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Asien Kurier Vietnam-Special vom 13. November 2007
Vietnam

Human Resources in Vietnam

Von Christian Döringer

Von einer erheblichen Zunahme ausländischer Direktinvestitionen ist auszugehen. Dabei stellt sich die Einstellung und Führung lokaler Mitarbeiter immer mehr als eine der kritischen Problemzonen auch deutscher Investoren heraus.

Erst in den letzten Jahren hat sich das Arbeitsrecht parallel zur wirtschaftlichen Öffnung Vietnams entwickelt. Zuvor gab es im kommunistisch geregelten Wirtschaftssystem keine den westlichen Industrieländern vergleichbare Rechtsstruktur. Diese Entwicklung ist vielerorts noch nicht beendet. Der rechtliche Rahmen weist in vielen Bereichen noch erhebliche Lücken auf und lässt teilweise breite Interpretationsmöglichkeiten zu. Maßgebliche Bestimmungen sind das vietnamesische Arbeitsrecht (in der gültigen Fassung von 2003), das Gewerkschaftsrecht von 1990, das Sozialversicherungsrecht von 2006 und eine Anzahl von Erlassen. (siehe Kasten auf der nächsten Seite)

Das vietnamesische Sozialversicherungssystem ist im Aufbau begriffen. Erst seit 1995 gibt es ein Sozialversicherungssystem, das nach Regierungsangaben derzeit nur ca. 15 Prozent aller Arbeitnehmer abdeckt.

Im Jahr 2006 hat die Regierung eine Sozialversicherungsreform verabschiedet. Zu den Massnahmen gehören unter anderem:

- Phasenweise Erhöhung der Arbeitgeberbeiträge auf 21 Prozent und Arbeitnehmerbeiträge auf 10 Prozent (von 2010 bis 2014);

- Einführung eines neuen freiwilligen Sozialversicherungsprogrammes für zusätzliche Leistungen aus der Rentenversicherung. Dieses neue Programm wird ab dem 1. Januar 2008 eingeführt. Beiträge werden alleine vom Arbeitnehmer getragen;

- Einführung einer Arbeitslosenversicherung ab 1. Januar 2009. Die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge zu diesem Program werden jeweils 1 Prozent betragen.

Viele Arbeitgeber bieten ihren Mitarbeitern zusätzliche freiwillige Sozialleistungen an. Besonders beliebt sind private Zusatzkranken-, Lebens- und Unfallversicherungen. Auch mit zusätzlichen Urlaubstagen bemühen sich Firmen die Arbeitnehmer vom Job-Hopping abzuhalten. Mitarbeiter schätzen diese Nebenleistungen als Signal, das sich das Unternehmen um die sozialen Belange des Arbeitnehmers kümmert.

Offiziellen Angaben zufolge ist die Arbeitslosigkeit ist niedrig und beträgt, je nach Quelle, zwischen 4 und 5 Prozent. Allerdings muss man diese Zahl mit Vorsicht betrachten, da viele Menschen im informellen Sektor tätig sind oder sich nicht offiziell als arbeitssuchend angemeldet haben. Besonders bei ungelernten Arbeitskräften muss von einer höheren Arbeitslosenquote ausgegangen werden. In der Tat aber herrscht heute ein eklatanter Mangel an qualifizierten technischen Mitarbeitern, sowie international erfahrenen Fach- und Führungskräften, wobei die Mitarbeiterfluktuation im zweistelligen Bereich liegt. Die Loyalität zum Unternehmen ist bei hochqualifizierten Arbeitnehmern eher niedrig und viele wechseln für eine relativ moderate Gehaltserhöhung zu einem anderen Unternehmen.

Aufgrund des Mangels an qualifizierten Mitarbeitern sind die Gehälter in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Durchschnittliche Gehaltserhöhungen in diesem Jahr (2007) schwanken zwischen 9 und 12 Prozent. Für 2008 werden im allgemeinen noch etwas höhere Steigerungsraten erwartet. Dieser Gehaltsanstieg liegt etwas höher als das BIP-Plus und 2 bis 5 Punkte über der Inflationsrate. Trotz steigenden Löhnen und Gehältern bleibt Vietnam noch ein Niedriglohnland in dem ungelernte Arbeitskräfte monatlich etwa 80 bis 100 US-Dollar verdienen.

Wer in Vietnam erfolgreich sein will, muss sich mit dem Thema Human Resources intensiv auseinandersetzen. Der in den nächsten Jahren erwartete Investitionsschub wird zu einem andauernden Mangel an qualifizierten Arbeitskräften führen. Eine gut durchdachte Personalstrategie zur Gewinnung, Motivation und Erhaltung gut ausgebildeter Fach- und Führungskräfte wird erheblich zum Erfolg oder Misserfolg einer Investition beitragen.





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