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Singapur verfügt über keine eigenen Rohstoffe. Aber sowohl die günstige Lage, die immensen Tanklager, Transportinfrastruktur als auch die Verfügbarkeit von Fachkräften und Arbeitern haben zahlreiche Chemiekonzerne in den Stadtstaat geführt.
Etwa 650 singapurische Firmen und Niederlassungen internationaler Konzerne erzeugten 2007 mit 27.000 Mitarbeitern chemische Produkte im Wert von 105 Milliarden S$ (ca. 53 Mrd. Euro, 1 Euro = 1,97 S$, 3-Monatsmittel). Der Produktionsausstoß sinkt seit 2008, dennoch halten die meisten Unternehmen an ihren Investitionsplänen fest.Der Bestand an ausländischen Direktinvestitionen der Chemieindustrie betrug Ende 2006 circa 62 Milliarden Singapur-Dollar (rund 31 Mrd. Euro). Branchenunternehmen sagten nach Angaben der nationalen Investitionsbehörde Economic Development Board (EDB) 2008 Investitionen in Bauten und Ausrüstungen in Höhe von 11,5 Milliarden S$ zu. Im Vorjahr konnte der EDB Projekte im Wert von 8,6 Milliarden S$ akquirieren. Das bedeutet, dass in den beiden Jahren rund 60 Prozent der gesamten ausländischen Direktinvestitionen in den Chemiesektor Singapurs flossen.Zu den wichtigsten hergestellten Produkte der chemischen Industrie gehören Petroleum (Output 2007: 48,5 Mrd. S$), petrochemische Produkte (26,8 Mrd. S$), Arzneimittel (21,9 Mrd. S$) und Spezialchemikalien (5,9 Mrd. S$). Im Gesamtjahr 2008 sank der Produktionswert gemäß vorläufigen Angaben um 4 Prozent. Allein im Dezember schrumpfte der Ausstoß um 23 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Aufgrund der schwachen weltweiten Nachfrage mussten einige Konzerne ihre Werke temporär stilllegen. Für den Geschäftsverlauf im Jahr 2009 sind die Unternehmen gemäß Umfragen eher pessimistisch gestimmt.Der südostasiatische Staat verfügt mit 1,3 Millionen bpd (barrel per day) über die weltweit drittgrößten Raffineriekapazitäten nach Houston und Rotterdam. Die Petrochemie erhielt von den Stadtplanern sogar eine eigene über 30 km2 große künstliche Insel, Jurong Island. Auf dieser haben sich insgesamt 94 Ölfirmen, petrochemische Unternehmen, Hersteller von Spezialchemikalien und Zulieferbetriebe niedergelassen. Dazu gehören Weltmarktführer wie Air Products, Akzo Nobel, Asahi Kasei, Celanese,Chevron Philips, Eastman Chemical, ExxonMobil, Huntsman Corp, Mitsui Chemicals, Shell, Sumitomo Chemicals und Teijin. Zusammen haben sie 31 Milliarden S$ auf Jurong investiert.Die öffentliche Infrastrukturentwicklungsgesellschaft des Chemieclusters, die JTC Corp, baut Jurong weiter aus. Im Februar 2009 sollen die Gewinner der Ausschreibungen für die Bauarbeiten an unterirdischen Lägern für Rohöl, Kondensate, Naphtha und Gase bekannt gegeben werden. Die Lagerkapazitäten der ersten Ausbauphase, die Ende 2010 abgeschlossen werden soll, betragen 1,5 Millionen m3. Die Planungen der JTC sehen später weitere Lager bis zu 3,2 Millionen m3 vor.Im Jahr 2009 beginnen zudem die Arbeiten an einem 1 Milliarden S$ teuren Flüssiggas-Terminal auf Jurong, das 2012 fertiggestellt werden soll. Das Joint Venture Gaz de France und Singapore Power erhielt den Zuschlag, den Terminal mit einer Jahreskapazität von 3 Millionen Tonnen zu errichten und zu betreiben.Zu den wichtigsten Investoren gehören die beiden Ölgesellschaften Shell und Exxon Mobil. Beide haben Anfang 2009 bekräftigt, dass sie an ihren Ausbauplänen festhalten. Shell errichtet einen neuen Äthylen Cracker mit einer Jahreskapazität von 800.000 Tonnen, der ein neues Mono-Ethylene Glycol Werk (Kapazität 750.000 Tonnen) versorgen wird. Beide Fabriken, die rund 3 Milliarden US-Dollar kosten, sollen Anfang 2010 fertiggestellt sein. Im Jahr 2011 nimmt dann Exxon Mobil einen neuen integrierten Komplex in Betrieb, der einen Cracker mit verschiedenen nachgelagerten Werken umfasst. Fachleute schätzen das Investitionsvolumen des Konzerns auf 4 Milliarden US-Dollar. Singapurs Jahreskapazität an Äthylen dürfte sich bis 2011 somit auf ungefähr 4 Millionen Tonnen verdoppeln.Investitionsprojekte kommen aber auch ins Stocken. So verschiebt die deutsche Lanxess AG zunächst den Bau einer Fabrik zur Herstellung von synthetischem Kautschuk, die Grundsteinlegung war eigentlich im Januar 2009 geplant und soll nun im Herbst des Jahres erfolgen. Im Oktober 2008 meldete die Jurong Aromatics Corporation Schwierigkeiten bei der Finanzierung einer 2,4 Milliarden US-Dollar teuren petrochemischen Anlage und stoppte das Projekt. Die Investitionsförderstelle EDB will bei der Kapitalbeschaffung inzwischen einspringen.Neben der Petrochemie ist die Arzneimittelherstellung von herausragender Bedeutung für den singapurischen Chemiesektor. Etwa 22 Fabriken produzieren Pharmazeutika. Ihr Ausstoß fiel im Zeitraum Januar bis November 2008 gegenüber der Vorjahresperiode allerdings um 10 Prozent. Der normalerweise wenig konjunkturabhängige Sektor dürfte 2009 weiter schrumpfen, meinen Fachleute.Dennoch zählt die Pharmabranche zu den Erfolgsgeschichten Singapurs. Der Produktionswert hat sich seit dem Jahr 2000 vervierfacht. Einige der weltweit führenden Konzerne wie Schering-Plough oder Merck Sharp and Dohme errichteten Großanlagen. Außerdem haben seit 2006 Novartis, Genentech,Glaxo SmithKline und Lonza Erweiterungsinvestitionen im Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar angekündigt. Ein wachsender Teil ihrer Ausgaben fließt in die Forschung und Entwicklung.Singapore Chemical Industry Council Limited120 Lower Delta Road#10-12 Cendex CentreSingapur 169208Tel.: 65 6278 6037Fax: 65 6278 9149Email: secretariat@scic.sgWeb: www.scic.sgJTC CorporationThe JTC Summit8 Jurong Town Hall RoadSingapur 609434Tel.: 65 6560 0056Fax: 65 6565 5301Web: www.jtc.gov.sgEDB Singapore250 North Bridge Road#28-00 Raffles City TowerSingapur 179101Tel.: 65 6832 6832Fax: 65 6832 6565Email: clientservices@edb.gov.sgWeb: www.edb.gov.sg