' )Indien - Biotech-Branche wirbt um ausländische Investoren
Asien Kurier 5/2009 vom 1. Mai 2009
Indien

Biotech-Branche wirbt um ausländische Investoren

Von Katrin Pasvantis (gtai)

Indien zählt seit einigen Jahren zu den beliebtesten Investitionsstandorten für Biotechnologieunternehmen weltweit. Bis 2015 soll sich der Branchenumsatz auf rund 7 Milliarden US-Dollar verdreifachen. Immer mehr internationale Konzerne nutzen den Subkontinent, um vergleichsweise kostengünstig biopharmazeutische Arzneimittel für Asien und Entwicklungsländer herzustellen. Zudem spezialisiert sich das Land zunehmend auf Forschung und Entwicklung.

Noch ist die Biotech-Industrie in Indien recht klein. Im Finanzjahr 2007/08 (1.4. bis 31.3) setzten die schätzungsweise 325 Branchenunternehmen rund 2,5 Milliarden US-Dollar um. Doch die Entwicklung schreitet in Riesenschritten voran. In den Jahren 2006/07 und 2007/08 stiegen die Umsätze zweistellig um 31 Prozent beziehungsweise 20 Prozent. Das zuletzt gedrosselte Wachstum spiegelt die Konsolidierung der Branche wider, und konjunkturbedingt dürfte das Tempo 2008/09 zusätzlich etwas nachgelassen haben. Es wird jedoch erwartet, dass der Sektor wieder Fahrt aufnimmt, sobald er die notwendigen Anpassungen durchlaufen und die krisenbedingte Abschwächung überstanden hat.

Bis 2015 soll sich der Branchenumsatz Schätzungen des Fachverbandes Association of Biotechnology Led Enterprises (ABLE) zufolge auf 370 Milliarden indische Rupien (***) in etwa verdreifachen. Das Land zählt deshalb zu den weltweit wichtigsten Zukunftsmärkten.

Wichtigstes Segment ist die pharmazeutische Biotechnologie mit einem Anteil von knapp 70 Prozent am Gesamtumsatz. Indien ist mengenmäßig der viertgrößte Arzneimittelhersteller der Welt und auf Generika spezialisiert. Lange gab es auf dem Subkontinent kein Produktpatent für pharmazeutische Erzeugnisse, und zahlreiche lokale Unternehmen ahmten ohne Lizenz Präparate nach, die nur im Ausland patentiert waren.

Erst 2005 wurde ein neues Patentrecht eingeführt, das auch für Pharmazeutika gilt. Damit wurden die rechtlichen Grundlagen geschaffen, um die Verpflichtungen, die sich aus der WTO-Mitgliedschaft und dem TRIPS-Abkommen (Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights) ergeben, zu erfüllen. In der Folge begann in Indien eine Umbruchphase: Das Land entwickelte sich vom Generika-Produzenten zum kostengünstigen Anbieter für die Erprobung neuer Medikamente und die Durchführung klinischer Tests.

Zudem haben indische Labore in den letzten Jahren begonnen, in die Entwicklung eigener Produkte zuinvestieren. Die Ausgaben dafür beliefen sich im Finanzjahr 2007/08 Schätzungen zufolge auf rund 27 Milliarden Rupien.

Obwohl die Entwicklung innovativer Arzneimittel trotz des neuen Patentrechts Brancheninsidern zufolge weiterhin mit einer gewissen Rechtsunsicherheit behaftet ist, verlagern immer mehr internationale Unternehmen ihre Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten nach Indien. Die Infrastruktur im Pharmabereich entspricht westlichen Standards, und mehr als 70 Produktionsanlagen sind von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde U.S. Food and Drug Administration (FDA) zugelassen. Die Kosten für klinische Studien beispielsweise liegen jedoch 30 bis 40 Prozent unter denen in Europa oder in den USA. Einsparungen von bis zu 40 Prozent sollten sich auch beim Aufbau einer eigenen Fertigung realisieren lassen.

Die Investitionschancen für deutsche Biotech-Unternehmen auf dem Subkontinent sind gut, und entsprechende Engagements werden von deutscher und indischer Seite unterstützt. Auftakt der angestrebten engeren Kooperation zwischen Wissenschaftlern beider Länder war der Indien-Besuch der Bundeskanzlerin Angela Merkel im November 2007, gefolgt vom Aufbau eines "Deutsch-Indischen Wissenschafts- und Technologiezentrums" in New Delhi, das die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan, zusammen mit ihrem indischen Amtskollegen Kapil Sibal im September 2008 eröffnete.

Eine erste gemeinsame Fördermaßnahme für deutsch-indische Forschungsprojekte - unter anderem in der Biotechnologie und der Gesundheitsforschung - im Rahmen des neuen Zentrums wurde Mitte Februar 2009 bekannt gegeben. Die Finanzmittel stellen das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das indische Department of Science and Technology (DST) des Ministry of Science and Technology (MST) bereit.

Gefördert werden können sogenannte "2+2 Projekte", also FuE-Projekte mit Beteiligung mindestens einer deutschen und einer indischen Forschungseinrichtung sowie mindestens eines deutschen und eines indischen Industriepartners. Der förmliche Antrag muss bis zum 30. April 2009 gemeinsam mit dem ausländischen Partner zeitgleich beim Internationalen Büro (IB) des BMBF und beim DST eingereicht werden. Weitere Informationen zu der Fördermaßnahme können auf Deutsch unter

"www.internationales-buero.de/de/3299.php" abgerufen werden.

Der indische Biotechnologiesektor ist offen für ausländische Direktinvestitionen (Foreign Direct Investments, FDI), das heißt ausländische Firmen können 100-prozentige Tochterfirmen gründen und unbegrenzt Anteile an indischen Unternehmen erwerben. Die indische Regierung fördert FDI in der Biotechnologie nicht nur über gemeinsame Maßnahmen mit ausländischen Regierungen. Sie will die Ansiedlung internationaler Unternehmen auch durch den Aufbau von Biotechnologieparks unterstützen. In den nächsten Jahren sollen zahlreiche neue Projekte entstehen, viele davon auf der Basis von Public Private Partnership (PPP). Mehrere Bundesstaaten haben entsprechende Vorhaben angekündigt und sind auf der Suche nach Kooperationspartnern.

Indiens sechs wichtigste Biotech-Standorte sind Bangalore, Hyderabad, Pune und Mumbai sowie Ahmedabad und Vadodara. Im südindischen Staat Karnataka haben sich mit knapp 200 der insgesamt circa 325 Firmen die meisten Unternehmen angesiedelt, davon allein 140 in Bangalore.

Zu den umsatzstärksten Biotech-Unternehmen im Jahr 2007/08 zählten Serum Institute of India, Biocon und Panacea Biotec, gefolgt von Nuziveedu Seeds, Rasi Seeds, Novo Nordisk, Novozymes South Asia, Indian Immunologicals, Mahyco und Syngene International. Die drei größten Unternehmen erwirtschafteten 25 Prozent des Branchenumsatzes. Im forschungsintensiven Biotechsektor sind schätzungsweise 20.000 Wissenschaftler beschäftigt.

Internationales Büro des BMBF beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)

Heinrich-Konen-Straße 1

53227 Bonn

Ansprechpartnerin: Verena Müller

Tel.: 49 228 3821462

Fax: 49 228 3821444

Email: verena.mueller@dlr.de

Web: www.internationales-buero.de

Department of Biotechnology (DBT)

Ministry of Science and Technology

Block - 2, CGO Complex, Lodi Road

New Delhi 110 003, Indien

Tel.: 91 11 2436 3748

Fax: 91 11 2436 2884

Web: dbtindia.nic.in

Association of Biotechnology Led Enterprises (ABLE)

No. 13, 2. Floor, 4. C Block, 10. Main Road

Koramangala, Bangalore 560 034, Indien

Tel.: 91 80 2553 3930

Fax: 91 80 2553 3998

Email: info@ableindia.org

Web: www.ableindia.org


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