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Vietnam Fokus 0/2008 vom 15. Februar 2008
Vietnam

Abfallbehandlung - Potential für Investoren ?

Von Thi Hoan Nguyen und Luat Nguyen

Abfallentsorgung ist eines der wichtigsten Themen vietnamesischer Städte. Nach einer Studie der URENCO (Urban Environmental Company) nannten fast 70 Prozent der befragten Städte und Gemeinden Abfallmanagement als eines der größten Umweltprobleme. Zu den wichtigsten Herausforderungen zählen mangelhafte Ausrüstungen und unzureichendes Kapital für die ordnungsgemäße Entsorgung des Abfalls, sowie das fehlende öffentliche Umweltbewusstsein.

Als eines der dringlichsten Probleme gelten die Deponien. Ältere Anlagen sind überhaupt nicht für gefährliche Abfälle ausgerüstet. Sie haben weder Abdichtungen oder Auffangeinrichtungen gegen Sickerwasser, noch Abdeckungen oder Zäune. So kommt es durch die steigenden Mengen an festen Abfällen vermehrt zu Problemen durch Sickerwasser. Zusätzlich leiden die städtischen Deponiestandorte in der Regenzeit unter den Überschwemmungen des Mekong-Deltas. Vietnams schnelle Industrialisierung und Verstädterung führt zu erhöhten Mengen an Müll und Sondermüll. Jedes Jahr werden über 15 Millionen Tonnen Abfall erzeugt - ein Prozent davon gilt als gefährlich. Mehr als 80 Prozent kommen aus städtischen Quellen, einschließlich Haushalten, Gaststätten, Märkten und Geschäften. Mit einem Anteil von einem knappen Fünftel ist der Industrieabfall die zweitgrößte Quelle: Er fällt hauptsächlich in den Industrieparks an, die sich im Süden des Landes konzentrieren. Ho Chi Minh City hat mehr als 1.000 Fabriken, die in elf Industrieparks, drei Gewerbegebieten und einem High-Tech-Park angesiedelt sind. Weitere 1.000 Fabriken und 12.000 Produktionsstätten befinden sich in der Umgebung.

Eine kürzlich durchgeführte Kontrolle des Ministeriums für Naturressourcen und Umwelt bei 77 Fabriken in der Dong-Nai-Provinz nahe Ho Chi Minh City ergab, dass fast alle untersuchten Fabriken den Thi-Vai-Fluss (Dong-Nai-Provinz) verschmutzen. Täglich werden über 90 Tonnen Abfall einschließlich Sondermüll von vielen industriellen Komplexen in die Flüsse Sai-Gon, Dong-Nai und Thi Vai eingeleitet, was die erlaubten Mengen erheblich überschreitet. Eine eigentlich ölfrei zu haltende Trinkwasserquelle wies einen Ölgehalt von 0,4 Milligramm pro Liter auf. Der Sai-Gon-Fluss ist mit Kolibakterien ver-seucht; der Thi-Vai-Fluss zu einem Sammelbecken für Industrieabfälle aus Ho Chi Minh City, der Stadt Bien Hoa und der Dong-Nai-Provinz geworden.

Auch der Sondermüll aus Fabriken und Krankenhäusern ist ein großes Problem. Er wird meist gar nicht oder nur unzureichend behandelt und dann zusammen mit dem städtischen Abfall auf den Deponien entsorgt. Nur wenige Krankenhäuser verfügen über Einäscherungssysteme für medizinischen Sondermüll, die meisten Krankenhäuser trennen ihren Abfall überhaupt nicht. In den städtischen Abfallsammelstellen findet ebenfalls keine Behandlung statt. Das Know-how reicht nicht aus, um die giftigen Abfälle umweltgerecht zu entsorgen. Entsorgt wird der Sondermüll auf Staatskosten von etwa 650 Millionen Euro auf einer 5.000 Hektar großen Deponie.

Die Umweltschutzgesetze ?Law on Environmental Protection" vom 27. Dezember 1995 und die 1995 in Kraft getretenen ?National Environmental Standards" schreiben zwar eine spezielle Deponieausrüstung zur Entsorgung giftiger Abfälle vor, jedoch hat die Zahl der Umweltvergehen kaum abgenommen. Stärkere Anreize für ordentliche Entsorgung sind gefragt.

Hohe Gebühren für die Abfallbehandlung, fehlende gesetzliche Bestimmungen für die Entsorgung und eine nachlässige Strafverfolgung von Umweltsündern sind die Gründe, weshalb Firmen ihre Abfälle nicht vorschriftsgemäß entsorgen. Nicht ausreichendes qualifiziertes Personal verschärft die Müllentsorgungskrise zudem.

Die meisten Stadtbewohner laden den Müll irgendwo ab, statt ihn zu den vorgeschriebenen Deponien zu bringen. Und infolgedessen kommen die Entsorgungsfirmen mit dem Abtransport nicht nach. Die Kapazitäten der zwölf genehmigten Transportfirmen und acht Entsorgungsanlagen für Sondermüll in Ho Chi Minh City reichen schon lange nicht mehr aus. Auch gibt es keine einheitliche Gebühr für die Sammlung von Sondermüll, was zu ungesunder Konkurrenz unter den Entsorgungsfirmen führt. Ein hohes Maß an Bürokratie und umständliche Genehmigungsverfahren für den Sondermülltransport aus den Industrie- und Gewerbegebieten sind weitere Faktoren.

Zur Abfallreduzierung hat die Abteilung Naturressourcen und Umwelt von Ho Chi Minh City die Details eines Rahmenplans zum Thema Abfallbehandlung und -management veröffentlicht, in dessen Rahmenplan verbesserte Auslandsinvestitionen erwünscht werden. Anbieter von Umweltschutzeinrichtungen aus Australien, Deutschland, Schweden, Finnland, Indien, Japan, Kanada, Österreich und Singapur sind bereits mit ihren Produkten auf dem vietnamesischen Markt präsent. Dazu gehören unter anderem die deutschen Unternehmen Knoten Weimar GmbH, GUB Ingenieur AG, EuRec Technology GmbH, Stummer Eurowaren LKW Aufbauten für Entsorgung und Transport, Frits Schäfer GmbH, sowie die im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums aktive GTZ.

Die Landesregierung in Hanoi ist am Aufbau einer einheimischen Produktion von Umweltschutzausrüstungen bzw. -technologien sehr interessiert und erließ mehrere Gesetze zur Förderung ausländischer Investitionen in diesem Segment. Ergänzende Finanzierungen stammen primär vom Official Development Assistance (ODA), der Weltbank, der Asian Development Bank (ADB) oder aus Japan, Frankreich, Australien, Finnland, Dänemark und Deutschland. Im Moment bezieht Vietnam alle Müllfahrzeuge aus Japan und Singapur. Bei der Lieferung von Staubfiltern liegt Indien an erster Stelle.

Durch das starke Wirtschaftswachstum (2007: 8,3%) und die beschleunigte Urbanisierung werden der Wasser- und Elektrizitätsbedarf stark zunehmen. Angaben des "Ministry of Planning and Investment" (MPI) zufolge wird im Jahr 2020 rund ein Drittel der vietnamesischen Bevölkerung in Städten leben. Die Infrastruktur im Bereich Wasserversorgung und Elektrizität hingegen stammt jedoch teilweise noch aus der französischen Kolonialzeit, was zu Engpässen bei der Versorgung führt.

Auch die Entsorgungsfrage hinsichtlich Abfall und Abwasser bleibt weiterhin ungelöst. Die größten Verursacher sind Industriebetriebe, überwiegend aus den Bereichen der Chemie-, Zement-, Papier-, Textil- und Lederwarenproduktion. Nach eigenen Schätzungen der "Hanoi Seweage and Drainge Co." (HSDC) leiten die 247 Groß-, 540 Kleinbetriebe, 450 Handwerkgenossenschaften, 36 Krankenhäuser und die Haushalte täglich in Hanoi etwa 415.000 bis 550.000 m3 Abwasser ungereinigt in die vier Flüsse der Metropole ein. In Ho Chi Minh City oder Danang ist die Abwassersituation ähnlich desaströs.





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