' )Indien - Expansive Stahlproduktion
Asien Kurier 6/2009 vom 1. Juni 2009
Indien

Expansive Stahlproduktion

Von Boris Alex (gtai)

Nach einer kurzen Durststrecke können die indischen Stahlproduzenten aufatmen. Trotz des Konjunkturabschwungs auf dem Subkontinent befindet sich die Binnennachfrage nach Stahlerzeugnissen bereits wieder auf Wachstumskurs. Vor allem der Infrastruktursektor sowie die Kfz- und Schienenfahrzeugbauer sorgen für eine rege Nachfrage.

Einer Prognose der World Steel Association (www.worldsteel.org) zufolge soll der Verbrauch von Stahl und Stahlerzeugnissen in Indien 2009 um rund 2 Prozent auf 56 Millionen Tonnen zulegen. Damit stemmt sich Indien gegen den globalen Abwärtstrend, denn weltweit werde der Konsum um fast 15 Prozent zurückgehen, so der Verband. Mussten die indischen Stahlhersteller im 4. Quartal 2008 noch einen Nachfrageeinbruch von fast 14 Prozent verkraften, verbuchte die Branche in den ersten drei Monaten 2009 bereits wieder ein Plus beim Stahlverbrauch von fast 4 Prozent und bei der Produktion von 1 Prozent.

Die rasche Erholung ist nach Einschätzung der Indian Stainless Steel Development Association (ISSDA) vor allem auf die in der zweiten Jahreshälfte 2008 angestoßenen Infrastrukturprojekte zurückzuführen. Von den Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 700 Milliarden indischen Rupien profitieren laut ISSDA auch die Stahlproduzenten. Die Gelder fließen unter anderem in das Straßenbauprogramm sowie die geplante Modernisierung und Erweiterung der See- und Flughäfen.

Durch die Ausweitung der staatlichen Infrastrukturausgaben konnte der Rückgang bei der privaten Bautätigkeit zumindest teilweise kompensiert werden, so die Einschätzung des Branchenverbandes.

Weitere positive Impulse erhoffen sich die Stahlproduzenten unter anderem von der Fahrzeugindustrie. Die Hersteller von Edelstahl setzen dabei auch auf den "Nano-Effekt". Die Produktion des Billig-Pkw aus dem Hause Tata ist inzwischen angelaufen und soll bis Ende 2010 auf 1 Million Fahrzeuge pro Jahr gesteigert werden.

Auch der Waggonbau dürfte die Nachfrage nach Edelstahl beflügeln. Die staatliche Eisenbahngesellschaft Indian Railways möchte noch 2009 zwei Fabriken für Schienenfahrzeuge in Betrieb nehmen. An den beiden geplanten Standorten in den Bundesstaaten Kerala und Uttar Pradesh sollen insgesamt 15.000 Waggons gefertigt werden. Den Bedarf an rostfreiem Edelstahl hierfür schätzt ISSDA auf 100.000 bis 120.000 Tonnen. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Edelstahl soll sich bis 2011 auf 2 kg verdoppeln, so eine Prognose des Verbandes. In Indien werden jedes Jahr etwa 1,7 Millionen Tonnen Edelstahl produziert, davon gehen 400.000 Tonnen in den Export.

Auch langfristig bleiben die Aussichten für die indische Stahlindustrie rosig, denn der Nachholbedarf auf dem Subkontinent ist enorm. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Stahlerzeugnissen liegt mit rund 40 kg weit unter dem internationalen Durchschnitt von 200 kg. Der Konsum soll in den kommenden Jahren je nach Konjunkturentwicklung zwischen 8 und 15 Prozent per annum zulegen, so eine ISSDA-Schätzung.

Wachstumstreiber sind neben dem Ausbau der Infrastruktur - hier werden rund 60 Prozent der Stahlerzeugnisse verbraucht - der Automobilsektor, der Maschinenbau sowie die Konsumgüterindustrie.

Um den wachsenden Stahlhunger auch weiterhin stillen zu können, müssen die indischen Hersteller ihre Kapazitäten erheblich ausbauen. Bereits heute sind die Werke im Schnitt zu 90 Prozent ausgelastet. Laut Ministry of Steel soll sich der jährliche Output bis 2020 auf knapp 300 Millionen Tonnen verfünffachen. Den Investitionsbedarf hierfür schätzt das Ministerium auf rund 180 Milliarden US-Dollar. Im laufenden Fünfjahresplan (2007 bis 2012) erwartet die Regierung Investitionen in einer Größenordnung von 56 Milliarden US-Dollar.

Zwar haben die indischen Stahlproduzenten angesichts der internationalen Finanzkrise ihre Expansionspläne zum Teil auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Nach Angaben der India Brand Equity Foundation (Ibef) wurden bis Mitte 2008 jedoch knapp 200 Investitionsabsichten indischer und internationaler Stahlkonzerne über Kapazitätserweiterungen im Umfang von 240 Millionen Tonnen unterzeichnet. Das Projektvolumen beziffert Ibef auf rund 100 Milliarden US-Dollar.

Der weltweit größte Stahlproduzent Arcelor Mittal und Indiens größter Stahlkonzern Tata Steel führen mit jeweils zwei Werken und einer geplanten Kapazität von insgesamt 48 Millionen Tonnen die Liste der Investoren an. Das koreanische Unternehmen Posco sowie die beiden indischen Konzerne Reliance Infrastructure und Bhushan Steel wollen jeweils ein Stahlwerk mit einer jährlichen Erzeugungsmenge von 12 Millionen Tonnen bauen. Das Investitionsvolumen allein dieser fünf Unternehmen beläuft sich laut Ibef auf rund 60 Milliarden US-Dollar.

Doch in der Vergangenheit ist es bei Stahlprojekten immer wieder zu erheblichen Verzögerungen gekommen. Posco versucht bereits seit 2005, sein erstes Stahlwerk mit einer jährlichen Produktion von 12 Millionen Tonnen auf indischem Boden zu errichten. Obgleich die Koreaner bereits die vorläufige Genehmigung zur Gründung einer Sonderwirtschaftszone (Special Economic Zone) von der Zentralregierung erhalten haben, gestaltet sich die Landakquise für das Projekt laut einer Analyse der Associated Chambers of Commerce and Industry of India (Assocham) schwierig.

Auch Indiens größter Stahlkonzern Tata Steel wartet weiterhin auf eine endgültige Genehmigung des Landerwerbs für seine drei Greenfield-Projekte in den Bundesstaaten Jharkhand, Orissa und Chhattisgarh.

Selbst Arcelor-Mittal hat bei seinem Markteinstieg in Indien mit Verzögerungen zu kämpfen. Während der Stahlriese in Jharkhand zwar mittlerweile die Lizenz für den Erzabbau hat, aber kein Land besitzt, auf dem er das Werk errichten könnte, ist es in Orissa genau umgekehrt. Zuletzt hatte das Unternehmen bekannt gegeben, dass sich die Fertigstellung der Projekte um zwei Jahre auf 2014 verzögern wird.

Indian Stainless Steel Development Association (ISSDA)

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New Delhi 110 016

Tel.: 91 11 2686 5631

Fax: 91 11 2686 3376

Email: nissda@gmail.com

Web: www.stainlessindia.org

Ministry of Steel

Udyog Bhavan

New Delhi 110 107

Tel.: 91 11 2306 2052

Fax: 91 11 2306 3236

Email: secy-steel@nic.in

Web: www.steel.nic.in


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