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Die Verkäufe in den Supermärkten der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) könnten bis 2013 um mehr als 80 Prozent steigen - trotz Wirtschaftskrise, geplatzter Immobilienblase in Dubai und einem Exodus von Arbeitskräften.
Das hat eine Studie des Marktforschungsinstituts Business Monitor International (BMI) ergeben. Der Trend in dem Golfstaat ist demnach: Gute Zutaten einkaufen und kochen statt Geld in Restaurants ausgeben. Die Ergebnisse einer neuen staatlichen Erhebung zu Einkommen und Ausgaben privater Haushalte ergänzen die Beobachtungen.Die VAE belegen hinsichtlich des prognostizierten Wachstums des Lebensmittelhandels einen der vorderen Plätze weltweit. Zum Vergleich: Für Vietnam sagt der aktuelle "Food and Drink Report" des BMI ein Wachstum von 102 Prozent voraus, für die VR China 67 Prozent, für Saudi-Arabien 34 Prozent, für Großbritannien um 33 Prozent und für die USA 13 Prozent.Der für die VAE ermittelte Zuwachs macht auf den ersten Blick stutzig, muss sich der Golfstaat doch 2009 auf einen Exodus von Arbeitskräften einstellen. Dubai könnte binnen Jahresfrist 8 Prozent der Bevölkerung verlieren, so pessimistische Schätzungen. Beobachter halten das für möglich, auch wenn die Regierung beteuert, das seien haltlose Gerüchte. Abu Dhabi geht es wirtschaftlich zwar besser, so dass der Bausektor dort weiterhin mehr Arbeitskräfte braucht. Die Migrationsverluste Dubais und den nördlichen Emiraten aber kann Abu Dhabi schwerlich wettmachen.Schwerer als die schrumpfende Bevölkerung der Emirate wiegt für BMI jedoch ein Wandel der Lebensgewohnheiten. Bislang verbrachten die meisten ausländischen Arbeitskräfte - in Dubai etwa 90 Prozent der Bevölkerung - ihre Freizeit damit, in Malls spazieren zu gehen und dort in Restaurants und Food Courts einzukehren. Auch am Wochenende ist das mangels Alternativen die bevorzugte Beschäftigung. Andere Freizeitaktivitäten wie Sonnenbaden am Strand ist praktisch nur für vermögende Touristen bezahlbar.Da die Restaurantpreise und selbst die Preise in den vergleichsweise preiswerten Food Courts im vergangenen Jahr kräftig gestiegen sind, geht die Gemeinschaft der Migrationskräfte - ob Arbeiter oder Manager - neuerdings immer seltener ins Restaurant, sondern kocht öfter zuhause. Der Trendwechsel ist laut BMI derart stark, dass die Umsätze der Supermärkte deutlich steigen. Das Verhalten der einheimischen Bevölkerung hat sich derweil wenig verändert: Sie isst ohnehin lieber zuhause und frequentiert, wenn überhaupt, meist Drive-Ins amerikanischer Fast-Food-Ketten oder lässt sich Essen liefern.Eine aktuelle Erhebung der Regierung hat unterdessen ergeben, dass die privaten Haushalte durchschnittlich 14 Prozent ihres Einkommens für Essen und Trinken ausgeben. Insgesamt beträgt das durchschnittliche Haushaltseinkommen in den Emiraten umgerechnet 3.894 Euro. Die Einkommenshöhe variiert je nach Herkunft: So verdient die einheimische Durchschnittsfamilie im Monat umgerechnet 7.775 Euro, während ausländische Migranten im Schnitt zwei Fünftel dessen erhalten.Supermarktmanager bestätigen in Interviews mit der lokalen Presse den Wandel im Verbraucherverhalten: "Früher haben die Leute drei bis viermal in der Woche im Restaurant gegessen", sagt David Berrik, Chef der Abela-Supermärkte, "heute essen sie lieber zuhause." Seine Verkäufe lägen derzeit 16 Prozent über dem Niveau des Vorjahres, trotz schlechter Wirtschaftslage und dem Wegzug von Arbeitskräften. Auch der Unternehmenssprecher von Lulu Hypermarkets beobachtet diese Entwicklung. Die Handels-Kette will 2009 fünf neue Märkte aufmachen: zwei in Al Ain und jeweils einen in Dubai, in Schardscha und in Abu Dhabi.Die Manager sehen ferner einen Trend zu höherem Qualitätsbewusstsein. Welker Salat und nachlässig abgepackte Ware sei mittlerweile nicht mehr akzeptiert. Fast alle Märkte würden die Warenpräsentation verbessern. Auch Konkurrenz belebt das Geschäft: So hat die britische Kette Waitrose in den vergangenen Monaten zwei neue Supermärkte in Dubai eröffnet. Sie setzt auf eine ansprechendere Warenpräsentation.Die Marktforscher glauben, dass mehr ausländische Anbieter den Briten folgen werden. "Wer als Lebensmitteleinzelhändler im Mittleren Osten Fuß fassen will, geht zuerst in die VAE", sagt Lyndsey Anderson, Chefin von Food and Drink Research bei BMI. Sie seht den Markt als eine Art Referenzstandort. Dort seien Trends in der Region zuerst auszumachen. Zudem sei der Markteintritt wegen der funktionierenden Infrastruktur relativ leicht.