' )China - Robuster Arzneimittelmarkt
Asien Kurier 4/2009 vom 1. April 2009
China

Robuster Arzneimittelmarkt

Von Bernd Schaaf (gtai)

Chinas Markt für Arzneimittel dürfte zu den Sektoren gehören, die von der Abflachung des Wirtschaftswachstums am Wenigsten betroffen sind. Die ohnehin kaum zyklische Branche sollte daher auch 2009 einen kontinuierlichen Aufschwung erfahren, selbst wenn die hohen Steigerungsraten der vergangenen Jahre vielleicht nicht ganz erreicht werden können.

Dies lässt darauf hoffen, dass auch für ausländische Lieferanten der Markt weiterhin aufnahmefähig ist. Die aktuellen Importzahlen sind positiv und zeigen keine Beeinflussung durch die Finanzkrise. So stiegen allein im Dezember 2008 die chinesischen Auslandsbezüge von Medikamenten im Vergleich zum Vorjahresmonat um 54,4 Prozent auf 539 Millionen US-Dollar - der höchste Monatswert der Geschichte.

Der Grund für den Optimismus hat mehrere Gründe. Die rapide Alterung der Gesellschaft mit einer ständig steigenden Lebenserwartung trägt ebenso dazu bei, wie höhere Durchschnittseinkommen der Bevölkerung und wachsende verfügbare Einkommen auf dem Land. Ohnehin gehen die Gesundheitsausgaben des Landes ständig nach oben und erreichten 2008 nach Angaben des Gesundheitsministeriums mehr als 1.200 Milliarden Renminbi Yuan oder 915 Renminbi pro Kopf der Bevölkerung.

Stabile Wachstumsraten dürften künftig auch vom chinesischen Hinterland erwartet werden. Dieser Trend wird unterstützt durch Maßnahmen der Regierung, die strategisch die medizinische Versorgung in den Zentral- und Westprovinzen des Landes vorantreiben will. Hierzu gehört beispielsweise das Maßnahmenpaket für den Gesundheitssektor im Umfang von 850 Milliarden Renminbi, das jüngst vom Staatsrat verabschiedet wurde. Danach sollen die Liste der erstattungsfähigen Medikamente erweitert und die Landbevölkerung in das staatliche Gesundheitswesen integriert werden.

Nach Angaben der "China Pharmaceutical Review" (CPR) belief sich 2007 die Bruttoproduktion der chinesischen Arzneimittelbranche auf knapp 634 Milliarden Renminbi. Nach ersten Schätzungen dürfte 2008 ein Wert von etwa 800 Milliarden Renminbi erreicht worden sein - ein Zuwachs von gut 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Zentrum der Herstellung ist das Yangzi-Delta, in dem knapp ein Viertel der Medikamente produziert werden. Weitere Schwerpunktprovinzen sind Shandong (Anteil an der Bruttoproduktion 2007: 14%) sowie Guangdong (knapp 7%).

Ohnehin hat das Yangzi-Delta anspruchsvolle Pläne. Bis 2015 soll die Region um die Städte Shanghai,

Suzhou und Hangzhou ein weltweit wettbewerbsfähiges F&E-Zentrum für multinationale Konzerne werden und sich damit auf den zweiten Platz hinter der Region New York/New Jersey vorarbeiten. Bei "Contract Research Organizations" (CRO) könne man sogar an die Spitze gelangen, meint der Labordienstleister Charles River Laboratories.

Auch wenn die größten Hersteller chinesische Produzenten sind, haben sich sämtliche internationalen Pharmaunternehmen am Markt fest etabliert. Von keinem Konzern ist bislang bekannt, dass strategische Ziele aufgrund des trüben Wirtschaftsklimas aufgegeben worden wären. Im Gegenteil wurden jüngst viele neue Projekte avisiert. So will Roche seine Präsenz im Shanghaier Zhangjiang Hi-Tech-Park erweitern,

Sanofi-Aventis stärkt sein - ebenfalls in der Yangzi-Metropole ansässiges - F&E-Zentrum und Eli Lily eröffnete dort sein China F&E-Headquarter.

Novo Nordisk, plant knapp 400 Millionen US-Dollar in ein neues Insulin-Werk in Tianjin zu investieren. Dieses wäre die größte Herstellungsstätte des dänischen Pharmakonzerns außerhalb des eigenen Landes. Ferner hat BayerSchering vor, 130 Millionen US-Dollar in sein "globales" F&E-Zentrum in Beijing fließen zu lassen. Für Bayer ist China schon heute der weltweit drittgrößte Absatzmarkt.

Die umsatzstärksten Großhändler für Arzneimittel sitzen von wenigen Ausnahmen abgesehen in Beijing oder in der Region um Shanghai. Die zehn größten Distributoren setzten nach CPR-Angaben 2008 etwa 58,7 Milliarden Renminbi um, ein Zuwachs von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

An der Spitze der Hitliste der am Meisten verkauften Medikamente steht ein Mittel der chinesischen Medizin: Gingko Biloba, ein Heilkraut, das als Allzweckwaffe gegen Tuberkulose, Herzkrankheiten, hohen Blutdruck und Hauterkrankungen eingesetzt wird.

China hat sich innerhalb weniger Jahre in den Welthandel mit Arzneimitteln integriert, wobei der Saldo der Handelsbilanz immer positiv war. Im Jahr 2008 erhöhten sich die Auslandsbezüge des Sektors im Vergleich zum Vorjahr um 42 Prozent auf 5,5 Milliarden US-Dollar, während die Exporte um 35 Prozent auf 8,1 Milliarden US-Dollar anzogen.

Weltweit gesehen lag China damit als Importeur auf Rang 15, innerhalb Asiens auf Rang zwei nach Japan. Pro Kopf gerechnet sind die Einfuhren aber im internationalen Maßstab immer noch sehr gering. So beliefen sich diese 2008 auf nur 4 US-Dollar. Auch im regionalen Vergleich ist dies ein sehr niedriger Wert, unterboten nur von Indonesien (2007: 2,2 US$) und Indien (1,5 US$), während Länder wie Malaysia (35,2 US$) und auch Thailand (19,2 US$) weit höhere Umsätze erreichen.

Deutschlands Pharma-Exporteure konnten sich über die Entwicklung in der Vergangenheit freuen. 2008 stellten sie 16 Prozent der chinesischen Einfuhren von Medikamenten und ihre Lieferungen stiegen alleine im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 50 Prozent auf gut 900 Millionen US-Dollar. China ist damit nach Japan der zweitgrößte Absatzmarkt für deutsche Medikamentenhersteller.

Knapp drei Viertel der importierten Medikamente entfallen auf Arzneimittel für den Einzelverkauf wie Insuline oder Antibiotika. Weitere größere Gruppen sind Antisera und Vitamine. Besonders groß ist der Anteil der deutschen Hersteller beim Export von Antisera: hier stellten sie 2008 etwa 43 Prozent der chinesischen Gesamtbezüge in Höhe von 256 Millionen US-Dollar.

China ist innerhalb weniger Jahre ein großer Exporteur von Arzneimitteln und Medikamenten geworden.

Allerdings entfielen 2007 etwa 86 Prozent der Lieferungen ins Ausland auf nicht-dosierte und nicht für den Einzelverkauf aufgemachte sogenannte Bulk-Waren. Größter Einzelposten sind Antibiotika mit einem Anteil von knapp 35 Prozent (2.080 Mio. US$) an den gesamten Ausfuhren von Arzneimitteln, gefolgt von Vitaminen (20%; 1.202 Mio. US$) sowie pharmazeutische Waren wie Watte, Gaze, Binden und diagnostische Reagenzien (15%; 897 Mio. US$).

Größter Abnehmer waren 2007 die USA, die Arzneimittel für 993 Millionen US-Dollar aus China bezogen. Nach US-Angaben erhöhten sich die Lieferungen aus China 2008 im Vergleich zum Vorjahr um etwa die Hälfte auf rund 1.500 Millionen US-Dollar. Zu einem weiteren Großkunden ist in den vergangenen Jahren Indien avanciert, das 2007 Medikamente im Wert von 837 Millionen US-Dollar abnahm (+46,3% im Vergleich zum Vorjahr). Deutschland stand auf Rang drei mit einem Volumen von 440 Millionen US-Dollar (+18,6%). Weitere wichtige Kunden waren Japan, die Niederlande sowie Südkorea.

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