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Vietnam Fokus 0/2008 vom 15. Februar 2008
Vietnam

Investoren für Kraftwerksprojekte gesucht

Von Udo Bartsch (gtai)

Für den rasanten Kunjunkturaufschwung braucht das südostasiatische Land eine gesicherte Energieversorgung Auf Grund unzureichender Kapazitäten und erheblicher Verspätungen bei der Inbetriebnahme neuer Kraftwerke kam es 2007 zu massiven Stromausfällen, die nicht nur die Privathaushalte sondern auch viele Industriebetriebe deutlich zu spüren bekamen.

Hanoi ist daher an Investitionen im Bereich des Kraftwerksbaus sehr interessiert. Ausländische Investoren sollen verstärkt für derartige Vorhaben gewonnen werden. Der vietnamesische Energieplan (National Power Development Plan) sieht bis 2015 die Errichtung von insgesamt 124 neuen Kraftwerken vor. Dabei sollen von der staatlichen Versorgungsgesellschaft Electricity of Vietnam (EVN) 48 Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 20.570 MW und von unabhängigen in- und ausländischen Stromerzeugern Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 15.360 MW gebaut werden. Die Gesamtkosten für diese Investitionen veranschlagt die EVN auf umgerechnet 27 Milliarden Euro. Für die bis 2010 geplante Inbetriebnahme von 25 Werken werden vorrangig 10,7 Milliarden Euro benötigt.

Vietnam hofft, ausländische Investoren an Energievorhaben in Form von Betreibermodellen (BOT, BTO, BT) durch eine Modifizierung der entsprechenden Vorschriften stärker zu interessieren. Bisher scheiterten viele derartige Vorhaben an den Preisverhandlungen mit der EVN über die garantierten Abnahmepreise für Strom. Die zu niedrigen Preise sind nach Meinung vieler potentieller ausländischer Investoren Haupthindernis für die Realisierung von Kraftwerksprojekten. Zudem beabsichtigt die Regierung, durch eine kontinuierliche Öffnung des bisher weitgehend abgeschotteten Energiemarktes mehr ausländische Interessenten für Energievorhaben zu gewinnen.

Dies soll in drei Phasen bis 2024 geschehen. In der ersten Stufe (bis 2014) soll ein kontinuierlicher Abbau der Monopolstellung der EVN durch eine Verselbständigung der von ihr betriebenen Kraftwerke sowie Netz- und Vertriebsgesellschaften erfolgen. Danach bis 2022 ist die Bildung eines Großhandelsmarktes für Elektroenergie geplant. Anschließend soll in einer Experimentierphase (2022 bis 2024) einigen ausgewählten Energieversorgern der freie Stromverkauf an die Endverbraucher gestattet werden. Ab 2024 ist unter der Aufsicht des Power Regulatory Department des Industrieministeriums eine vollständige Marktöffnung geplant. Die Verbraucher werden dann frei entscheiden können, von wem sie ihren Strom beziehen möchten.

Die Teilprivatisierung ("Equitization") der EVN-Kraftwerke über den Börsengang ist bereits voll im Gange. Ein neuer Privatisierungsplan der EVN, der kürzlich der Regierung zugeleitet wurde, sieht die Umwandlung der meisten unter EVN-Leitung befindlichen Kraftwerke in Joint Stock Companies noch vor Ende 2008 vor. Die Regierung ist stark daran interessiert, künftig wesentlich mehr unabhängige Stromanbieter ("Independent Power Plants", IPP) auf dem Markt zu haben. Zudem soll die starke Abhängigkeit des Landes von Wasserkraftwerken bei der Energieerzeugung beschleunigt abgebaut werden. Gegenwärtig stammen über 40 Prozent des Stroms aus Wasserkraftwerken.

Vietnam verzeichnet einen drastisch steigenden Energiebedarf. Marktbeobachter rechnen in den kommenden Jahren mit einem jährlichen Anstieg des Verbrauchs um 15 bis 20 Prozent. Ohne eine beschleunigte Inbetriebnahme neuer Kraftwerke drohen dem Land erhebliche Energieengpässe. Nach Angaben der EVN ist 2008 mit einem Stromdefizit von 8,6 Milliarden kWh und 2009 sogar von 10,3 Milliarden kWh zu rechnen. Vietnam verfügt derzeit über Kraftwerke mit einer installierten Gesamtkapazität von 12.298 MW. Dabei entfallen auf unabhängige Produzenten und Betreibermodelle knapp 25 Prozent der Kapazitäten. Eine ganze Reihe ausländischer Energiekonzerne zeigt bereits verstärktes Interesse an Energievorhaben in dem südostasiatischen Land. Unter den potentiellen Investoren befinden sich Gannon aus den USA, Sojitz, J Power und Sumitomo aus Japan, Tae Kwang Vina Industrial aus Taiwan sowie Phang Nan aus der Volksrepublik China. Bei den meisten der vorgeschlagenen Projekte handelt es sich um Kraftwerke mit einer Kapazität von mindestens 1.000 MW.

Das größte Vorhaben, den Bau eines 3.000-MW-Kraftwerkskomplexes in der südlichen Binh Thuan Provinz, hat die chinesische Phang Nan der dortigen Provinzverwaltung vorgeschlagen. Mehrere Kraftwerksvorhaben planen auch japanische Firmen. J. Power zeigt Interesse am Bau von zwei Wärmekraftwerken mit einer Gesamtkapazität von 2.400 MW in den Zentralprovinzen Phu Yen und Thanh Hoa. Sumitomo ist bereit, 2,4 Milliarden bis 3,1 Milliarden Euro in den Bau eines Kraftwerkes mit einer Kapazität von 2.640 MW und eines Containerhafens in der Industriezone Van Phong in der Khanh Hoa Provinz zu investieren. Die US-Firma Gannon und Tae Kwang Vin Industrial (Taiwan) möchten gern eigene Kraftwerke mit einer Kapazität von je 1.000 MW in der südlichen Dong Nai Provinz errichten. All diese Vorhaben erfordern jedoch eine Zustimmung der Zentralregierung in Hanoi. Potentielle Investoren sollten daher vor jedem geplanten Energievorhaben erst das Industrieministerium über die Realisierungsmöglichkeiten konsultieren.

Hanoi zeigt außerdem großes Interesse am Bau eines Kernkraftwerkes und an einer stärkeren Nutzung alternativer und erneuerbarer Energiequellen für die Stromerzeugung. Nach Vorstellungen der Regierung soll der erste vietnamesische Atommeiler mit einer Kapazität von 2.000 MW bereits 2015 ans Netz gehen. Als voraussichtlicher Standort ist die zentrale Küstenprovinz Ninh Thuan vorgesehen. An dem auf rund 2 Milliarden Euro veranschlagten Vorhaben sind Investoren aus Frankreich, den USA, Japan und Südkorea stark interessiert.

Die Ninh Thuan Provinz ist nach Ansicht von Fachleuten auch für die Errichtung von Windkraftwerken sehr geeignet. Sieben in- und ausländische Investoren haben bereits ihre Bereitschaft bekundet, hier mehrere Windkraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 1.046 MW zu bauen. Die dafür erforderlichen Investitionen werden auf 750 Millionen Euro beziffert. Zu den interessierten Firmen zählen die Vietnam Renewable Energy Joint Stock, die Song Gianh Hydroelectricity Development Joint Stock, die Swiss Aerogie.plus, die Canadian Greta Energy Inc., die An Vien Group und die Huong Dien Hydroelectricity Joint Stock.

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