
Vietnam schneidet als Investitionsstandort im internationalen Vergleich mit anderen asiatischen Ländern weiterhin gut ab. Allerdings trüben die stark wachsenden Büromieten und der zunehmende Mangel an Fachkräften das Bild etwas ein.
Für ausländische Investoren gewinnt das Land auf Grund seines kräftigen Wirtschaftswachstums und der mit dem WTO-Beitritt verbundenen breiteren Marktöffnung als Wirtschaftspartner spürbar an Bedeutung. Vietnam liegt im Kostenvergleich mit 30 asiatischen Städten und Wirtschaftsgebieten dieser Region einem Japan External Trade Organisation (JETRO)-Bericht zufolge vor allem bei den Lohnkosten deutlich am Ende der Skala. Auch die Aufwendungen für internationale Telekom-Dienste und elektrischen Strom sind etwas niedriger als in anderen Ländern der Region. Zudem sanken die Kosten für Containerverschiffungen mittlerweile auf das asiatische Durchschnittsniveau. Ein etwas anderes Bild zeichnet sich hingegen bei Gehältern in der mittleren Managementebene und bei Büromieten ab, die seit circa zwei Jahren drastisch steigen.Während die Löhne in Hanoi und in der Wirtschaftsmetropole Ho Chi Minh City (ehemals Saigon) laut JETRO-Bericht 2006 um 15,6 Prozent auf durchschnittlich 155,75 US-Dollar monatlich kletterten, wuchsen die Gehälter im mittleren Management um beachtliche 39,8 Prozent auf 956,75 US-Dollar. Bei Löhnen verzeichnete die Statistik ein Niveau, das deutlich unter dem asiatischen Durchschnitt von 262,67 US-Dollar (+28%) liegt. Nur Indonesien (Jakarta/Batam) ist mit 134,33 US-Dollar im Vergleich billiger als Vietnam. Demgegenüber gehören die Gehälter für das Mittelmanagement nach Singapur (2006: 3.047,50 US$), Malaysia (Kuala Lumpur: 1.638 US$) und Indien (New Delhi: 1.100,31 US$) zu den höchsten in der Region. Dies erklärt sich durch den Mangel an geeigneten Fachkräften im Land.Auch bei den Büromieten gehört der Standort mittlerweile zu den Spitzenreitern in Asien. So stiegen 2006 die Mietpreise gegenüber dem Vorjahr um 39 Prozent. Das sehr knappe Büroangebot in Ho Chi Minh City und Hanoi und die durch den stärkeren Zustrom ausländischer Investoren bedingte verstärkte Nachfrage nach gewerblichen Räumlichkeiten treiben die Mieten kräftig in die Höhe. So ist Hanoi gegenwärtig nach Seoul, Singapur und Mumbai bezüglich der Büromieten teuerste Stadt in Asien. Eine positive Entwicklung nahmen 2006 die Kosten der Container-Verschiffung. Dem JETRO-Bericht zufolge wurde unter anderem der Seetransport von Containern von den vietnamesischen Häfen Haiphong (Nordvietnam) oder Ho Chi Minh City nach Yokohama (Japan) gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent billiger. Damit sind die Transportkosten auf asiatisches Durchschnittsniveau gesunken. Auch bei internationalen Telefondiensten und bei den Stromtarifen liegt Vietnam etwas günstiger als die übrige asiatische Konkurrenz. Der Fernmeldeservice ist billiger als beispielsweise in der Volksrepublik China oder Indonesien.Das südostasiatische Land verzeichnet seit zwei Jahren einen massiven Zustrom von ausländischem Kapital. 2006 sind nach Angaben des Foreign Investment Department des Ministry of Planning and Investment (MPI) die ausländischen Direktinvestitionen um über 49 Prozent auf insgesamt 10,2 Milliarden US-Dollar gestiegen. Davon entfielen 7,83 Milliarden auf neue Projekte. Auch im Jahr 2007 bleibt das Interesse ausländischer Investoren lebhaft. Das MPI bewilligte bereits im 1. Halbjahr 2007 neue ausländische Direktinvestitionen sowie Kapitalerhöhungen für bereits bestehende Projekte im Wert von insgesamt 5,21 Milliarden US-Dollar, was einem Zuwachs gegenüber dem 1. Halbjahr 2006 um etwa 8 Prozent entsprach.Hanoi registriert seit über einem Jahr besonders einen sehr starken Zufluss von ausländischem Kapital aus anderen asiatischen Ländern. Insbesondere Investoren aus Japan, der VR China, Taiwan, Singapur und Südkorea verstärken ihre Aktivitäten. Dem JETRO-Bericht zufolge beabsichtigen mehr als 80 Prozent der bereits in Vietnam tätigen japanischen Firmen, ihr Engagement zu verstärken. Nippon hat seine 2006 getätigten Direktinvestitionen gegenüber dem Vorjahr auf über 1 Milliarde US-Dollar mehr als verdoppelt.