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Angesichts stark rückläufiger Exporte sind die Containerschiffe, die die Volksrepublik China anlaufen, deutlich weniger ausgelastet. Insbesondere im südchinesischen Perlflussdelta, wo die drei Häfen Hongkong, Shenzhen und Guangzhou 2008 noch über 57 Millionen TEU abfertigten, ist die Krise greifbar. Jeweiter man jedoch nach Norden kommt, desto weniger dramatisch sieht die Lage aus. Die Terminals in Tianjin und Qingdao vermeldeten im 1. Quartal 2009 gegen den Trend ein leichtes Wachstum.
Die Exporte sind zum Jahresende stark eingebrochen, da die Endabnehmer in den USA und Europa angesichts der internationalen Krise und der allgemeinen Konsumzurückhaltung merklich weniger Waren kaufen beziehungsweise zunächst ihre Lager leeren. Doch nicht nur das Gesamtvolumen ist zurückgegangen. Das Geschäft ist auch "gemächlicher" geworden. Bereits bestellte Waren müssen nicht mehr so schnell wie in Vorkrisenzeiten ihren Bestimmungsort erreichen. Wie Logistiker berichten, fahren die Containerschiffe daher nicht nur langsamer, sondern haben auch teilweise ihre Routen geändert. So umrunden immer mehr Kapitäne das Kap der Guten Hoffnung statt den teuren Suez-Kanal zu benutzen.Eine steigende Anzahl von Schiffen liegt zudem untätig vor der chinesischen Küste und an Land stapeln sich die unbenutzten Container. Besonders in den Gewässern vor Hongkong, die von Schiffen auf dem Weg zu den Häfen des Perlflussdeltas passiert werden müssen, hat sich die Lage erkennbar zugespitzt. Nachts ist die See von ankernden Schiffen, die auf Ladung warten, hell erleuchtet, und tagsüber kann selbst der Laie erkennen, dass die auslaufenden Schiffe nur noch in Ausnahmefällen voll beladen sind.An den Terminals in Hongkong, Shenzhen und Guangzhou, die nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen und teilweise denselben Betreiber haben, wurden 2008 rund 57 Millionen TEU abgefertigt. Die Region ist damit eines der größten Umschlagszentren Chinas und der Welt, hat aber im Zuge der Krise deutlich an Dynamik verloren. Shenzhen war nach Vorstellungen der Provinzregierung bereits auf dem Weg zum drittgrößten Containerhafen der Welt und sollte Hongkong spätestens 2009 auf Rang vier abdrängen. Hongkong musste in der Vergangenheit kontinuierlich Marktanteile an die benachbarte Konkurrenz abtreten, deren Abfertigungskosten merklich geringer waren.Doch 2008 war die Aufholjagd beendet. Das Perlflussdelta, die Exportfabrik Chinas, war eine der ersten Regionen, die die internationale Finanzkrise deutlich zu spüren bekamen und so legte der Containerumschlag Shenzhens gegenüber dem Vorjahr nur noch um rund 1,5 Prozent zu. Hongkong konnte derweil mit +2 Prozent erstmals seit vielen Jahren eine, wenn auch nur minimal, höhere Wachstumsrate realisieren.Doch die Freude dürfte nicht lange währen, denn für 2009 müssen sich die beiden Erzrivalen nach Einschätzung von Analysten auf zweistellige Umsatzeinbußen vorbereiten. Das 1. Quartal 2009 gab bereits einen kleinen Vorgeschmack. So vermeldeten die Terminals in Shenzhen einen Rückgang ihres Containerumschlags um 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Hongkonger Marine Department erwartet einen ähnlich dramatischen Einbruch.Auch vom Hafen in Guangzhou, der in den vergangenen Jahren mit Wachstumsraten von durchschnittlich rund 40 Prozent zu den dynamischsten der Welt gehörte, kam keine Entwarnung. Im Jahr 2003 noch mehr oder weniger bedeutungslos, war er bis 2008 zum drittgrößten Containerhafen Chinas aufgestiegen und spielte gemessen am Umschlag schon in der gleichen Liga wie Rotterdam, Hamburg oder Dubai.Die Boomzeiten sind nun vorbei. Im Jahr 2008 konnte er zwar noch einmal um 19 Prozent zulegen, doch gegenüber den Jahren 2006 bis 2007 hatte sich die Wachstumsrate damit halbiert. Im 1. Quartal 2009 brach der Umschlag gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast ein Viertel ein. Das ist der stärkste Rückgang unter den zehn größten Häfen des Landes. Ningbo und Qingdao konnten gemessen am absoluten Umschlag sogar an Guangzhou vorbeiziehen und die Provinzhauptstadt auf Rang fünf der Statistik verweisen.Damit zeichnet sich im Frühjahr 2009 bereits deutlich ab, dass die südchinesischen Häfen - einschließlich Hongkong - zu den großen Verlierern der Krise gehören. Sie leiden vor allem darunter, dass sich ihre Hauptkunden, die Exportfabriken im Perlflussdelta, zu stark auf die Fertigung von Konsumwaren für die USA konzentriert haben.Je weiter man in Richtung Norden geht, desto weniger dramatisch sieht derweil die Lage aus. So sanken die Containerumschläge in Shanghai und Ningbo im 1. Quartal 2009 auf Jahresbasis nur um 15 beziehungsweise 10 Prozent. Die Häfen in Tianjin und Qingdao konnten in den ersten drei Monaten mit jeweils +1und +2 Prozent sogar leicht wachsen. Damit dürften sie gestärkt aus der Krise hervorgehen. Auch auf längere Sicht dürften sie aber, insbesondere im Vergleich zu Hongkong, Shanghai oder Shenzhen, kaum die Bedeutung von internationalen Transithäfen erlangen.