NEU !  Asien Kurier-Vollausgabe
ab 2012 nur noch für Abonnenten
StartseiteArchivBücherProdukt-PiraterieAnzeigen / Ads
Abo, Kontakt Asiatische Webseiten Industriereports Dokumente Über uns
Vietnam Fokus 1/2008 vom 15. März 2008
Vietnam

Dynamischer Außenhandel

Von Bernd Schaaf (gtai)

Der vietnamesische Außenhandel legte 2007 ein hohes Wachstum vor. Da die Importe weitaus stärker stiegen als die Exporte, erhöhte sich das Handelsbilanzdefizit und erreichte mit 12 Milliarden US-Dollar einen neuen Rekord. Da gleichzeitig die Inflationsrate ein Zehnjahreshoch erreichte, ist zu erwarten, dass die Regierung makropolitische Gegenmaßnahmen einleiten wird. Deutsche Firmen konnten vom Nachfragesog des Landes überdurchschnittlich profitieren: Ihre Lieferungen stiegen im Vergleich zum Vorjahr um knapp 90 Prozent auf 1,7 Milliarden US-Dollar.

Vergangenes Jahr 2007 stieg das Außenhandelsvolumen im Vergleich zum Vorjahr um 28,9 Prozent auf 109,2 Milliarden US-Dollar und lag damit erstmals über 100-Milliarden-Dollar. Die Ausfuhren erhöhten sich um 21,5 Prozent auf 48,4 Milliarden US-Dollar, die Einfuhren wuchsen mit einem Plus von 35,5 Prozent noch sehr viel schneller und erreichte 60,8 Milliarden US-Dollar. Das Außenhandelsbilanzdefizit schnellte daher um 145,7 Prozent auf 12,4 Milliarden US-Dollar nach oben.

Damit erreicht das Minus in der Handelsbilanz beachtliche 17,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von schätzungsweise 71,5 Milliarden US-Dollar. Dies ist im internationalen Vergleich ein außerordentlich hoher Wert, der fast drei Mal so groß ist wie die entsprechende Quote der USA in Höhe von 6,1 Prozent des BIP.

Diese Entwicklung setzt die vietnamesische Regierung kräftig unter Druck, zumal die Situation in den ersten zwei Monaten 2008 noch weitaus brisanter wurde. Nach Angaben des General Statistics Office (GSO) belief sich das Defizit auf 4,2 Milliarden US-Dollar - knapp vier Mal soviel wie im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres. Die Exporte stiegen zwar um 29,2 Prozent auf 8,7 Milliarden US-Dollar, die Importe schnellten jedoch um 63,7 Prozent auf 12,9 Milliarden US-Dollar nach oben.

Gepaart mit der überaus hohen Inflationsrate, die im Februar 2008 ein Zehnjahreshoch von 15,7 Prozent erreichte, entsteht eine Situation, die nicht einfach unter Kontrolle zu bringen ist. Empfindliche Leitzinserhöhungen sind in naher Zukunft zu erwarten. Die Planung sieht vor im laufenden Jahr die Exporte um 22,5 Prozent auf 59,3 Milliarden US-Dollar zu steigern. Da sich gleichzeitig die Einfuhren um 25,0 Prozent auf 76,0 Milliarden US-Dollar erhöhen, dürfte das Handelsbilanzdefizit auf einen neuen Rekord von fast 17 Milliarden US-Dollar hinsteuern.

Die Struktur der vietnamesischen Ausfuhr wird seit Jahren dominiert von Rohstoffen, Nahrungsmitteln, Textilien und Bekleidung sowie Schuhen. Der Export von Rohöl bleibt tragende Kraft der Erlöse Er stellt knapp 19 Prozent der gesamten Auslandslieferungen. Ein weiterer Eckpfeiler sind Textilien und Bekleidung, auf die gut 17 Prozent der Ausfuhren entfallen.

Auf der Einfuhrseite sind Maschinen und Elektrotechnik (vietnamesische Klassifikation) der größte Posten, auf den rund 17 Prozent der gesamten Importe entfallen. Um seine ökonomische Basis zu verbreitern ist Vietnam auf den Bezug von moderner Technologie und Know-how angewiesen. Zusammen mit dem Stahlsektor, dessen Bezüge aus dem Ausland 2007 im Vergleich zum Vorjahr um 68 Prozent zulegten, ist der Bereich Maschinen und Elektrotechnik mit einem Zuwachs von 58 Prozent der dynamischste Part innerhalb der Einfuhren (Ausnahme: Kfz. und Kfz-Teile). Ausgehend von einer niedrigen Basis schnellten die Importe um 105 Prozent nach oben. Die Zollsenkungen im Zuge des WTO-Beitritts zeigen also Wirkung, zumal die Entwicklung in den ersten zwei Monaten des Jahres noch viel extremer war. Nach GSO-Angaben verfünffachten sich die Einfuhren von 1.400 auf 9.700 Komplettfahrzeuge.

Die vietnamesische Ausfuhr ist stark abhängig von der Entwicklung der wichtigsten Abnehmer USA und Japan. Auf diese beiden Länder entfällt ein Drittel der gesamten Lieferungen ins Ausland. Alleine in die USA sind die Exporte 2007 auf 10 Milliarden US-Dollar (+28%) gestiegen, diejenigen nach Japan nur auf 6 Milliarden US-Dollar (+15%). Ob 2008 ein prognostizierter Zuwachs der Exporte in die USA von 20 Prozent realisierbar ist, wird von Beobachtern skeptisch gesehen.

Die Lieferungen nach China stiegen nur um 7 Prozent auf 3,3 Milliarden US-Dollar, während die Exporte nach Australien - dem viertwichtigsten Abnehmerland - um außerordentliche 188 Prozent auf 3,2 Milliarden US-Dollar zulegten. Dieser Ausnahmewert erklärt sich dadurch, dass mehr als 80 Prozent der Lieferungen dorthin Rohölexporte sind, die sowohl volumen- als auch wertmäßig nach oben schnellten. Australien nahm 2007 knapp ein Drittel der vietnamesischen Ölausfuhren ab.

Die Einfuhr wird von den Bezügen aus der Volksrepublik China dominiert, auf die knapp 20 Prozent der Gesamtbezüge entfallen. Trotz hoher Basis stiegen 2007 die Importe kräftig um 59 Prozent auf 11,7 Milliarden US-Dollar und das bilaterale Defizit auf 8,4 Milliarden. Vietnam fährt also knapp 70 Prozent seines gesamten Außenhandelsdefizit mit China ein. Singapur lieferte Waren in Wert von 7,2 Milliarden US-Dollar (+15%). Vietnam bezieht von dort in erster Linie verarbeite Erzeugnisse der Petrochemie, da die eigene Produktionsbasis in diesem Bereich bislang viel zu schwach ist. Gleichzeitig ist Singapur der zweitgrößte Abnehmer für vietnamesische Rohölexporte. Dynamisch zeigten sich die Lieferungen Taiwans, die auf 6,7 Milliarden US-Dollar (+38%) zulegen konnten. Da die Exporte dorthin nur auf 1,1 Milliarden US-Dollar (+17%) wuchsen, belief sich das bilaterale Defizit auf 5,6 Milliarden US-Dollar - dem zweithöchsten nach dem Handel mit der Volksrepublik China. Die Importe aus Japan, dem viertgrößten Lieferland, stiegen auf 5,9 Milliarden US-Dollar (+25%), so dass der Außenhandel mit dem Land nahezu ausgeglichen ist.

Deutsche Exporteure können mit dem Handelsergebnis mit Vietnam 2007 sehr zufrieden sein. Sie konnten ihre Lieferungen dorthin im Vergleich zu 2006 - auf US-Dollarbasis - um knapp 90 Prozent auf 1,7 Milliarden US-Dollar steigern. Insgesamt erhöhte sich das bilaterale Handelsvolumen um gut 50 Prozent auf 4,6 Milliarden US-Dollar. 2008 wird die Fünf-Milliarden-Dollar-Grenze höchstwahrscheinlich zum ersten Mal überschritten werden. Die hohe Zuwachsrate bei den deutschen Ausfuhren bewirkte, dass das langjährige Defizit erstmals - wenn auch nur leicht - reduziert werden konnte.

Die Struktur der deutschen Ausfuhr nach Vietnam wird in der Regel vom Maschinenbau dominiert, der meist ein Drittel des Exportes dorthin stellt. 2007 ist insofern ein Ausnahmejahr, da die Lieferungen von Luftfahrzeugen erstmals an der Spitze stehen und rund ein Viertel der deutschen Ausfuhren ausmachen. Die Nachfrage nach deutschen Maschinen insgesamt erhöhte sich auf knapp 380 Millionen US-Dollar (+28%). Innerhalb dieses Segments waren vor allem Pumpen und Kompressoren gefragt, die - allerdings von einer niedrigen Basis - um 264 Prozent auf 22 Millionen US-Dollar stiegen. Aber auch Textilmaschinen (66 Mio. US$, +97%), Druckmaschinen (19 Mio. US$, +96%) sowie Antriebstechnik (9 Mio. US$, +95%) waren stark gefragt. Die Lieferungen von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen stiegen auf 26 Millionen US-Dollar (+36%), Fördertechnik auf 26 Millionen US-Dollar (+24%). Mit Schwierigkeiten sahen sich allerdings Werkzeugmaschinen konfrontiert, die nur noch 13 Millionen US-Dollar (-15%) erreichten. Ähnlich schlecht ging es der Sparte Bau- und Bergbaumaschinen, die einen Rückgang auf 33 Millionen US-Dollar (-16%) hinnehmen musste. Alle anderen Sektoren konnten durchgehend weiter gewinnen und teilweise hohe Zuwachsraten einfahren.





©  2007 bis 2012 Asien Kurier.
All rights are reserved  (Nutzungsrechte / Titelschutz)
Unsere Webseiten sind für den Firefox-Browser und eine Auflösung von 1280 x 1024 pixel optimiert.
Opera und Safari-Browser sind gerne gesehen; auf Microsoft / IE können wir verzichten.