können mit staatlichen Vergünstigungen rechnen.

Der PEP beziffert den Investitionsbedarf im Energiesektor im Zeitraum 2007 bis 2014 auf insgesamt 1.400 Milliarden Philippinische Pesos (rund 22 Milliarden Euro; 1 Euro = 63,17 Pesos, 3-Monatsmittel). Von staatlicher Seite werden dabei Mittel in Höhe von 68 Milliarden Pesos fließen, der private Sektor soll mehr als 1.300 Milliarden Pesos beisteuern.

Bei der Stromerzeugung und -verteilung macht die Privatisierung im Rahmen des 2001 erlassenen Gesetzes "Electric Power Industry Reform Act (EPIRA)" weiter Fortschritte. Unter anderem wurde dabei die dem nationalen Stromversorger National Power Corporation (NPC) unterstehende Elektrizitätserzeugungskapazität von der Power Sector Assets and Liabilities Management Corporation zwecks Privatisierung übernommen. Das Ziel der Privatisierung von 70 Prozent der ehemaligen NPC-Kapazität wird schon bald erreicht sein. Die National Transmission Corporation ging Ende 2007 an ein Konsortium in dem neben der philippinischen Seite die State Grid Corporation of China vertreten ist.

Ein weiterer Bestandteil des Reformgesetzes war die Einrichtung eines "Wholesale Electricity Spot Markets (WESM)", auf dem Strom nun frei gehandelt wird. Schätzungen des DOE zufolge soll die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate der Elektrizitätsnachfrage im Zeitraum 2006 bis 2014 in Luzon 3,6 bis 4,3 Prozent, in den Visayas 5,7 bis 6,0 Prozent und in Mindanao 6,0 bis 6,5 Prozent betragen. Die installierte Kapazität belief sich 2007 auf 15.937 MW, die gesamte Stromerzeugung auf 59.612 GWh.

Bei den erneuerbaren Energien ist die Geothermiesparte am weitesten fortgeschritten. So liegen die Philippinen bei der Erzeugung von Strom mit geothermischen Ressourcen in der Weltspitze: Statistiken des DOE zufolge befand sich die Inselrepublik 2005 bei installierter Kapazität und Erzeugung weltweit auf Rang zwei, übertroffen nur noch von den USA. Mit dem Produktionsbeginn des Northern Negros Geothermal Production Field erhöhte sich die installierte Kapazität der geothermischen Stromerzeugung 2007 um 49 Megawatt elektrisch (MWe) auf etwa 2.027 MWe. Dies ist das fünfte geothermische Feld, das von der Philippine National Oil Company - Energy Development Corporation (PNOC-EDC), dem maßgeblichen Akteur in der philippinischen Geothermie, erschlossen wird. Die 2007 privatisierte PNOC-EDC ist nun erstmals sowohl Betreiber des Feldes als auch Eigentümer und Betreiber des Kraftwerkes. Laut PEP sind bis 2014 im Land geothermische Vorhaben mit einer Gesamtkapazität von rund 700 MW ins Auge gefasst.

Die trotz guter natürlicher Bedingungen bisher relativ wenig genutzte Windenergie hat Fortschritte gemacht: Die Philippinen waren 2008 das einzige Land in Südostasien, das seine Kapazität ausgebaut hat. Nach der Erweiterung um 8 MW belief sich die landesweite Kapazität auf 33 MW, in Asien lagen die Philippinen damit auf Platz sechs. Laut PEP sollen bis 2014 Projekte mit einer Gesamtkapazität von 557 MW realisiert werden.

Auch für Biomasseprojekte bietet sich ein großes Potential. Angesichts der nach wie vor hohen Bedeutung der Landwirtschaft bilden die dort anfallenden Restprodukte beziehungsweise Abfälle eine wichtige Brennstoffquelle. Die Kapazität der Anlagen für andere Nutzungen außer der Stromerzeugung liegt bei 20 MW. Vorhaben zur reinen Elektrizitätserzeugung bestehen derzeit noch nicht, jedoch sind Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung sowie solche, die Reishülsen zur Stromgewinnung nutzen, im Bau. Bis 2014 soll eine Kapazität von 184 MW aufgebaut werden.

Angesichts der günstigen geografischen Lage der Philippinen mit hoher Sonneneinstrahlung sowie der zahllosen Inseln und teilweise abgelegenen Dörfer bietet sich die verstärkte Nutzung der Solarenergie an.

Die Zahl der installierten fotovoltaischen Systeme, zu denen auch "Solar Home Systems (SHS)", "Battery Charging Stations (BCS)" und andere dezentrale Anwendungen gezählt werden, belief sich Ende 2007 auf 24.531 Anlagen. Die gesamte Kapazität betrug 5,2 MW wobei die größte Anlage eine Kapazität von 1 MW hatte. Bei Wasserkraft lag die Gesamtkapazität 2006 bei 3.257 MW. Bis 2014 sollen dem PEP zufolge Projekte im Umfang von 1.025 MW durchgeführt werden.

Dass die Branche speziell aus deutscher Sicht Chancen bietet, zeigt zum Beispiel die Steag (Evonik): ihr 232-Megawatt-Kohlekraftwerk in Mindanao ging Ende 2006 ans Netz. Dies stellt gleichzeitig das erste deutsche BOT-Vorhaben seit dem gescheiterten Fraport-Engagement dar.

Department of Energy (DOE)

Energy Complex, Meritt Road

Fort Bonifacio, Taguig City

Manila

Tel.: 63 2 4792900

Web: www.doe.gov.ph

National Geothermal Association of the Philippines (NGAP)

Lauro F. Bayrante (President)

Manila

Tel.: 63 2 84015 71

Fax: 63 2 84015 75

Email: bayrante@energy.com.ph

Web: ngap.netfirms.com


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