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Die erste Raffinerie Vietnams hat ihren Betrieb am 22. Februar 2009 in Dung Quat aufgenommen. Für das Schwellenland ist dies ein wichtiger Schritt zum Aufbau einer petrochemischen Industrie. Bislang sah sich die erdölexportierende Nation der unerfreulichen Situation gegenüber, wegen fehlender eigener Raffinerie-Kapazitäten die erforderlichen petrochemischen Produkte teuer im Ausland zukaufen zu müssen.
Gegenwärtig muss Vietnam nahezu alle chemischen Rohstoffe und auch das Gros der Endprodukte aus dem Ausland einführen. Besonders bitter trifft dies das von Handelsbilanzdefiziten geplagte Land im Bereich Petrochemie. Obgleich Vietnam zu den Erdölexportnationen gehört, war es bis vor wenigen Tagen nicht inder Lage, das vor Ort explorierte Erdöl zu raffinieren. So belieferte das Land die Weltmärkte im Jahr 2008 zwar mit rund 18 Millionen Tonnen Rohöl im Wert von 10,4 Milliarden US-Dollar (+22% gegenüber dem Vorjahr; Rohöl ist damit für Vietnam der wichtigste Devisenbringer), musste aber gleichzeitig 15 Millionen Tonnen Kraftstoffe und 1,5 Millionen Tonnen Kunststoffe einführen.Nun ist ein Ende dieser misslichen Situation in Sicht. Als erste Raffinerie nahm im Februar 2009 dieDung-Quat-Raffinerie ihren Testbetrieb auf. Ab Ende 2009 sollen hier täglich 140.000 Barrel Rohöl verarbeitet werden (6,5 Mio. Jahrestonnen Rohöl). Weitere sechs petrochemische Komplexe befinden sich im Aufbau beziehungsweise in der Planungsphase. Im Umfeld der drei Kernprojekte im Norden (Nghi Son), in der Mitte (Dung Quat) und im Süden (Southern Petrochemical) soll sich künftig die chemische Industrie des Landes etablieren.Federführend bei Dung Quat ist die staatliche Vietnam National Oil and Gas Group (PetroVietnam Group), darüber hinaus gibt es französische (Technip-Coflexip), japanische (JGC Corp.) und spanische (Technicas Reunidas) Beteiligungen an dem auf 2,5 Milliarden US-Dollar bezifferten Vorhaben. Neben der Raffinierung von Kraftstoffen (1,8 Mio. Jahrestonnen Benzin, 3 Mio. t Diesel, 0,3 Mio. t Flüssiggas) soll Dung-Quat dringend benötigte Rohstoffe für die Kunststoffindustrie erzeugen, nämlich jährlich 100.000 bis 150.000 Tonnen Polypropylen (PP). Bislang muss Vietnam fast den gesamten Bedarf an Kunststoffen in Primärform zukaufen.Als weitere wichtige Erzeuger synthetischer Harze befinden sich seit Juni 2008 der Nghi Son Petrol-Chemical Complex in der Provinz Thanh Hoa und seit September 2008 der Southern Petrochemical Complex im Bau. Nghi Son ist, abgesehen von PetroVietnam (25,1%), hauptsächlich mit ausländischen Geldern finanziert: Die japanische Idemitsu Kosan Co. und die Kuwait Petroleum International halten je 35,1 Prozent. Weitere 4,7 Prozent gehören Mitsui Chemical. Die Investitionskosten betragen 6 Milliarden US-Dollar. Ab 2010 soll Nghi Son unter anderem 300.000 Tonnen PP und 60.000 Tonnen Polystyrol (PS) produzieren. Die Fertigstellung der 1. Phase ist für 2013 anvisiert, dann sollen hier im Jahr 10 Millionen Tonnen Rohöl verarbeitet werden, so die "Vietnam Economic News".Am 3,8 Milliarden US-Dollar teuren Southern Petrochemical Complex in der Provinz Vung Tau sind PetroVietnam, die Vietnam National Chemical Corporation (Vinachem) und zwei thailändische Investoren, darunter als wichtigster Geldgeber SCG Chemicals mit 53 Prozent, beteiligt. Southern Petrochemical soll Ende 2012 die Produktion aufnehmen und ist für die Erzeugung von 1,45 Millionen Tonnen Polyethylen (PE) und PP-Harzen ausgelegt. Hinzu kommen 730.000 Tonnen Chemikalien zur Herstellung von PVC und 840.000 Tonnen anderen chemischen Stoffen.Im November 2008 erhielt die taiwanische Formosa Plastics Group grundsätzlich die Genehmigung zur Errichtung einer Erdölraffinerie mit integriertem Kraftwerk im zentralvietnamesischen Vung Ang, Provinz Ha Tinh. Wie die "Saigon Times" berichtete, soll das Projekt 16,2 Milliarden US-Dollar kosten. Formosa betreibt bereit sein Stahlprojekt in der gleichen Industriezone. Die endgültige Genehmigung steht noch aus. Geplant sind Raffineriekapazitäten von 15 Millionen Tonnen im Jahr. Formosa ist mit über 1 Milliarden US-Dollar Investitionskapital der größte ausländische Einzelinvestor in Vietnam.Im Januar 2009 erteilte die Regierung in Hanoi die Genehmigung zum Bau eines auf 4,4 bis 4,8 Milliarden US-Dollar bezifferten petrochemischen Komplexes in der Zentralprovinz Khanh Hoa. Die Nam Van Phong Refinery soll 10 Millionen Jahrestonnen Rohöl verarbeiten können. Den Auftrag zur Erstellung einer Feasibility-Studie erhielt die staatliche Vietnam National Petroleum Corporation (Petrolimex). Finden sich geeignete Direktinvestoren, dann könnte die Produktion bereits 2013 angefahren werden. Allerdings soll der Staatsanteil weniger als ein Drittel betragen, berichtete die "Vietnam News".Derweil verzögert sich die Realisierung der Vung Ro Oil Refinery in Phu Yen. Solange die Umsiedlung der auf dem Gelände lebenden Menschen nicht abgeschlossen ist, muss der ursprünglich für Ende 2008 anvisierte Beginn der Baumaßnahmen verschoben werden. An dem 1,7 Milliarden US-Dollar teuren Vorhaben sind zu 51 Prozent die britische Technostar Management und zu 49 Prozent die russische Telloil beteiligt. Vung Ro wäre die erste ausschließlich mit Auslandskapital errichtete Raffinerie des Landes. Weitere Gespräche laufen mit Investoren aus Thailand, Großbritannien, Russland, Singapur und Venezuela. Dabei geht es jeweils um Investitionssummen zwischen 1,5 und 3,7 Milliarden US-Dollar.Grundsätzlich sollen nach dem Chemie-Masterplan der Regierung in Hanoi bis 2020 in möglichst vielen Sparten von der Petrochemie über andere Basischemikalien (Säuren, Soda, technische Kautschuke) bis hinzu agrochemischen Produkten und Arzneimitteln eigene Produktionskapazitäten aufgebaut werden. Für dienächsten Jahre ist deshalb von einem überdurchschnittlichen Wachstum des Chemiesektors um 10 bis 15 Prozent auszugehen.Ministry of Industry and TradeInternational Cooperation Department54 Hai Ba Trung Street, Hoan Kiem DistrictHanoi, VietnamTel.: 84 4 2220 2357Fax: 84 4 2220 2357Email: cenit@moit.gov.vnWeb: www.moit.gov.vn