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Shanghai nimmt einen neuen Anlauf, um ihre Wettbewerbsfähigkeit weiter zu steigern. Dazu fusioniert der knapp 700 km2 große Nanhui-Distrikt mit der bisherigen Wirtschaftssonderzone Pudong zu einem neuen Bezirk so groß wie New York.
Das ehemalige Nanhui wird künftig dieselben Präferenzbedingungen für Investoren bieten können wie Pudong. Shanghai erhofft sich dadurch eine effektivere Verknüpfung der Finanzbranche von Pudong mit dem Transport- und Logistiksektor in Nanhui.Die Stadtregierung, der die National Development & Reform Commission jüngst grünes Licht für diese administrative Änderung gegeben hat, verspricht sich davon neue Impulse für die Entwicklung der Großstadt. Das vor 19 Jahren gegründete Pudong hat sich bislang stark auf den Finanzsektor konzentriert und brachte im Zuge der Entwicklung im Hochhausviertel Luziazui das Finanzzentrum Chinas hervor. So existiert hier beispielsweise der Shanghai Stock Exchange, neben Shenzhen die einzige Börse in der Volksrepublik. Weitere wirtschaftlich bedeutsame Bezirke des Stadtteils sind die Waigaoqiao Free Trade Zone, die Jinqiao Export Processing Zone und der Zhangjiang Hi-tech Park.Mehrere Ziele sollen durch die Fusion erreicht werden. Pudong selbst leidet seit längerem an Bodenknappheit, da es kaum noch Flächen gibt, die bebaut werden können. Aktuell beläuft sich die Bevölkerungsdichte in dem Stadtbezirk auf 3.650 Personen pro Quadratkilometer, während Nanhui mit 1.100 weit darunter liegt. Es steht zu erwarten, dass Boden- und Immobilienpreise in Pudong fallen werden, während sie auf dem Gebiet des ehemaligen Nanhui zunehmen dürften.Nanhui war bislang auf den Fracht- und Logistiksektor konzentriert. Da der alte Shanghaier Hafen nicht tief genug war, wurde seit 2000 an der Errichtung des Yangshan-Hafens in Nanhui gearbeitet. Der Deep-Water-Port, der durch die 32,5 km lange Donghai-Brücke mit dem Festland verbunden ist, gilt als der zweitgrößte Containerhafen der Welt. Nach seiner Fertigstellung 2020 soll er über 30 Anlegeplätze verfügen und 15 Miliionen TEU pro Jahr umschlagen können. Die Gesamtkosten werden auf 12 Milliarden US-Dollar beziffert.Die engere Verknüpfung von Finanzen mit Transport und Logistik dürfte vor allem für Nanhui neue Impulse bringen. Die bislang nur für Pudong geltenden Sonderregeln wie beispielsweise niedrigere Steuern und bevorzugte Behandlung von Investoren werden eins zu eins auf Nanhui übertragen, so dass eine dynamische Entwicklung des Bezirks in nächster Zeit erwartet wird.Im Gespräch sind daher auch neue Infrastrukturprojekte, die die beiden Stadtteile logistisch besser miteinander verknüpfen sollen. Im Zentrum der Überlegungen steht eine neue U-Bahnlinie, die die Waigaoqiao Free Trade Zone im Norden Pudongs mit der aus dem Boden gestampften, etwa 30 km entfernten Satellitenstadt Lintang verbinden soll. Lintang wurde vom Hamburger Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner konzipiert und befindet sich seit 2003 im Aufbau. Bis 2020 dürfte die Vorzeige-Stadt auf einer Fläche von 300 km2 etwa 800.000 Einwohner haben.Die Shanghaier Stadtregierung erwartet, dass der neue Bezirk in den nächsten zehn bis 20 Jahren zur konjunkturellen Lokomotive der gesamten Metropole avanciert. Dazu soll insbesondere eine engere Verknüpfung des Distrikts Lujiazui (Finanzen) mit Waigaoqiao (Free Trade) und dem Tiefwasserhafen Yangshan beitragen.Mit einem BIP pro Kopf von 72.560 Renminbi ist Shanghai eine der reichsten Städte Chinas und Pudong steht mit 162.000 Renminbi weit an der Spitze. Dabei ist die Wirtschaftssonderzone ungewöhnlich importintensiv. Die Auslandsbezüge beliefen sich 2008 auf 78,6 Milliarden US-Dollar. Das waren mehr als die gesamten Einfuhren der Provinz Jiangsu (76,4 Mrd. US$) und wurden im Landesvergleich nur von Guangdong (306,4 Mrd. US$) sowie Shandong (91,0 Mrd. US$) übertroffen.Shanghai insgesamt ist eine der am stärksten von der Weltwirtschaftskrise betroffenen Regionen Chinas.Rein rechnerisch betrug 2008 der Anteil der Ausfuhren am gesamten BIP der Stadt hohe 81,4 Prozent. So verwundert es nicht, dass der Rückgang des Außenhandelsvolumens im 1. Quartal 2009 um 26,3 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode zu schaffen macht.In der Folge wuchs das BIP in Shanghai im gleichen Zeitraum nach Angaben des Shanghai Statistics Bureau nur noch um 3,1 Prozent. Vor Jahresfrist hatte der Anstieg noch bei satten 11,5 Prozent gelegen. Die aufgrund der schwachen Auslandsnachfrage sinkende Industrieproduktion macht der Stadt schwer zu schaffen, und dass überhaupt noch ein Wirtschaftswachstum erzielt werden konnte, ist einzig dem Tertiärsektor zu verdanken. Er wuchs in den ersten drei Monaten 2009 im Vergleich zur Vorperiode um 13,1 Prozent auf knapp 190 Milliarden Renminbi. Darunter war insbesondere der Einzelhandel dynamisch. Mit einem Zuwachs von 14,1 Prozent auf 125 Milliarden Renminbi zeigte er sich nahezu unbeeindruckt von der internationalen Finanzkrise.