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Vietnam Fokus 1/2008 vom 15. März 2008
Vietnam

Pkw-Absatz rollt auf Rekordniveau

Von Bernd Schaaf (gtai)

Der Pkw-Sektor in Vietnam boomt. Nachdem sich 2007 der Binnenmarkt im Vergleich zum Vorjahr verdoppelte und die Importe gleichzeitig um 130 Prozent zulegten, werden im Lande selbst die Kapazitäten weiter ausgebaut. Da steigende Einfuhren zusehends die wenig effizienten Inlandsproduzenten unter Druck setzt, wird seitens des Ministry of Industry and Trade über eine Erhöhung des geltenden Importtarifs in Höhe von 60 Prozent nachgedacht. Beobachter sehen darin eine Verletzung der Regeln der WTO, der das Land Anfang 2007 beitrat.

Diese erfreuliche Entwicklung betrifft sowohl die Verkäufe inländischer Hersteller, als auch die Zahl importierter Fahrzeuge. Nach Angaben der "Vietnam Automobile Manufacturers´ Association" (VAMA) stieg 2007 die Zahl der insgesamt verkauften Fahrzeuge im Vergleich zum Vorjahr um fast das Doppelte auf 80.400 Einheiten - ein neuer Rekord, mit dem vor Jahresfrist kaum jemand gerechnet hätte. Die Produktion nahm im gleichen Zeitraum um 52,8 Prozent auf knapp 73.000 Automobile zu.

Vom boomenden Markt profitierte trotz weiterhin hoher Zöllsätze auch der Import. Nach den jetzt vom "General Statistics Office of Vietnam" (GSO) publizierten Angaben bezog das Land im Vorjahr 28.000 Fahrzeuge (einschließlich Gebrauchtwagen) im Wert von 523 Millionen US-Dollar aus dem Ausland. Damit erhöhte sich der Absatz im Vergleich zur Vorperiode um 133 Prozent und der Erlös um 151 Prozent. Im Schnitt belief sich der Wert eines Import-Pkw auf knapp 19.000 US-Dollar.

Die positive Entwicklung setzte sich auch im laufenden Jahr fort. Nach Angaben des GSO erhöhten sich die Importe im Januar im Vergleich zum Vorjahresmonat um 200 Prozent auf rund 3.000 Einheiten. Marktführer waren die Vietnam Motor Industry Corporation (Vinamotor) vor der Truong Hai Automobile sowie Toyota Vietnam. Für das Gesamtjahr wird ein Absatz - Einfuhr plus Produktion - von mehr als 100.000 Pkw erwartet. Der Importzolltarif beläuft sich derzeit auf 60 Prozent. Darüber hinaus wird eine Special Consumtion Tax (SCT) in Höhe von 50 Prozent erhoben, so dass ausländische Pkw vergleichsweise teuer sind. Dennoch finden sie offensichtlich immer mehr Käufer.

Unterdessen hat einer der Marktführer, die Toyota Motor Vietnam, angekündigt, angesichts der stark steigenden Nachfrage seine Kapazitäten ausbauen zu wollen. Geplant ist eine Ausweitung um 10.000 auf dann insgesamt 30.000 Einheiten pro Jahr. Honda wiederum plant, seine Modellpalette zu erweitern. Bislang wird nur das Modell "Civic" angeboten.

Auch Mercedes Benz Vietnam (MBV) hat auf den erhöhten Bedarf reagiert und in einer ersten Runde etwa 25 Millionen US-Dollar in das seit 1995 bestehende Joint Venture neu investiert. MBV hält 70 Prozent der Anteile, weitere 30 Prozent entfallen auf die Saigon Automobile Mechanical Corporation. MBV hat zu Beginn des Jahres 2008 eine Importlizenz für CBU-Fahrzeuge ("completely built up") erhalten und will nach eigenen Angaben seine komplette Produktpalette auf dem vietnamesischen Markt anbieten. Honda wird dann 2009 folgen.

Der Importboom veranlasste nun offensichtlich das Ministry of Industry and Trade dazu, über eine Erhöhung der Importzölle nachzudenken. Im Gespräch sind Steigerungen von drei bis zehn Prozentpunkten. Die Implementierung der neuen Sätze könnte schon im 1. Quartal 2008 erfolgen. Im Gegenzug hofft der Herstellerverband VAMA, dass die SCT um zehn Punkte auf 40 Prozent gesenkt werden könnte. Ohnehin ist es den vietnamesischen Planern ein Dorn im Auge, dass die bislang existierenden zehn Joint Ventures bei ihrer Produktion nur einen "local content" von zwischen 5 und 20 Prozent erreichen. Die Regierung fordert nach Zeitungsberichten, diesen Anteil bis 2010 auf 60 Prozent zu erhöhen. Der Gesamtmarkt soll sich bis dahin auf etwa 150.000 abgesetzte Pkw belaufen.

 

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